Diana Löbl und Peter Onneken drehten für den deutschen Fernsehsender ARD eine Langzeit-Reportage über die Arbeitsbedingungen beim weltgrössten Online-Versandhändler. Die Vorwürfe sind happig: Amazon beschäftige Arbeiter, die mit falschen Versprechungen aus ganz Europa angelockt worden seien. 

«Die Arbeiter hätten nicht, wie versprochen, Arbeitsverträge direkt bei Amazon erhalten, sondern seien bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt worden», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» (SZ). Das Resultat: Ein Stundenlohn von brutto 8,52 Euro – umgerechnet zirka 10.40 Franken.

Zweifelhafte Sicherheitsfirma

Amazon beschaffe sich 5000 Menschen für drei Monate auf dem krisengeschüttelten südeuropäischen Arbeitsmarkt. Danach würden sie unter fragwürdigen Bedingungen in einem insolventen Freizeitpark in der Nähe des Amazon-Logistikzentrums in Bad Hersfeld untergebracht, berichtet das IT-Nachrichtenportal «Heise».

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Dort würden diese von einer Sicherheitsfirma namens H.E.S.S rund um die Uhr bewacht. Die Mitarbeiter dieses Dienstes würden martialisch auftreten und Kleidung der Marke Thor Steinar tragen – bekannt für Ihre Beliebtheit in der rechten Szene, in vielen Bundesliga-Stadien und selbst im Deutschen Bundestag verboten. Pikant: Auch Amazon selbst nahm die Marke aus dem Sortiment.

Amazon erklärte gegenüber «Heise», dass H.E.S.S. nicht vom Versandhändler selbst beauftragt wurde. Einschüchterungsversuche würden aber nicht geduldet.

Erklärung von Amazon

Zu den Löhnen liess Amazon ausrichten: «Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 Euro brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 Euro brutto.» Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, würden bei einer 37,5 Stundenwoche rund 1400 Euro brutto im Monat verdienen - in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1500 Euro im Monat.

Nichtsdestotrotz war der Shitstorm in den sozialen Medien nach dem Bericht nicht mehr aufzuhalten: So wurden auf der Facebook-Seite der deutschen Amazon-Niederlassung mehrere Tausend gehässige Kommentare verzeichnet. Eigentlich, so die «SZ», hätte dort ein Gewinnspiel laufen sollen – einige Besucher deponierten aber Anleitungen, wie man das Amazon-Konto löschen könne.

(vst/tke)