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Swisscom warnt: Gesetze bremsen 5G aus

Immer schneller: Swisscom demonstriert, was das aktuelle Netz kann. Keystone

Der Schweizer Ex-Monopolist fordert erneut eine Lockerung der Strahlenverordnung. Nur so könne das Potenzial der nächsten Mobilfunk-Generation voll ausgenützt werden.

Von Michael Heim
am 28.06.2017

Lockert die Schweiz nicht ihre Strahlenschutz-Bestimmungen für Natel-Antennen, wird es nicht mehr möglich sein, das volle Potenzial der kommenden Mobilfunk-Generation (5G) auszunützen. Das sagte Swisscom-Technologie-Chef Heinz Herren heute Mittwoch an einer Präsentation in Zürich.

Behalte man die heute geltende Verordnung zur nicht ionisierenden Strahlung (NIS-Verordnung) bei, werde es schwierig, 5G effizient zu nutzen, so Herren. «Wir hoffen, dass es noch eine Lockerung geben wird.» Ohne einen Ausbau drohe der Schweiz ein langsameres Netz.

Lockerungen erst kürzlich abgelehnt

Zuletzt hatte die Branche wenig Erfolg im Kampf für weniger strenge Regeln. Im Parlament kam im vergangenen Jahr eine Lockerung der  Gesetzesgrundlagen nicht durch. Ein entsprechender Vorstoss von Ruedi Noser (FDP) wurde im Dezember im Ständerat abgelehnt.

Die NIS-Vorschriften der Schweiz sind deutlich strenger als jene der europäischen Nachbarländer. Das führt dazu, dass  mehr Antennen aufgestellt werden müssen, weil die einzelnen Antennen eine schwächere Sendeleistung haben.

Mit der fünften Generation im Mobilfunk sollen unter anderem die Übertragungskapazitäten noch einmal deutlich gesteigert werden. Download-Geschwindigkeiten von bis zu 20 Gigabit seien dann möglich, erklärt Herren.

Tests mit schnellerem Internet

Derzeit testet Swisscom erste Sendeanlagen des Ausrüsters Ericsson. Für ihren Standort im Zentrum von Zürich hat sie eine Sondergenehmigung des Bundesamts für Kommunikation für eine experimentelle 5G-Antenne erhalten.

Gegenüber heute bedeuten die 5G-Kapazitäten eine Verhundertfachung. In den 40 besten Prozent des Swisscom-Netzes seien derzeit Downloads von bis zu 300 Megabit möglich, heisst es beim Schweizer Staatskonzern. 

Der Ausbau auf 5G macht nicht nur neue oder neu ausgerüstete Antennen notwendig. Um Spitzenkapazitäten zu erreichen, sollen künftig auch neue Mobilfunkfrequenzen im Bereich von 22 Gigaherz oder höher verwendet werden. Diese stehen derzeit noch nicht für Handynetze zur Verfügung.

Frequenzauktion im neuen Jahr

Die neuen Frequenzen sollen im kommenden Jahr vergeben werden. Noch ist der Vergabemodus nicht bestimmt. Swisscom-Manager Herren «hofft» jedoch, dass diese in einer Auktion an die Netzbetreiber vergeben werden. «Das wäre der fairste Prozess.»

Bereits mit dem aktuellen Netzstandard LTE will die Swisscom ihr Netz für Downloads von bis zu 1 Giabit fit machen. Derzeit ist sie daran, als erstes die Antennen in ausgewählten Swisscom-Shops entsprechend auszurüsten. Noch gibt es wenige Handys, die solche Download-Geschwindigkeiten verarbeiten können.

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