W egen der steigenden Rohstoffpreise hat das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel die Wachstumsprognosen auf 2% gesenkt. Auch die Strompreise könnten zu einem unangenehmen Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung werden. Ab 2009 haben zwar Endverbraucher mit einem Jahresverbrauch von mehr als 100 MWh freien Marktzugang. Zum gleichen Zeitpunkt wird jedoch die nationale Höchstspannungsnetzbetreiberin Swissgrid die Kosten für das Übertragungsnetz und die Systemdienstleistungen auf die Stromanbieter überwälzen können. Sie belaufen sich auf jährlich insgesamt rund 1 Mrd Fr.

Mehrkosten weitergegeben

Auf die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) entfallen dadurch Mehrkosten von 100 Mio Fr. Das dürfte nach Berechnungen des Unternehmens eine Erhöhung der Strompreise von 20% für die privaten Endkunden zur Folge haben.

Die Industriellen Werke Basel (IWB) erwarten einen vergleichbaren Preisaufschlag. Die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) rechnet ebenfalls mit Preisaufschlägen im tieferen zweistelligen Prozentbereich.

Stark betroffen sind trotz baldiger Wahlfreiheit die Grosskunden. Sie können nicht darauf hoffen, dass der Wettbewerb zu günstigen Konditionen führt. Im Gegenteil: Laut der NOK müssen die Unternehmen mit einer vergleichbaren Preissteigerung rechnen wie die Privatkunden. «Der von Swissgrid festgelegte Tarif wird an alle Kunden verursachergerecht weiterverrechnet. Auch die Preise für Geschäftskunden werden steigen», bestätigt ebenfalls René Kindhauer, Kommunikationsleiter der IWB.

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Im Endeffekt könnten die Firmen sogar schlechter dastehen als die Privatkunden. Denn Unternehmen verbrauchen in der Regel viel Strom und nutzen das Netz überproportional. Entsprechend müssen sie hohe Anteile an Netznutzung und Systemdienstleistungen bezahlen.

Diese Entwicklung bereitet den energieintensiven Unternehmen Sorgen. Entsprechend kämpferisch gibt sich Swissmem-Direktor Peter Dietrich: «Wir sind sowohl mit unseren Verbandsmitgliedern wie auch mit den Stromanbietern im Kontakt, selbstredend mit dem Ziel, für unsere Industrie so gute Bedingungen wie möglich auszuhandeln.» Im Rahmen der Stromversorgungsverordnung werde die Mitsprachemöglichkeit ebenfalls wahrgenommen.

Europäisches Niveau

Keine Freude haben auch die Stromlieferanten selbst. So hat der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen von Swissgrid eine Erklärung für die hohen Preise von Systemdienstleistungen verlangt. Und die IWB haben – wie fünf weitere Akteure – bei der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) sogar eine Beschwerde eingereicht. «Die IWB erachten die Höhe der Swissgridtarife als nicht angemessen und nicht nachvollziehbar. Bisher wurden diese Kosten in internen Berechnungsmodellen der Branche tiefer angesetzt», so Kindhauser.

Entsetzt zeigt sich ebenfalls Simonetta Sommaruga, SP-Ständerätin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Sie hofft auf die geplante Kostenüberprüfung der Swissgridtarife durch die ElCom. Nichtsdestotrotz warnt sie allerdings vor zu viel Hoffnung: «Der Strom wird allgemein teurer. Das hat nichts mit der Liberalisierung zu tun.» Diese Ansicht teilt Dietrich. Auch er befürchtet – nicht nur für Privatkunden – eine Annäherung der tiefen Schweizer Strompreise an das europäische Niveau.