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Swissmetal-Präsident: «In den USA wäre der Teufel los»

Martin Hellweg: «Menschen lassen sich nicht einfach verschieben.»

Swissmetal-Präsident Martin Hellweg hofft, dass der neue Besitzer Baoshida an den Schweizer Standorten festhält - und setzt dabei auch auf das Verhältnis zwischen den USA und China.

Von Marcel Speiser und Bernhard Fischer
am 09.01.2013

Erstmals seit dem Verkauf an Baoshida kurz vor Weihnachten spricht Swissmetal-Präsident Martin Hellweg im Interview mit der «Handelszeitung» über den Deal mit den Chinesen. Obwohl er ihn als «perfektes Weihnachtsgeschenk für uns alle, insbesondere für die Mitarbeitenden» bezeichnet, können weder er noch die Chinesen garantieren, dass die zwei Schweizer Swissmetal-Produktionsstandorte im jurassischen Reconvilier und im solothurnischen Dornach langfristig Bestand haben.

«Verlagerungsängste gibt es immer», sagt Sanierer Hellweg. Er glaube aber nicht, dass die Chinesen die hiesigen Standorte «in den nächsten fünf bis zehn Jahren» aufgeben würden. «In den Produkten von Swissmetal steckt viel handwerkliches Wissen und Menschen lassen sich bekanntlich nicht einfach verschieben.»

Hinzu kämen geopolitische Überlegungen: «Würden die Swissmetal-Steckverbinder für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing nur noch aus China kommen, wäre in den USA vermutlich der Teufel los.» Möglich sei, dass Baoshida «die Aktivitäten dereinst in Reconvilier konzentriert». Vorerst aber stehe das Closing mit den Chinesen noch an. Es würde, so Hellweg, «in diesen Tagen» stattfinden.

«Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht»

Die Option, Swissmetal als selbstständiges Schweizer Unternehmen zu erhalten, hat Hellweg bei seiner Rückkehr zum Unternehmen im Jahr 2011 nie geprüft, wie er im Gespräch weiter einräumt. Der Schuldenberg sei dafür zu hoch gewesen. «Die Gesellschaft hätte sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können.»

Obwohl er beim Traditionskonzern zwei Drittel des Geschäfts abgebaut und die Zahl der Mitarbeiter massiv geschrumpft hat, beendet er sein Mandat mit einem guten Gewissen. «Ich glaube nicht, dass jemand anderer etwas fundamental anders hätte machen können. Vielleicht in Nuancen. Es ging darum, den gesunden Kern für Swissmetal zu finden.»

In Hellwegs Augen hätte nur ein noch radikaleres Vorgehen zu einem früheren Zeitpunkt Swissmetal retten können. «Tatsächlich hätte man wohl noch früher noch entschiedener sein sollen. Aber so radikal wie 2011 geht man wohl erst vor, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.»

Lesen Sie das Gespräch mit Martin Hellweg in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.

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