Die Eidg. Wettbewerbskommission gibt Swisscom und Tamedia grünes Licht für den Zusammenschluss ihrer Verzeichnisdienste. Ob Local.ch und Search.ch aber überhaupt gegen Google und andere internationale Konkurrenz bestehen können, steht auf einem anderen Blatt.

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat sich an ihrem am Dienstag publik gewordenen Entscheid offensichtlich von der Argumentation des Telekomkonzerns Swisscom und des Medienkonzerns Tamedia überzeugen lassen. Denn hätten die Wettbewerbshüter den Markt enger definiert, wäre die Fusion der beiden Verzeichnisdienste Local.ch und Search.ch mit Sicherheit verboten worden.

Meistbesuchten Webseiten

In ihrer Mitteilung spricht die Weko nämlich von einer marktbeherrschenden Stellung, welche Local.ch und Search.ch nach ihrer Fusion im Bereich von Adressverzeichnissen haben werden. Gleichzeitig schreibt die Kommission aber auch, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Fusionsverbot nicht erfüllt seien, weil durch den Zusammenschluss keine Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs zu erwarten sei.

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In der Schweiz gehören Local.ch und Search.ch heute zu den meistbesuchten Webseiten. Gemäss den Februar-Zahlen der in der Internetnutzungsforschung tätigen Net-Metrix war Local.ch gemessen an der Zahl der Besucher (Unique Clients) hinter den Onlineportalen von «20 Minuten» die am zweithäufigsten besuchte Internetseite der Schweiz.

Search.ch folgt auf Platz 5. Auf der Rangliste nicht berücksichtigt sind hingegen internationale Seiten wie Google oder Facebook. Diese dürften die Schweizer Verzeichnisdienste um Längen schlagen, was wohl der Grund ist, weshalb die Weko kein Fusionsverbot ausgesprochen hat.

Alternative zu Google

Erklärtes Ziel von Swisscom und Tamedia ist es, eine Schweizer Alternative zu Google und Co. zu schaffen. Im gleichlautenden Communiqué der beiden Firmen heisst es wörtlich, mit dem Zusammenschluss entstehe eine umfassende schweizerische Verzeichnis- und Informationsplattform für Privatpersonen, Unternehmen und die öffentliche Hand und damit ein wichtiger Werbepartner für kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz.

Ob und wie ein solches Angebot gegen Google bestehen kann, bleibt dahingestellt. Denn der Schweizer Markt ist verhältnismässig klein und die grossen Internetkonzerne sind mächtig. Wie viel Geld schliesslich für Werbung auf Internetplattformen ins Ausland fliesst und wie viele Mittel künftig bei inländischen Angeboten verbleibt, ist unklar.

Einträgliches Geschäft

Tatsache ist jedoch, dass das Geschäft mit den Verzeichnisdiensten heute ziemlich einträglich ist. Zahlen für 2014 lassen sich weder für das vollständig von der Swisscom kontrollierte Portal Local.ch noch für die bisher gemeinsam von Tamedia und der Post betriebene Seite Search.ch finden.

Im Geschäftsbericht von Tamedia heisst es lediglich, bei Search.ch hätten Umsatz und Gewinn 2014 weiter gesteigert werden können. Für Local.ch wurde für das Jahr 2013 ein Umsatz von rund 200 Millionen Franken und ein operativer Gewinn von 50 Millionen Franken angegeben. Eine Betriebsgewinnmarge von 25 Prozent ist auch die Grössenordnung, von der man in Marktkreisen für gut laufende Verzeichnisdienste ausgeht.

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«Richtige Geldmaschinen»

Ein Geschäft sind die Verzeichnisdienste hauptsächlich wegen kostenpflichtiger Zusatzeinträge und weiterführenden Dienstleistungen für Firmen, die über die Onlineportale gesucht und gefunden werden können. Dass das Geschäft lukrativ ist, liess der Gründer von Search.ch, Reto Hartinger, vor rund einem Jahr in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» durchblicken. Die Websites seien «richtige Geldmaschine», sagte er damals.

Das erklärt auch den Preis, den sowohl Swisscom wie auch Tamedia für den Werbevermarkter Publigroupe zu zahlen bereit waren, der einst Local.ch zusammen mit Swisscom betrieb. 474 Millionen Franken blätterte Swisscom schliesslich dafür hin, nachdem man sich mit Tamedia letzten Mai nach einem Bieterkampf für die Publigroupe auf einen gemeinsamen Weg verständigt hatte.

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Ausstiegsklausel für Tamedia

Inskünftig werden Local.ch und Search.ch, welche quasi die Telefonbücher des Internetzeitalters sind, also unter einem Dach betrieben werden. Der Vollzug der Fusion ist gemäss Mitteilung von Swisscom und Tamedia bis Mitte Jahr vorgesehen.

Kontrolliert wird das neue Unternehmen dann von der Swisscom. Tamedia ist mit einer Beteiligung von 31 Prozent Minderheitsaktionärin. Dieses Arrangement ist allerdings nicht in Stein gemeisselt: So ist ausgemacht, dass nach drei Jahren die Swisscom der Tamedia deren Minderheitsbeteiligung für rund 200 Millionen Franken abkaufen kann. Tamedia wiederum verfügt über ein ähnliches Verkaufsrecht.

Dies sei als Absicherung vereinbart worden, grundsätzlich solle die Plattform gemeinsam entwickelt werden, hiess es von Seiten der Tamedia.

(sda/dbe/ise)

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