1. Home
  2. Unternehmen
  3. Swissfirst-Gruppe: Auf gute Karte gesetzt

Swissfirst-Gruppe: Auf gute Karte gesetzt

Die Integration der Bank am Bellevue kommt rasch voran. Dank Synergien hat die Gruppe viel Gewinnpotenzial.

Von Samuel Gerber
am 30.11.2005

Auf dem Papier ist der Zusammenschluss zwischen den beiden Investmentbanken Swissfirst und Bank am Bellevue vollzogen. Und die «alte» Swissfirst bringt eine ansehnliche Aussteuer mit. So weist die Bank im 3. Quartal des Bilanzjahres 2005 das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte aus. Im Vergleich zur Vorjahresperiode stieg der Reingewinn um 78% auf 16,2 Mio Fr. Gleichzeitig konnten die Aufwände massiv reduziert werden; das Kosten-Ertrags-Verhältnis ist von über 40 auf 33% gesunken.

Wachstum lässt aufhorchen

Aufhorchen lässt auch das Wachstum der Sparten Vermögensverwaltung und Private Banking. Diese Bereiche konnten die verwalteten Kundengelder über die letzten neun Monate um 14,1 respektive um 29,8% steigern. Somit zeigen sich die Früchte der ursprünglichen Strategie, den Beitrag dieser beiden Geschäftszweige zum Gesamtergebnis auf einen Anteil von rund 50% zu forcieren. In der neuen Swissfirst-Gruppe spielen jene Wachstumstreiber jedoch wieder eine untergeordnete Rolle: Javier Lodeiro, Aktienanalyst bei der Bank Sarasin, schätzt den Nettogewinnanteil der beiden Sparten für 2006 in der neuen Swissfirst auf knapp 20%. Immerhin wird nach den Worten von Thomas Matter, dem CEO der Swissfirst Group, das organische Wachstum weiter vorangetrieben. Beobachter rechnen hier mit einem Ausbau des Netzes nach Genf und Lugano.

Mehr als drei Viertel der zu erwartenden Gewinne der Swissfirst- Gruppe entfallen aber nach wie vor auf das Investmentgeschäft; Synergien müssen die beiden Fusionspartner also vorab in diesem Bereich finden. Die Ausgangslage lässt hoffen: So kann die Swissfirst ihr Derivategeschäft auf das bestehende Kundennetz der Bank am Bellevue ausweiten. Ein allfälliges Abflauen der Nachfrage nach Finanzprodukten könnte Swissfirst also relativ schadlos überstehen. Dem Brokerage-Geschäft der Bank am Bellevue kommt es hingegen zustatten, dass die Swissfirst ihre Kostenstruktur reduzieren konnte. Die Kosten-Ertrags-Rate der neuen Gruppe dürfte deutlich unter 30% zu liegen kommen. Damit würde das volatile Brokerage mit einem zusätzlichen Anker versehen.

Abschied von hoher Dividende

Vor diesem Hintergrund besteht durchaus Gewinnpotenzial. Trotzdem müssen die Aktionäre von Swissfirst noch die eine oder andere Kröte schlucken. So hatte die Firmenleitung ­ noch bevor sie den Zusammenschluss mit der Bank am Bellevue ins Auge gefasst hatte ­ den Anlegern eine Dividende von 5 Fr. sowie eine Nennwertreduktion um 40 Rp. versprochen. Diese Auschüttung wird künftig reduziert. Mit dem über einen Aktientransfer zustande gekommenen Zusammenschluss sinkt zudem die Zahl der frei gehandelten Titel auf 23%. Entsprechend dürfte die Volatilität der Aktie steigen.

Für Unsicherheit sorgen ausserdem die verschiedenen Rechtsverfahren um den Zusammenschluss. Zum Einen ist dies die laufende Untersuchung der Swiss Exchange und der Eidgenössischen Bankenkommission wegen möglichen Insiderhandels. Zum Anderen strengt Matter eine Gegenklage gegen Swissfirst-Aktionär Rumen Hranov an. Hranov hatte Matter bezichtigt, für den Zusammenschluss benötigte Aktien unter falschen Angaben beschafft zu haben.

Swissfirst Letzter Kurs: Fr. 80.05

FAZIT
Nach dem starken Kursanstieg der letzten Monate dürften die Swissfirst-Titel vorerst wohl eine Verschnaufpause einlegen. Mittelfristig könnten die Aktien aufgrund der positiven Gewinnperspektiven der Finanzgruppe wieder anziehen.

Anzeige