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Erleichtert
Swissgrid: Sonnenfinsternis ohne Probleme

Europas Netzbetreiber haben die Sonnenfinsternis problemlos überstanden. Die intensive Vorbereitung habe sich auch hierzulande ausgezahlt, sagt Swissgrid. «Alles ist perfekt gelaufen.»

Veröffentlicht am 20.03.2015

Die Stromnetzbetreiber in Europa haben sich intensiv auf die partielle Sonnenfinsternis und die Schwankungen bei der Solarenergieproduktion vorbereitet. «Alles ist perfekt gelaufen», sagte Swissgrid-Sprecher Andreas Schwander am Freitag auf Anfrage.

Zu Beginn der Sonnenfinsternis seien in Europa 26 Gigawatt Solarenergie am Netz gewesen, führte Schwander aus. Um etwa 10.30 Uhr, als die Verdunkelung am stärksten war, waren es noch 11 Gigawatt, bevor die Solarenergie-Menge kurz vor Mittag wieder auf 37 Gigawatt hochschnellte. «Ein Riesensprung», sagte Schwander.

Wie ein AKW

Ein Gigawatt entspricht in etwa der Leistung des Kernkraftwerks Gösgen SO. Man müsse sich also vorstellen, dass während der Sonnenfinsternis zuerst die Leistung von 15 AKW von der Grösse Gösgens abfalle und danach die Leistung von 26 AKW zurückkehre, führte Schwander aus. «Das musste kompensiert werden».

Neben der guten Infrastruktur brauche es dafür auch intensive Vorbereitung, die bereits im vergangenen Sommer begonnen hätten. Zum Beispiel hätten die Netzbetreiber in Europa vereinbart, am Freitag keinerlei Unterhaltsarbeiten durchzuführen, um für den Ausgleich alle Leitungen zur Verfügung zu haben.

Komplexe Choreografie

Im Unterschied zu schlechtem Wetter über einer Schlechtwetterzone sei es mit der Sonnenfinsternis überall in Europa gleichzeitig sehr rasch viel dunkler und dann wieder hell geworden. Deshalb mussten konventionelle Energiequellen - etwa Gas- oder Wasserkraftwerke - choreografiert zuerst hoch- und dann wieder heruntergefahren werden.

Betroffen waren nach Angaben von Swissgrid vor allem Länder mit einem hohen Anteil von Solarenergie, etwa Frankreich, Italien, Spanien oder Deutschland. In der Schweiz ist der Anteil von Solarstrom mit rund einem Prozent gering.

Das deutsche Stromnetz bestand den Stresstest Sonnenfinsternis nach Angaben der Betreiber ebenfalls mit Bravour. Landesweit habe es keine Engpässe oder Stromausfälle gegeben, berichteten übereinstimmend die vier Betreiber der Stromautobahnen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldete.

2022 wirds noch schwieriger

Bei der nächsten partiellen Sonnenfinsternis 2022 wird der Stresstest noch härter sein, weil der Ausbau der erneuerbaren Energie rasch vorangeht. Der Anteil von Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse an der Stromerzeugung soll von heute rund 26 Prozent bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen.

Deutschland hatte sich 2011 nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima für einen völligen Umbau der Energieversorgung entschieden. Das letzte Kernkraftwerk wird bis 2022 abgeschaltet.

(awp/gku)

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