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Swissmetal: Letztes Gefecht

Schmelzerei Boillat in Reconvilier

Der Hersteller von Kupferprodukten leidet an den verheerenden Folgen einer mehrjährigen Fehlentwicklung.

Von Robert Wildi
am 25.05.2011

Spitzen für Kugelschreiber und Halter für Brillengestelle werden in den Werken des Kupferverarbeiters Swissmetal gefertigt. «Kleine Komponenten, kleiner Ertrag», kritisiert ein aussenstehender Kenner des Unternehmens. Die finanzielle Schieflage von Swissmetal überrascht ihn nicht. Das Produktportfolio sei viel zu breit und bestehe zu 30 bis 40 Prozent aus margenschwachen Standardprodukten. Mit teuren Geräten stelle das Unternehmen zum Beispiel einfache Kupferstangen her, die von ausländischen Konkurrenten billiger produziert würden. «Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Swissmetal für solche Produkte die Preise senken und verdient kaum mehr Geld damit.» Erschwerend komme die aktuelle Währungssituation mit dem starken Franken hinzu.

Swissmetal hat 2010 trotz einer breiten konjunkturellen Erholung zum dritten Mal in Folge rote Zahlen geschrieben. Der angehäufte Schuldenberg beträgt mittlerweile knapp 52 Millionen Franken. Für verschiedene Beobachter ist die gegenwärtige Lage, in der sich Swissmetal befindet, eindeutig das Resultat einer mehrjährigen Fehlentwicklung. Ein ehemaliger Investor spricht gar von «Misswirtschaft». Die jüngere Firmengeschichte, so seine Analyse, sei geprägt durch eine Verkettung diverser Fehlentscheide. So sei etwa die Anschaffung einer neuen und sehr teuren Extrusionspresse am Standort Dornach sehr unglücklich verlaufen. Wegen technischer Probleme mit der neuen Presse sei Swissmetal im Boomjahr 2008 mit der Produktion nicht mehr nachgekommen und habe Aufträge im zweistelligen Millionenbereich verloren. «Als die Presse endlich einwandfrei funktionierte, brach wegen der Wirtschaftskrise die Nachfrage ein», so ein Kritiker.

Umstrittener Verkauf von Atmova

Einen weiteren Lapsus habe sich Swissmetal im Zusammenhang mit einem Projekt für die eigene Energiefirma Atmova geleistet, so der frühere Investor. Es geht dabei um die Fertigung eines speziellen Dachziegels mit Kupferbestandteilen zur wirksamen Wärmedämmung von Gebäuden. «Kurz vor dem Durchbruch hat Swissmetal das innovative Projekt aus Liquiditätsgründen auf Eis gelegt.» Statt mit dieser zukunftsgerichteten Technologie gutes Geld zu verdienen, wolle man Atmova nun verkaufen, so der Vorwurf.

Das gewählte Vorgehen hänge mit der zurzeit knappen Liquidität zusammen, kontert Swissmetal die Vorwürfe. «Wir können die notwendigen Entwicklungskosten nicht tragen. Aus diesem Grund ist der Verkauf von Atmova durchaus sinnvoll», sagt Sprecherin Sandra Meier. Gespräche mit möglichen Investoren seien im Gang. Den Vorwurf des mangelhaften Produktportfolios will das Unternehmen nicht kommentieren. Der Fakt, dass die Palette seit Ende 2010 schrittweise in Richtung von margenträchtigen Spezialanfertigungen verlagert wird, kommt allerdings einem Zugeständnis gleich. «Die Standardprodukte sind aufgrund des starken Frankens zuletzt unter Margendruck geraten», sagt Sandra Meier.

Eine weitere unliebsame Überraschung könnte auf Swissmetal zukommen, wenn im September dieses Jahres ein Kredit über 20 Millionen Franken fällig wird, den das Unternehmen vor ein paar Jahren bei einer deutschen Bank aufgenommen hat. Als Pfand habe die Bank damals den Produktionsstandort in Dornach eingefordert, so ein Insider. Zuvor habe es Swissmetal offenbar versäumt, das Fabrikgelände als separate Parzelle vom umliegenden und ebenfalls firmeneigenen Grundstück abzugrenzen. «Im Härtefall könnte nun die Bank neben der Fabrik auch die gesamten Swissmetal-Landreserven in Dornach verpfänden», sagt der Informant. Da habe das Management schlicht geschlafen, lautet sein Vorwurf.

Die Summe der Fehler hat Swissmetal in eine kritische Situation gebracht. Kommt dazu, dass der britische Hedgefonds Laxey nicht mehr an Swissmetal glaubt und sein Aktienpaket von 32,9 Prozent abstossen will. Verhandlungen mit einem potenziellen Käufer befinden sich offenbar in der Endphase. Über den genauen Stand der Verhandlungen könne nur Laxey selber Auskunft geben, sagt Sandra Meier. Swissmetal könne nur unterstützend wirken.

Hoffen auf die Generalversammlung

Dieses Geschäft dürfte bis am 14. Juni kaum über die Bühne gehen. Dann findet die kurzfristig verschobene Generalversammlung von Swissmetal statt. Der Verwaltungsrat wird den Aktionären sein Sanierungsprogramm vorstellen. Mit einer Nennwertreduktion aller Inhaberaktien von neun auf einen Franken soll das Kapital um 53 Millionen Franken herabgesetzt und über die Ausgabe von neuen Titeln sogleich um denselben Beitrag wieder erhöht werden. Als zweite Massnahme will Swissmetal offenbar die Konzernliegenschaft in Dornach verkaufen und nach dem «Sale-and-Lease-back»-Prinzip sofort wieder zurückmieten. Die Sanierung könnte kurzfristiges Geld bringen. Doch die betrieblichen Schwierigkeiten wären damit noch nicht behoben.

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