Der Entscheid des Bundesrates kommt uns gelegen», erklärt Hansueli Schürch, Personalleiter der Fritz Studer AG in Thun. Der zum deutschen Schleifring-Konzern gehörende Hersteller von Rundschleifmaschinen hat im Mai 2009 Kurzarbeit eingeführt; und mit der 18-Monate-Regelung wäre damit im Oktober 2010 Schluss gewesen. «Zu früh für uns», sagt Schürch, «denn wir rechnen erst 2011 mit einer nachhaltigen Erholung des Marktes.» Die Fritz Studer AG, deren Umsatz 2009 um 40% einbrach, musste zwar den Personalbestand um 80 Leute auf 730 Personen reduzieren. Aber ohne Kurzarbeit wäre man um wesentlich mehr Entlassungen kaum herumgekommen. Jetzt hoffen die Verantwortlichen, sich dank der verlängerten Kurzarbeit mitsamt den unentbehrlichen Fachkräften in den nächsten Aufschwung retten zu können.

Ähnlich ergeht es Schulthess, der mit Wärme-, Kältetechnik und Waschmaschinen sein Geld verdient. «Der Markt für Wärmepumpen hat sich bisher nicht erholt, deshalb müssen wir weiter kurzarbeiten», sagte Schulthess-Verwaltungsratspräsident Rudolf Kägi an einer Medienkonferenz.

Studer und Schulthess sind nur zwei von aktuell rund 3000 Firmen, die weiterhin in Kurzarbeit sind. Besonders betroffen ist die exportorientierte Maschinenindustrie. Swissmem, die Branchenorganisation, hat sich deshalb in den letzten Monaten vehement für eine Verlängerung auf 24 Monate eingesetzt. Swissmem-Präsident Johann N. Schneider-Ammann ist nun froh um den bundesrätlichen Entscheid. «Zwar erholen sich die Märkte, aber nur zögerlich, und es fehlen weiterhin die Volumina für eine Vollauslastung.»

Swissmem, deren Mitglieder seit Beginn der Krise 20000 von insgesamt 345000 Stellen strichen, rechnet mit weiteren 10000 Entlassungen in den nächsten Monaten.

Instrument ist kein Allheilmittel

Das Instrument der Kurzarbeit ist kein Allheilmittel, sondern ermöglicht eine gewisse Schadenbegrenzung. Laut Berechnungen des Seco konnten dank Kurzarbeit im letzten Jahr 20000 Stellen erhalten werden. Gleichzeitig aber schossen die Arbeitslosenzahlen in die Höhe. Ende Februar 2010 waren rund 173000 Personen ohne Beschäftigung, 41000 mehr als vor einem Jahr oder rund 73000 mehr als vor Beginn der Krise im September 2008. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 4,4%. Experten rechnen im Laufe dieses Jahres mit einem weiteren Anstieg.

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Für Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), ist aber klar: «Ohne das Instrument der Kurzarbeit läge die Arbeitslosenquote schon jetzt deutlich höher.» Für eine Verlängerung der Kurzarbeit plädierten auch die Ökonomen der Credit Suisse. Bei einem Verzicht würde sich der Stellenabbau in der Schweizer Wirtschaft in den nächsten Monaten beschleunigen, argumentierten sie.

In der aktuellen Krise kulminierte die Kurzarbeit im Mai 2009, mit 60000 Betroffenen und 3,17 Mio ausgefallenen Arbeitsstunden. Seither ist sie rückläufig.

Aktuell dürften schätzungsweise über 40000 Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen sein. Wegen der dreimonatigen Abrechnungsfrist liegen noch keine genauen Zahlen vor. Die einzelnen Kantone jedoch haben bereits den Überblick. «Die Situation hat sich auf hohem Niveau stabilisiert», meint Johannes Rutz, Leiter des Amts für Arbeit des besonders betroffenen Kantons St. Gallen. Dort sind noch 390 Firmen mit 11000 Angestellten für Kurzarbeit angemeldet. Im Juni 2009, auf dem Höhepunkt, waren es 470 Unternehmungen mit 15400 Angestellten.

Rutz sieht gewisse Erholungszeichen, etwa bei der leicht rückläufigen Zahl von Stellensuchenden. Er wertet die Ausdehnung der Kurzarbeit auf 24 Monate vor allem als ein psychologisches Signal. «Es gibt den Unternehmungen mehr Planungssicherheit, auch wenn die wenigsten nun so lange Kurzarbeit beanspruchen werden», ist er optimistisch.

KOF gibt sich skeptisch

Tatsächlich brauchen viele Unternehmen die maximale Bezugsdauer nicht auszuschöpfen. Beim Kleinstmotorenhersteller Maxon Motor in Sachseln OW, bei dem zeitweilig 600 Beschäftigte in Kurzarbeit waren, konnte nach insgesamt neun Monaten Bezugsdauer kürzlich wieder auf Vollbeschäftigung umgestellt werden. «Unsere Auftragsbücher sind prall gefüllt», erklärt COO Armin Lederer.

Klar wird: Die Reihen der Kurzarbeit-Gegner haben sich in den vergangenen Monaten gelichtet. Weiterhin ein Fragezeichen setzt die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. «Gemäss unseren Untersuchungen zu früheren Rezessionen hat die Kurzarbeitsregelung das Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten, nicht erfüllen können», sagt Arbeitsmarktexperte Yngve Abrahamsen.

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Vielmehr habe sich gezeigt, dass Firmen, die Kurzarbeit einführten, ihre Beschäftigung stärker abbauten als ähnlich gelagerte Firmen, die keine Kurzarbeit einführten. Explizit zur aktuellen Verlängerung der Bezugsdauer auf 24 Monate meint er: «Es dürfte wenig bringen, aber auch nicht gross schaden. Wir vermuten, dass nur wenige Betriebe die Verlängerung beanspruchen.»