Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und IT wachsen immer mehr zusammen. «Wir haben unser Sortiment dieser Entwicklung angepasst und führen deshalb seit rund drei Jahren auch Multimedia-Produkte im Angebot», erklärt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Tatsächlich gibt es in den Swisscom-Shops längst mehr als Handys und Festnetztelefone zu kaufen. Erhältlich sind heute auch Audio-Produkte wie MP3-Player, Navigationssysteme, Fotoapparate, Spielkonsolen und sogenannte Peripheriegeräte wie Drucker und Lautsprecher für MP3-Player.

«Sehr zufrieden mit dem Absatz»

Wie erfolgreich die Swisscom mit ihrem erweiterten Sortiment ist, gibt sie zwar nicht in Zahlen bekannt. «Wir sind aber sehr zufrieden mit unserem Absatz», so Huber. Daran ist nicht zu zweifeln, denn die Swisscom ist inzwischen – um ein Beispiel zu nennen – der grösste Verkäufer des Apple-Musikspielers iPod. Künftig möchte der blaue Riese in seinen Shops das Apple-Handy iPhone exklusiv vertreiben. Das Gerät gilt schon jetzt, noch bevor es erhältlich ist, als Verkaufsrenner.
Der Entscheid, wer den Zuschlag erhalten wird, ist zwar laut Huber noch nicht gefallen. Auch Orange hat sich um das iPhone bemüht. In der Branche gilt aber so gut wie sicher, dass Swisscom das Rennen machen wird.
Nun will Swisscom ihr Sortiment weiter ausbauen. Künftig will der Konzern in seinen Shops auch Notebooks und Fernseher anbieten. Im Moment läuft dazu in zehn ausgewählten Läden ein Pilotversuch: Notebooks werden in einem neuen Abo-Modell offeriert, bei dem der Kunde in Monatsraten bezahlen kann. Ab Oktober 2007 sollen laut Huber in gewissen Shops auch TV-Geräte offeriert werden.
Obwohl sich die Swisscom-Shops von ursprünglichen Spezialläden für Mobilfunk und Kommunikation zu «Vollsortimentern» entwickeln, die Multimedia und Computer bis zu Unterhaltungselektronik abdecken, sieht Huber darin keinesfalls eine Konkurrenzierung etwa von Interdiscount, Fust oder Media Markt. «Wir differenzieren uns von diesen Anbietern in zwei wesentlichen Punkten», sagt er. «Erstens erfolgt bei uns grundsätzlich ein beratender Verkauf, und zweitens steht bei uns der Service rund um unsere Produkte und Dienstleistungen im Vordergrund.»
Er räumt aber ein, dass die Swisscom ihre Strategie auf den gesamten TIME-Markt – Telekommunikation, IT, Media und Entertainment – ausgerichtet habe. Dementsprechend werde das Sortiment sukzessive erweitert.
Heikel kann dieser Ausbau an Standorten werden, wo man, wie etwa bei Globus, mit den Shop-in-Shops zusammen mit Fust unter einem Dach ist. «Wir müssen selbstverständlich auf die räumlichen und logistischen Gegebenheiten Rücksicht nehmen», sagt Huber. Geplant sei, dass in Zukunft alle Produkte in allen Shops zumindest bestellt werden könnten.

Konkurrent Sunrise winkt ab

Die direkten Konkurrenten von Swisscom halten sich zu den Aktionen des blauen Riesen bedeckt. «Eine Diversifizierung in Richtung Computer oder Unterhaltungselektronik ist in unseren Shops nicht vorgesehen», stellt Sunrise-Sprecher Gottardo Pestalozzi klar.
Auch Orange will sich laut Sprecherin Marie Claude Debons in den eigenen Shops weiterhin auf das Kerngeschäft konzentrieren. «Über mögliche Ausbaupläne beim Sortiment können wir aus Wettbewerbsgründen keine Angaben machen», sagt sie.
Martin Lehmann, CEO des führenden Schweizer Handyverkäufers Mobilezone, verdeutlicht: «Unsere Kernbereiche bleiben auch in Zukunft Kommunikation und Mobilität. Wir werden sicher keine Plasma-Fernseher fürs Wohnzimmer verkaufen.» Sortimentserweiterung sei bei Mobilezone nur dort angesagt, wo die Entwicklung des Handys zum multimedialen Alleskönner damit ergänzt werde. Dazu gehöre etwa ein Fotodrucker für die mit dem Handy aufgenommenen Bilder. Multimedia und Unterhaltung will Mobilezone weiterhin immer an Mobilität koppeln: Mit Handys im Zentrum, die aber über alle möglichen medialen Zusatzfunktionen für Bild, Musik, Navigation und mehr verfügen.

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Fakten: Detailhandel macht mit Handys Kasse

Spezialisten
Mit 115 Shops hat Mobilezone das grösste Filialnetz vor Swisscom (106), Orange (46), The Phone House (45) und Sunrise (38). Umsatzstärkste Verkäuferin dürfte Swisscom sein, die den Umsatz nicht nennt, gefolgt von Mobilezone (297 Mio Fr., 2006) und Sunrise (213 Mio Fr., 2006)


Wachsende Konkurrenz
Die Elektronikhändler Interdiscount, Fust, Media Markt und M-electronics wachsen rasch. Zudem mischen Migros und Coop mit ihren Prepaid-Angeboten den Markt auf. Allein Migros hat bisher über 400000 Prepaid-SIM-Karten verkauft.