Einen Höhepunkt hat Swissmetal 2008 bereits hinter sich: Die neue Extrusionspresse für rund 30 Mio Fr. wurde eingeweiht.

Martin Hellweg: Es war in zweierlei Hinsicht ein grosses Ereignis für uns: Einerseits haben wir mit der Inauguration der Extrusionspresse einen grossen technologischen Sprung nach vorne gemacht. Wir schalten Pressen aus, die zum Teil noch aus den 30er Jahren stammten. Der zweite Aspekt ist mir persönlich sehr wichtig: Am Fest sind Mitarbeiter aus allen unseren Standorten in Lüdenscheid, Reconvilier und Dornach zusammengekommen und haben gemeinsam gefeiert. Damit öffnet sich für uns nun wohl endgültig ein neues Kapitel nach einigen Jahren der Irrungen und Wirrungen.

Und wie war die Stimmung am Fest?

Hellweg: Ganz toll. Wir haben einen wirklich schönen Abend zusammen erlebt.

Es ist ja auch niemand mehr dabei, der diese Feststimmung hätte vermiesen können.

Hellweg: Natürlich, es sind einige Personen nicht mehr dabei, die nicht in dieselbe Richtung segeln wollten wie wir. Andere haben sich überzeugen lassen, dass unser Weg der richtige ist.

Wie schwierig war es für Sie als «Feindbild», diese Leute mit ins Boot zu kriegen?

Hellweg: Gar nicht so schwer. Nachdem wir die bessere Perspektive bieten konnten, relativierte sich das von Ihnen erwähnte «Feindbild» auch wieder, das ja im Wesentlichen von aussen, vor allem gewerkschaftlicher Seite, geschaffen wurde.

Werden Sie demnach auch die Klage gegen die Unia zurückziehen?

Hellweg: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Sozialpartner bald einen Weg finden, um das gesamte Kapitel ein für alle Mal abzuschliessen. Denn zurzeit läuft die Zusammenarbeit mit Unia gut, wie das Beispiel des jüngsten Personalabbaus zeigt.

Ist der Personalabbau nun abgeschlossen?

Hellweg: Ja, das Restrukturierungsprogramm ist mit der Novemberrunde abgeschlossen. Wenn die Weltwirtschaft aber dramatische Purzelbäume schlägt, müsste man nochmals über die Bücher. Aufgrund unseres Bestellungseingangs haben wir jedoch den Eindruck, dass es nicht so kommt und wir ein solides Jahr haben werden. Ohnehin haben wir flexible Arbeitszeiten.

Können die weltwirtschaftlichen Schwankungen darüber aufgefangen werden?

Hellweg: Diese in Lüdenscheid und Dornach seit einiger Zeit eingeführten flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen es uns, auf das wenig erfreuliche «Hire and Fire» bei Nachfrageschwankungen von ungefähr plus/minus 10% zu verzichten. Denn dieses belastet nicht nur das Betriebsklima, es geht auch wichtiges Know-how verloren. Bei der bald anstehenden Abstimmung zur Verlängerung der Regelung in Dornach stehen die Chancen gut, dass diesmal auch Reconvilier mitmacht.

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Also herrscht bei Swissmetal Friede, Freude, Eierkuchen?

Hellweg: Nein, noch nicht ganz. Wir durchlaufen zurzeit einen schwierigen Prozess, weil Mitarbeiter, die uns in Kürze verlassen werden, und jene, die bleiben, für einige Zeit miteinander arbeiten müssen. Jeder vierte Mitarbeiter wird uns ja verlassen. Gemessen an der Schwierigkeit der Situation gehen alle sehr verantwortungsvoll und reif damit um. Friede, Freude, Eierkuchen wäre aber zynisch. Wenn es zugleich um die Zukunftsperspektiven geht, so herrscht Aufbruchsstimmung. Wir hatten Zeiten, in denen wir das Licht am Ende des Tunnels suchten. Heute scheint es, als seien wir aus dem Tunnel herausgetreten.

Stichwort Perspektive: Wo stehen Sie bezüglich der Solartiles (Kupferziegel zur Energieerzeugung)?

Hellweg: Die Solartiles sind eine der Innovationen, die Swissmetal wieder zum Wachstumsunternehmen werden lassen sollen. Die Solartiles sind im Erprobungsstatus auf einem Haus in Stuttgart, weitere Installationen sind in Vorbereitung. Die Funktionsfähigkeit ist gegeben, es gilt noch, kleinere Kinderkrankheiten auszubügeln. Die nächsten Herausforderungen bestehen in einer qualitativ hoch stehenden Serienproduktion und einer erfolgreichen Markteinführung. Beides ist noch für 2008 geplant.

Wieweit sind Sie mit der Auslandsexpansion, die seit längerem in Planung ist?

Hellweg: Im Bereich der Handelsprodukte haben wir Deutschland vollständig konsolidiert. Damit halten wir die Distribution in den USA, Deutschland, der Schweiz und Italien in eigener Hand. Von einem externen Partner wird uns in den nächsten Monaten Frankreich übertragen. Damit bleiben von unseren sieben Kernmärkten nur noch China und Indien, wo wir uns aber Zeit lassen wollen, da wir dort langjährige Partner haben und mit ihnen ein Szenario ausarbeiten möchten.

