Jürg Schnetzer ist nicht zu beneiden. Nur anderthalb Jahre hat der neue Direktor des Heilmittelinstituts Swissmedic Zeit, die Behörde flexibler, effizienter und berechenbarer zu machen. Gleichzeitig soll Swissmedic auch «etwas in die Moderne» geführt werden. Bis Ende 2008 soll dieser Transformationsprozess abgeschlossen sein.

Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren werden der Behörde von Politikern und Pharmavertretern Ineffizienz und eine betont restriktive Auslegung der Gesetze vorgeworfen. Zu Beginn fehlte auch eine einheitliche Informatikplattform.

Rochade in der Direktion

Jetzt soll Schnetzer Abhilfe schaffen. Er hat deshalb soeben eine Rochade in der Direktion vorgenommen. Hans Beat Jenny, bis Ende 2007 Leiter des Bereiches Marktüberwachung, ist neu für den Bereich Zulassung zuständig. Karoline Mathys wechselte im Gegenzug von der Spitze der Zulassungsabteilung an die Spitze der Marktüberwachung. «Diese Rochade dient der Schnittstellensicherheit und der Dynamisierung des Instituts», begründet Schnetzer seine Entscheidung.

Im März startet der Swissmedic-Direktor ausserdem ein Projekt, das von den Pharmaunternehmen seit längerem gefordert wird. «Wir beginnen mit den Vorbereitungen, damit die Zulassungsanträge für Medikamente in Zukunft elektronisch eingereicht werden können», so Schnetzer. «Mit den Ergebnissen der Pilotversuche kann im 2. Halbjahr 2009 gerechnet werden.»

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Jürg Schnetzer gibt aber zu bedenken, dass auch die Pharmakonzerne einen Beitrag dazu leisten müssen, dass die Zulassungsentscheide rascher gefällt werden können. «Es treffen immer noch unvollständige Dokumentationen für das Zulassungsverfahren bei uns ein. Hier gibt es mit Sicherheit eine Verbesserungsmöglichkeit für einzelne Firmen», sagt er. Denn: «Es reicht nicht, einfach eine Kopie des Zulassungsantrags für die Europäische Union an uns zu schicken, wie dies zum Teil geschieht», hält Schnetzer fest.

Walter P. Hölzle, Geschäftsführer des Schweizer Pharmabranchenverbandes Vips, will nicht ausschliessen, dass es solche Fälle gegeben hat. Wichtiger ist für ihn: «Ist ein innovatives Arzneimittel von wichtigen ausländischen Behörden, vor allem von der EU und den USA, bereits zugelassen, soll dies Swissmedic bei ihren Zulassungsverfahren so weit als möglich berücksichtigen.»

Thomas Cueni, Geschäftsführer des Verbandes der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz (Interpharma), ergänzt: «Eine eigenständige Arzneimittelbehörde bringt aus Sicht des Standortwettbewerbs nur Vorteile, wenn sie besser beziehungsweise mindestens gleich gut ist wie andere führende Behörden», betont er.

Passwort vor Bundesgericht

«Die Schweizer Politik hat sich für ein eigenständiges Zulassungsverfahren ausgesprochen», entgegnet Schnetzer. Hinzu komme, dass es in den aktuellen Bilateralen Verträgen keinen Informationsaustausch mit der EU im Bereich der Medikamentenzulassung gebe.

Am Passwortschutz für Homepages, die Werbung für rezeptpflichtige Mittel beinhalten, hält Schnetzer fest. Diese Regelung ist heftig umstritten, weil die Abgrenzung von Information und Werbung bei Medikamenten von Behörde und Branche anders ausgelegt wird. Nun sind beim Bundesgericht Verfahren hängig.

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