Entnervt von langen Rechtshändeln um die verlorene Kontrolle über seine ukrainische Tochtergesellschaft warnt das Bodenabfertigungsunternehmen Swissport vor Investitionen in dem Land. Eine Verhandlung vor dem höchsten Handelsgericht sei erneut vertagt worden.

Die bereits siebte Vertagung datiere vom 30. August, klagte Swissport in einem Communiqué. Das offenbare Taktieren des obersten Handelsgerichts sei besorgniserregend.

Die Anhörungen dauerten jeweils fünf Minuten und die Richter seien bereits zum dritten Mal ausgewechselt worden. Solche Verzögerungen seien bereits bei den beiden Vorinstanzen «typisch» gewesen.

Negatives Urteil erwartet

Auch sei es nicht unüblich, dass Verhandlungsresultate bereits vorher bekannt würden, moniert Swissport weiter. Vor der nun auf den 18. September angesetzten Verhandlung vor der höchsten Instanz hätten «wohl informierte Quellen» Swissport bereits unterrichtet, dass das Urteil für die Gesellschaft negativ ausfallen werde.

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Die Verzögerungen nutze die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA), welche sich die Kontrolle über die Swissport-Tochter verschafft hatte, um ihren Anteil an der in Interavia unbenannten Gesellschaft um eine Million Dollar zu erhöhen.

Der offensichtliche Sinn des Manövers sei, die Swissport-Anteile an Interavia für den Fall zu verwässern, dass Swissport den Gerichtsfall gewinnen und wieder Anteilseigner werden sollte.

«Hände weg»

Auch an der ukrainischen Regierung geizt Swissport nicht mit Kritik. Die versprochene Unterstützung durch die Regierung und die ukrainische Übernahmekommission lasse auf sich warten.

Ein für anfangs und Mitte Juli angesetztes Treffen zwischen Vertretern dieser Behörden, von Swissport sowie den Botschaftern der Schweiz und Frankreichs habe nicht stattgefunden.

Swissport sei sehr besorgt, dass die ukrainische Regierung gegenüber einer offenkundigen Verletzung des Investitionsschutzes passiv bleibe. Das Land verhandle schliesslich derzeit über ein Freihandelsabkommen mit der EU und wolle sich der Union annähern.

Angesichts der Erfahrungen von Swissport müsse aber vor ausländischen Investitionen gewarnt werden. Oder, wie es im englischsprachigen Communiqué heisst: «better keep hands off.»

Vorwurf: Um Pappenstiel übernommen

Das nun Interavia benannte Unternehmen war seit 2006 gemeinsamer Besitz von Swissport und der UIA. Nach der Privatisierung der Airline war es mit der Minne aus. Swissport wirft UIA und deren Hauptaktionär Aron Mayberg eine feindliche Übernahme vor, was UIA mit demselben Argument kontert.

Durch ein Urteil der Vorinstanz verlor Swissport in der Folge die Kontrolle über die Tochter, die Swissport Ukraine geheissen hatte. Dort arbeiten gegen 1000 Personen.

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Swissport-Europachef Juan José Andrés Alvez bezifferte den Wert des Unternehmens im April auf 25 Mio. Dollar. Mit knapp 400'000 Dollar habe sich Mayberg einen 70-Prozent-Anteil um einen Pappenstiel geschnappt, lautet der Vorwurf von Swissport.

(sda/vst/aho)