Ausländische Konkurrenten geraten wegen Swisscoms traumhaften Margen zuweilen in ungläubiges Staunen. Natürlich sind auch die Investitionen hoch, doch Margen von über 40% im Festnetz und von 50% im Mobilfunk können sich sehen lassen. In den vergangenen Jahren gelang es der Swisscom stets, ihre Profitabilität auf dem heutigen Niveau zu halten. Ein eigentliches Kunststück, denn der Druck aufs Kerngeschäft ist enorm: «Die Preiserosion im Schweizer Geschäft von mehreren 100 Mio Fr. pro Jahr führt zu einem hohen Kostendruck. Dieser Trend wird anhalten», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Um den Druck aufzufangen, greift die Swiss- com seit Jahren zum Rotstift und streicht Stellen.

Dieses Jahr wird es nicht anders sein. Nach Informationen der «Handelszeitung» plant das Unternehmen, bis zu 600 Vollzeitstellen abzubauen. Der Abbau soll über Frühpensionierungen, natürliche Fluktuationen, aber auch über Entlassungen vollzogen werden. Gemäss Insidern soll dabei aber deutlich weniger als die Hälfte aller Stellen über Entlassungen abgebaut werden.

Huber bestätigt die Zahl nicht, sagt aber, es werde wie in den letzten Jahren Anpassungen in einzelnen Bereichen geben. Doch er betont auch: «Bereinigt um Firmenkäufe und Firmenverkäufe stieg die Zahl der Arbeitsstellen von Swisscom in der Schweiz von 2006 bis Anfang 2009 netto um über 700.» Damit Swisscom aber für die Zukunft gerüstet sei, seien strukturelle Anpassungen notwendig. Huber: «Für Fälle, wo es aufgrund der Kundennachfrage und der technologischen Entwicklung nötig ist, Stellen abzubauen, hat Swisscom mit den Sozialpartnern seit Jahren gut ausgebaute Sozialplan-Leistungen vereinbart.»

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Bei den Gewerkschaften hat man sich mit den Jahren an einen Abbau bei der Swisscom gewöhnt. Giorgio Pardini, Vizepräsident der Gewerkschaft Kommunikation, kritisiert vor allem die Art und Weise. Er sagt: «Dieser Entscheid widerspricht den strategischen Vorgaben des Bundesrates. Zudem unterläuft er die Konjunkturprogramme des Bundes.» Völlig inakzeptabel sei, dass die Gewerkschaften erst informiert würden, wenn die Entscheide bereits gefallen seien. Für Pardini ist klar: «Der Produktivitätszuwachs bei der Swisscom war die letzten Jahre über enorm. Jetzt muss man endlich über eine Umverteilung der Arbeit nachdenken, um damit Stellen zu sichern.»

Hohe Dividenden

Tatsächlich schüttet die Swisscom seit Jahren hohe Dividenden an ihre Aktionäre aus. Viel Geld fliesst auch dem Bund zu, der noch immer Mehrheitseigner ist. In den Vorgaben des Bundesrates wird die Swisscom aber auch dazu angehalten, sichere Arbeitsplätze anzubieten. Das ist - trotz Aufbau neuer Abteilungen - nicht im ganzen Konzern gegeben.

So trifft der kommende Jobabbau bei der Swisscom einmal mehr Mitarbeiter im Backoffice, teilweise in Call Center, aber auch beim Auskunftsdienst oder der Technik. Immerhin: Der Sozialplan der Swisscom ist gut ausgestaltet. Er enthält schweizweit überdurchschnittliche Leistungen und berücksichtigt die persönliche Situation der betroffenen Mitarbeitenden wie z.B. Alter und Dienstalter. Hauptanliegen ist zudem, dass Swisscom mit ihrer eigenen Tochtergesellschaft Worklink eine rasche berufliche Wiedereingliederung anstrebt. Huber: «Für ältere Mitarbeitende besteht so die Möglichkeit, bei Worklink individuelle Einsätze bis zur Pensionierung zu leisten.»

Neben dem Jobabbau sind sich Swisscom und Gewerkschaften noch in einem zweiten Punkt uneins: Den Löhnen für 2010. Erstmals in der Firmengeschichte wurden sich die Verhandlungspartner nicht einig, sodass man damit rechnen musste, ein Schiedsgericht anzurufen.

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Doch generelle Lohnerhöhung

Offenbar ist für Ende dieser Woche aber ein Treffen zwischen Vertretern der Swisscom und den Gewerkschaften geplant. Insider erwarten eine Einigung in letzter Minute. Dabei werden sich beide Seiten bewegen: Die Swisscom will einer generellen Lohnerhöhung zustimmen, allerdings soll diese sehr moderat ausfallen. Zudem sollen Einmalzahlungen vereinbart werden.

Weder bei der Swisscom noch bei den Gewerkschaften will man sich über den Stand bei den Lohnverhandlungen derzeit äussern.