Am 7. April geht die Causa Fastweb in die nächste Runde. Dann soll in Italien eine Anhörung vor Gericht stattfinden. Im Vorfeld feilt die Swisscom, der die italienische Fastweb seit 2007 mehrheitlich gehört, an ihrer Verhandlungstaktik.

Der Rücktritt des immer noch inhaftierten Fastweb-Gründers Silvio Scaglia aus dem Verwaltungsrat zeigt: Die Swisscom will vermeiden, dass die ganze Fastweb in den Sog der Justiz gerät. Fastweb und die Telecom-Italia-Tochter Sparkle stehen im Zentrum von Ermittlungen wegen mutmasslichen Mehrwertsteuerbetrugs und Geldwäscherei von Dritten. Eine Gesamtsumme von 400 Mio Euro, durch Lieferanten hinterzogene Mehrwertsteuern, soll im Spiel sein. Fastweb soll mit rund 70 Mio Euro betroffen sein. Die Untersuchungsbehörde beantragt dem Gericht die Bestellung eines Kommissars gegenüber Fastweb.

Weitere Abschreibungen?

Nach Informationen der «Handelszeitung» wollen die Fastweb-Anwälte dem Gericht vorschlagen, den Bereich Wholesale organisatorisch anzupassen, sprich, ihn abzuspalten. Die Sparte Wholesale verkauft Telekomdienstleistungen an alternative Anbieter und steht im Zentrum der Steuerbetrugsermittlungen. Swisscom dürfte die rechtliche Ausgliederung von Fastweb prüfen, indem sie beispielsweise eine zusätzliche Firma zwischen Fastweb und Swisscom «einbaut», die als Holding funktioniert. Sollte dann nämlich die Tochter unter italienische Aufsicht gestellt werden, wäre zumindest die Swisscom nicht direkt betroffen.

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Durch eine solche Neuorganisation wollen die Fastweb-Anwälte auch die Transparenz erhöhen. Und im Idealfall erreichen, dass der Staatsanwalt den Antrag auf die Bestellung eines Kommissars zurückzieht. Gelingt das nicht, soll sich der Sonderverwalter wenigstens nur um die Kontrolle besagter Sparte kümmern.

Gemäss Brancheninsidern will die Swisscom bei Fastweb zudem Rückstellungen bilden. Dabei geht es einerseits um die Mehrwertsteuerguthaben in Höhe von 70 Mio Euro, die man womöglich nicht mehr zurückerhält. Anderseits muss die Swisscom damit rechnen, dass Fastweb gebüsst wird. Wie hoch eine solche Busse in Italien ausfallen könnte, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. Offiziell heisst es bei der Swisscom nur: «In Verbindung mit diesem Verfahren besteht ein finanzielles Risiko in der Höhe von rund 70 Mio Euro exklusive allfälliger Bussen. Es wird nun geprüft, ob diesbezüglich Rückstellungen notwendig sind.»

Dass darüber hinaus noch Abschreibungen anfallen, ist aus heutiger Sicht zudem wahrscheinlich. Swisscom weist für Fastweb derzeit 2,6 Mrd Fr. Goodwill aus.