Ueli Dietiker, aktueller Chef von Swisscom Fixnet, geht nach Italien. Vorausgesetzt, sein Arbeitgeber kann den italienischen Breitbandanbieter Fastweb akquirieren. Seit Dienstag dieser Woche läuft das entsprechende Übernahmeangebot der Swisscom von 47 Euro pro Fastweb-Aktie. Die künftige Aufgabe des ehemaligen Swisscom-Finanzchefs: Den Kolleginnen und Kollegen südlich der Schweiz auf die Finger zu schauen. Das haben Recherchen der «Handelszeitung» ergeben.
Statt die CEO-Funktion im Festnetzbereich neu zu besetzen, will Swisscom-Chef Carsten Schloter gleich die Organisationseinheiten Fixnet und Mobile komplett umkrempeln. Konkret, so interne Stimmen, soll Mobile-CEO Adrian Bult die beiden Divisionen mit fast 10000 Angestellten nach heutigen Bedürfnissen aufteilen. Statt Swisscom Mobile und Fixnet dürfte es künftig eine Netz-Division und eine Retail-Division oder eine Sparte für Geschäftskunden und eine für Privatkunden geben.

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*Entscheidung in diesem Jahr*
Entsprechende Pläne, die heutigen Sparten Mobile und Fixnet neu zu gruppieren, kursieren schon seit Jahren in den Gängen des Swisscom-Hauptsitzes in Worblaufen. Nun sollen sie schon in den nächsten Monaten in die Realität umgesetzt werden - so jedenfalls übereinstimmende Vermutungen im Markt.
Swisscom selbst gibt sich offiziell bedeckt. «Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung», so Sprecher Sepp Huber knapp. Zu delikat ist das Thema. Denn nur schon die Fokussierung auf eine Dachmarke und der damit verbundene Wegfall der Spartenbrands wie Bluewin, Fixnet oder Mobile hatten intern zu grosser Verunsicherung geführt und stiessen auf Widerstand, gerade bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Fixnet. Gerüchte über die Schliessung ganzer Abteilungen und den Abbau Dutzender Arbeitsplätze kursierten. Die Entwarnung von oben, es handle sich um eine reine Frage des Markenauftritts, mochte nur zum Teil zu beruhigen. Die verschiedenen Szenarien wurden weiter diskutiert. Zu Recht, wie sich nun zeigt.
Obwohl selbst die definitiven Entscheidungen zur neuen Markenstruktur und zum Erscheinungsbild noch nicht getroffen sind, dürfte die Gruppenleitung unter Carsten Schloter und der Swisscom-Verwaltungsrat noch in diesem Jahr über die Organisationsstruktur befinden.

*Vorbild Jens Alder *
Die Reorganisation käme bei Swisscom nicht aus heiterem Himmel. Bereits im Juli 2005 hat CEO Carsten Schloter die Marschrichtung vorgegeben. Gegenüber der «Handelszeitung» sagte er auf die Frage, ob man die Divisionen Fixnet und Mobile nicht verschmelzen müsste: «Wenn die Konvergenz weiter an Bedeutung gewinnt, müssen wir uns bei Swisscom dieser Frage stellen.»
Schon damals war die Unruhe bei Swisscom gross, und Schloter fügt seither beschwichtigend an, dass eine Neustrukturierung auch immer viele Ressourcen binde und intern Verunsicherung schaffe. Beides trifft zu und wird sich bei Swisscom belastend auswirken. Laut Beobachtern ist es aber besser, im Zuge des wahrscheinlichen Zukaufs von Fastweb reinen Tisch zu machen, als den Konzern über Jahre mit diversen kleineren Schritten zu lähmen. Kommt hinzu, dass Schloter ein entscheidungsfreudiger Manager ist, der Veränderungen lieber heute als morgen umgesetzt haben möchte.
Die Entwicklungen im europäischen Umfeld geben Schloter Recht: Die ehemaligen reinen Telefonanbieter wandeln sich zu Multimediakonzernen und organisieren sich neu. Auch in der Schweiz. Sunrise gab Anfang Jahr bekannt, dass sie ihre Geschäftsbereiche neu nach Privat- und Geschäftskunden ausrichte. Die Initianten der Umstrukturierung: TDC-CEO und ehemaliger Swisscom-Chef Jens Alder und der Ex-Swisscom-Strategiechef Christoph Brand, heute CEO von Sunrise.