Und bei den eigenen Produkten?

Hellweg: Sie stellen wir nach wie vor in der Schweiz und in Deutschland her. Unsere Spezialitätenprodukte gehen von dort nach Europa, Nordamerika und Asien. In Asien könnten wir aber schneller wachsen, wenn wir zumindest mit einer teilweisen Fertigung vor Ort präsent wären. Deshalb arbeiten wir nun mit Nachdruck daran, jetzt den ersten Pflock auch in den asiatischen Boden zu setzen.

Sie planen den Bau einer eigenen Anlage?

Hellweg: Entweder finden wir ein ideales Akquisitionsobjekt oder wir bauen selbst. Wir werden kein Joint Venture eingehen. Zurzeit arbeiten wir mit Volldampf an einer Eigengründung. Da wir uns keinen grossen Schnitzer leisten wollen, dauert es länger als vor wenigen Jahren gedacht.

Wie kommt die Konsolidierung in Europa voran?

Hellweg: Wir haben mittlerweile das Feld auf die gesamte westliche Welt ausgeweitet, denn wir haben festgestellt, dass es nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika sehr attraktive Kandidaten gibt. Dabei wurden schon einige Kandidaten geprüft, doch ist es bisher noch zu keiner Eheschliessung gekommen, auch wenn wir sehr heiratswillig sind. Meist geschieht es dann ja über Nacht.

Wird Swissmetal verkauft, wenn der Hedge-Fonds Laxey bei Ihnen aussteigen sollte?

Hellweg: Das ist für mich schwer vorauszusagen. Wenn die industrielle Logik stimmt, stehen wir industriellen Zusammenschlüssen nicht im Wege. Wichtig ist, dass wir unsere Strategie zum Wohl unseres Unternehmens umsetzen können. Es kann also sein, dass das Paket an eine industrielle Adresse geht und damit einen Konsolidierungsschritt ermöglicht. Möglich ist aber auch, dass eine Reihe von Finanzinvestoren das Paket übernimmt könnten, die zum Beispiel auf die Innovation Solartile setzen.

Wie wird das Ergebnis 2007 ausfallen?

Hellweg: Wir erzielten 2007 einen Umsatz von fast 400 Mio Fr., damit 22% mehr als im Vorjahr. Ein grosser Umsatz hat üblicherweise in unserem von Fixkosten geprägten Geschäft einen positiven Einfluss auf das Ergebnis. Eine konkrete Aussage kann ich aber heute noch nicht treffen. Wir veröffentlichen die Jahresrechnung für 2007 am 22. April 2008.

Wie ist Swissmetal ins neue Jahr gestartet?

Hellweg: Wir stellen zurzeit eine erhöhte

Volatilität des Bestellungseingangs fest, sehen aber in unseren Absatzmärkten keine wirkliche Abschwächung der Nachfrage. Intern sind wir in der finalen Phase eines herausfordernden industriellen Umbaus: Wir fusionieren zwei Werke in Reconvilier, schalten fünf Extrusionspressen aus, weil unsere neue Presse diese Volumina übernimmt. In dieser Zeit könnte es zu Hickups kommen. Wir sowie unsere Kunden und Investoren müssen für eine gewisse Zeit damit rechnen, dass es temporäre Produktionsstörungen geben könnte. Bisher hat alles recht gut funktioniert.

Wie lange dauert diese heikle Phase?

Hellweg: Bis in den Sommer. Sollte es aber wirklich einmal ein Hickup geben, dann wäre dies auch nur eine temporäre Delle und würde den Erfolg des langfristig ausgerichteten Umbaus nicht gefährden.

Welches sind Ihre Erwartungen für 2008?

Hellweg: Auf der Topline sind wir abhängig von der Nachfrage aus unseren Abnehmermärkten. Wir sehen dort im Augenblick keine wesentlichen Veränderungen.

Auf der Bottomline passiert aber Dramatisches: Wir haben Ende 2007 jeden vierten Mitarbeiter in der Schweiz im Rahmen des industriellen Umbaus abbauen können. Bei gleichem Output werden wir dadurch einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Das war es, worauf wir all die Jahre hingearbeitet haben: Dass wir durch den Umbau und Investitionen diese Ersparnisse teilweise 2008 und im vollen Umfang dann 2009 erzielen können.

Spüren Sie in den USA einen Abschwung?

Hellweg: Nein. Unsere wichtigste Branche ist heute die Aviatik, und die Anzahl bestellter Flugzeuge ist weiter sehr hoch. Schwierig wird es, wenn die Flugzeugbestellungen storniert oder aufgeschoben werden. Das sehen wir zurzeit nicht.

Wie kommentieren Sie den Kursrückgang der Swissmetal-Aktie?

Hellweg: Zurzeit sind wir sicher auch Leidtragende der allgemeinen Krise und wir hoffen, dass unsere Wachstumsprojekte entgegen dem allgemeinen Trend eine Perspektive für den Kurs eröffnen. Die Signale, die wir von Investoren bekommen, sind positiv: Man steht zu uns und glaubt an die interessanten Perspektiven.

Martin Hellweg zum Potenzial der Solartiles und zur Kupferpreisentwicklung: