Paul Polman, Chef des britisch-holländischen Lebensmittelkonzerns Unilever warnt im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» vor den Gefahren der Swissness-Vorlage. «Die Knorr-Fabrik ist in Gefahr», sagt Polman. «Die Gesetzesvorlage zu Swissness ist ein Problem für uns und unser Knorr-Geschäft. Sollte die Regelung zu stark den Rohstoffaspekt betonen, müssten wir eine Auslagerung der Produktion prüfen.»

Am Produktionsstandort von Knorr in Thayngen beschäftigt Unilever rund 500 Mitarbeitende. Die Politik riskiere, dass Angestellte ihre Stelle verlieren bei einer Firma, die durch und durch schweizerisch sei, sagt Polman weiter. «Knorr hat in den letzten 100 Jahren mehr für die Schweiz getan als viele andere  Firmen hierzulande.»

Bei der Swissness-Gesetzesvorlage steht zur Debatte, dass Lebensmittel 80 Prozent Schweizer Rohstoffe beinhalten müssen, um mit dem Schweizer Kreuz werben zu dürfen. Das passt dem Chef des viertgrössten Konsumgüterkonzerns der Welt nicht: «Für Suppen oder Gewürze müssen wir einige Zutaten wie getrocknete Gemüse importieren, weil es diese in der Schweiz zu wenig oder gar nicht gibt», sagt Polman. «Ginge es nach der Initiative, dürften wir unsere nach Schweizer Rezepturen hierzulande exklusiv für die Schweiz produzierten Knorr-Produkte nicht mehr als schweizerisch ausloben.»

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Migros und Coop halten die Preise hoch

Der starke Schweizer Franken sei kein Vorteil für Unilever, sagt der Holländer, der am Genfersee lebt.. «Im Gegenteil, unsere lokalen Vermarktungs- und Produktionskosten werden dadurch im Vergleich zu anderen Märkten teurer und unser Exportgeschäft leidet.»

Zudem verliere man wegen des Einkaufstourismus Umsatz. «Es greift zu kurz, von Firmen wie uns zu fordern, die Preise zu senken, weil der Schweizer Franken stark ist. Als ob wir die Nationalbank lenken würden!» Eins dürfe man nicht vergessen: «Einen grossen Teil des Marktes dominieren Migros und Coop mit ihren Eigenmarken. Diese Eigenmarken machen den grössten Anteil des Warenkorbs aus.»

(jev)