Jene 700'000 Kunden, die bereits einen Glasfaseranschluss in der Wohnung haben, könnten bereits ab Ende Jahr mit einem Spitzentempo von 1 Gigabit pro Sekunde (= 1000 Mbit/s) durchs Internet sausen, sagte Swisscom-Interimschef Urs Schaeppi vor den Medien in Zürich. Das ist zehnmal mehr als heute. So schnell sei kein anderer Anbieter in der Schweiz.

Damit will die Swisscom der Konkurrenz durch die TV-Kabelnetzbetreiber Paroli bieten. So macht sich zum Beispiel UPC Cablecom, die bereits jetzt Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit/s anbietet, seit langem in der Werbung über die langsamen Swisscom-Anschlüsse lustig.

In über 50 Städten und Gemeinden legt die Swisscom - teils gemeinsam mit den E-Werken und Kabelnetzanbietern - Glasfasern bis zum Endkunden. Bis Ende 2015 sollen 1 Mio. Wohnungen und Geschäfte durchgehend an die ultraschnellen Leitungen angeschlossen sein.

Schub auf dem Kupfernetz

Auch ins traditionelle Kupfernetz, das der Flaschenhals der Swisscom ist, soll mehr Schub kommen.«Das Kupfernetz ist noch lange nicht am Ende», sagte Schaeppi. Dank einer neuen Software in den Quartierverteilkästen werde die Geschwindigkeit ab Anfang nächsten Jahres verdoppelt. Damit seien Übertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s möglich.

Heute liegen sie bei maximal 50 Mbit/s. Das ist allerdings die theoretische Höchstgeschwindigkeit, die bei weitem nicht alle Anschlüsse hergeben. Denn je länger die Kupferleitung von der Ortszentrale oder vom Quartierverteilkasten bis zum Endkunden ist, desto geringer ist die Geschwindigkeit, die der Nutzer erhält.

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Zudem stören sich die Kupferleitungen gegenseitig. Je mehr Kabel in einem Strang zusammengefasst sind, desto grösser sind die Störungen, die das Tempo bremsen. Gewisse Anschlüsse leisten nicht einmal 10 Mbit/s.

Mit neuer Software und Hardware in den Quartierverteilkästen könne man nun diese Störungen, das so genannte Übersprechen der Kabel, eliminieren, erklärte Schaeppi. Dadurch liessen sich die heutigen Geschwindigkeiten verdoppeln.

Glasfaser näher an Häuser ziehen

Gleichzeitig will die Swisscom ausserhalb der Ballungsgebiete die Leitungslänge zwischen Kunde und Verteilknotenpunkt kürzen, um auf dem Kupfernetz schneller zu werden.

Dazu will die Swisscom die Glasfaserleitungen und die entsprechende elektronische Ausrüstung bis in die Verteilschächte der einzelnen Strassen legen, statt wie bisher nur in die Quartierkästen. Dadurch nimmt die Länge des Kupferkabels von maximal 750 Meter auf rund 200 bis 250 Meter ab. Bei grösseren Wohnblöcken legt die Swisscom die Glasfaserleitungen gleich bis in den Keller.

Bis Ende 2015 sollen mehr als 1,3 Mio. Haushalte über das Kupfernetz Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s erhalten. Danach soll der neue technische Standard «G.fast» (sprich: Dschi-dot-fast) sogar ein Spitzentempo von 500 Mbit/s ermöglichen.

Im Jahr 2020 sollen in über 80 Prozent der 4,7 Mio. Wohnungen und Geschäfte in der Schweiz Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr möglich sein. Insgesamt will der «Blaue Riese» heuer 1,75 Mrd. Fr. in die Infrastruktur investieren. Davon gehe der grösste Teil ins Festnetz, sagte Schaeppi.

(sda/tke)