Die Wiederauferstehung des Martin Hellweg begann drei Meter unter der Erde. In einem fensterlosen, eng bestuhlten Raum im Untergeschoss des Basler Hotels Victoria. Dort fand die Generalversammlung von Swissmetal statt. Die Stimmung war angespannt, es standen Neuwahlen in den Verwaltungsrat an. Als der Hedgefonds Laxey Hellweg portierte, war die Sache entschieden. Der einstige Chef des Buntmetallherstellers war nach zwei Jahren Unterbruch zurück am Ruder von Swissmetal.

Es ist das Comeback des Jahres. Niemand in der Branche hat auf eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen dem Finanzinvestor und dem knallharten Sanierer gesetzt. Gegen Ende seines ersten Einsatzes als Swissmetal-Chef hatte sich Hellweg mit dem damaligen Laxey-Mann Roger Bühler überworfen. Strategisch hatte man unterschiedliche Ansichten, und zum Schluss ging man auch noch wegen der Abgangsentschädigung von 1,4 Millionen Franken aufeinander los. Ein stabilisiertes Unternehmen hinterliess Hellweg nicht. Bei Swissmetal reihte sich nach seinem Abgang 2009 Verlust an Verlust.

Dazu sagt Hellweg heute: «Swissmetal ist in einer schwierigen Branche tätig und hatte auch Pech.» Zuerst sei die Weltwirtschaftskrise über die Industrie hereingebrochen, dann der starke Franken. «Vielleicht haben wir die Situation zu optimistisch eingeschätzt und hätten bei der ersten Sanierung drastischere Einschnitte vornehmen sollen. Aber es ging damals darum, so viel wie möglich zu retten.»

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Knallhart und unbeirrbar

Bei seinen Rettungsaktionen hatte Hellweg 2006 mit harter Gegenwehr zu kämpfen. Das Unternehmen stand mit dem Rücken zur Wand, der deutsche Manager wollte die Giesserei am Standort Reconvillier schliessen. Darauf bliesen die Arbeiter und die Gewerkschaften zum Streik. Es war der lauteste und meistbeachteste Arbeitskampf in der Schweiz seit Jahren. Selbst an Regierungsratssitzungen wurde Hellweg zum Thema. «Er verfolgt knallhart seine Ziele und lässt sich durch gar nichts beirren», sagt einer, der damals oft mit Hellweg die Situation diskutierte. In der Öffentlichkeit nannten ihn seine Gegner Abzocker und Totengräber.

«In so einer Extremsituation wie damals ist es normal, dass einige Leute schlecht über einen reden», sagt Hellweg rückblickend. «Aber irgendjemand muss schauen, dass untragbare Zustände beendet werden. Mit dieser Rolle habe ich mich abgefunden, ich habe eine dicke Haut. Sonst könnte ich meinen Job nicht machen.» Er sei zwar ein entschiedener Mensch. Aber er denke, es gebe in seiner Branche wenige, die ähnlich viel Wärme an den Tag legen könnten wie er.

Swissmetal überlebte, auch dank Hellweg. «Er war Tag und Nacht erreichbar. Sein Einsatz war wirklich gross», sagt ein Verwaltungsrat über die stürmischen Monate. Nach einer Kapitalerhöhung, Entlassungen und dem Kauf einer neuen Pressmaschine sah die Zukunft vorübergehend wieder rosig aus. Statt Verlusten schrieb man plötzlich schwarze Zahlen. Doch ein Investor sagt: «Das war trügerisch. Hellweg hat an der Substanz gezerrt. Er hat die riesigen Kupferlager bei Swissmetal abgebaut und dadurch die Gewinne erhöht.»

Das lässt Hellweg nicht auf sich sitzen und präsentiert Zahlen: Unter seiner Ägide habe der Betriebsgewinn (Ebit) kumuliert und ohne Sondereffekte wie etwa den Lagerreduktionen 48,3 Millionen Franken betragen. «Wir haben nur unnötige Lagerbestände abgebaut und auf Effizienz geschaut», sagt Hellweg. «Er ist ein Rechner», sagt ein Bekannter. «Dort liegt seine Stärke, in Turnaround-Situationen. Er hätte nicht so lange bei Swissmetal bleiben sollen. Die Rolle des langjährigen strategischen Patrons liegt ihm nicht.»

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Doch Hellweg, der gerne Sportautos und Limousinen fährt, blieb länger als geplant. Der Zahlenmensch lancierte neue Projekte. Zum Beispiel trieb er die Produktion von Dachziegeln voran, welche Wärme leiten und zum Heizen von Wasser dienen sollten. In Serienproduktion gingen die Ziegel bis heute nicht. Letztes Jahr musste sein Nachfolger Abschreiber von 5,4 Millionen Franken verbuchen. «Wir haben damals händeringend versucht, dem Unternehmen neue Geschäftsfelder zu ­eröffnen», erläutert Hellweg. Manchmal müsse man auch etwas wagen.

Das tat Hellweg nach seinem Abgang bei Swissmetal. Er gab Vorlesungen an der Universität Bern über Businesspläne, obschon es politische Interventionen gab, dies zu verhindern. Daneben baute er sein Beratungsunternehmen Ally Management weiter aus und stieg beim Druckunternehmen Wetzel Processing in Münchenstein BL in die Geschäftsleitung ein. Zum Ausgleich fuhr er letzten Sommer bei der Streetparade als Mitglied der Band Milk 67 auf einem Lovemobile mit.

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Neuer Anlauf mit Verstärkung

In der Zwischenzeit bewegte sich Swissmetal auf den Abgrund zu. Laxey brauchte erneut einen Feuerwehrmann. Hellweg-Gegenspieler Bühler war beim Hedgefonds unterdessen in Ungnade gefallen und ist nicht mehr an Bord. Damit war der Weg für Hellweg frei. Kein Sanierer kennt Swissmetal besser als er. Und keiner ist härter. «Ob seine Gegner ihn hassen, ist Hellweg egal», sagt ein Gefährte. «Sie müssen ihn nur fürchten.» Diesmal hat sich Hellweg mit der halben Crew seines Beratungsunternehmens verstärkt. Die Temporärmanager besetzen nun alle Verwaltungsratssitze und die wichtigsten Managementposten. Wie früher sagt Hellweg: «Unser Ziel ist nur eines: Zu retten, was zu retten ist.»