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Syngenta-Chef Fyrwald über die neuen Chefs aus China

Erik Fyrwald: Hofft auf neue Chancen in China. Keystone

Seit 100 Tagen ist Syngenta in chinesischen Händen. Chef Erik Fyrwald erklärt, wie seine neuen Chefs für die Zukunft planen – und welche Rolle die Schweiz spielt.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Seit 100 Tagen ist Syngenta in chinesischen Händen. Geändert hat sich praktisch nichts. Syngenta-Chef Erik Fyrwald zeigt sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA darum gelassen und optimistisch, was die Zukunft des Agrochemiekonzerns anbelangt. Er, der die Schweiz liebt, sieht den Konzern langfristig hier aufblühen.

Erik Fyrwald ist soeben von Peking zurück, wie so oft in den letzten Monaten. Einmal pro Quartal fliegt der Chef von Syngenta neuerdings nach China, an den Hauptsitz des neuen Besitzers ChemChina. «Ich habe mit unseren Leuten gesprochen, mit Partnern, aber auch mit Regierungsbeamten», erzählt er.

«Keine Wechsel im Management»

Die Regierungsbeamten und die Besitzer, das sind im Falle des Agrochemiegiganten Parteien im gleichen Boot. ChemChina ist ein Unternehmen im chinesischen Staatsbesitz. «Die Gespräche drehten sich um die Agrarindustrie in China, die Ziele, die China erreichen will und wie Syngenta dazu beitragen kann», blickt Fyrwald auf die letzten Tage zurück.

China, wirtschaftlich zwar ein Land mit satten Wachstumsraten, kann als Agrarland an der Spitze nicht mithalten. Syngenta haben die Chinesen gekauft, um von den Baslern zu lernen. «Ausserhalb Chinas hat sich für Syngenta nicht viel geändert», sagt Fyrwald. «Unsere neuen Besitzer haben keine Wechsel im Management vorgenommen und es gilt die gleiche Strategie, die gleiche Vision.»

Dass Syngenta mit dem Besitzerwechsel in der Schweiz dekotiert wird, wird gemäss Fyrwald keinen Unterschied machen. Syngenta werde nicht vom Radar verschwinden: «Wir werden weiterhin transparent über den Geschäftsgang informieren.»

Anders sei vielleicht die neuerdings langfristige Orientierung. «Die chinesischen Besitzer denken nicht in kurzfristigen Zyklen und orientieren sich nicht an Quartalszahlen. Ihr Interesse gilt einer Zukunft, die einen Zeitrahmen von 10 Jahren umfasst», sagt er.

Doppelter Umsatz

Doch schöne Worte sind das eine. Das andere sind Zahlen. In 10 Jahren will ChemChina den doppelten Umsatz sehen. «Das ist ambitioniert, doch ich sehe es positiv», sagt Fyrwald.

Er sieht gute Entwicklungsmöglichkeiten gerade in China selber, wo die Landwirtschaft noch nicht mit zeitgemässen Mitteln praktiziert wird. China wolle in den nächsten fünf Jahren weitere 70 Millionen Einwohner aus der Armut holen: «Dabei spielen Kleinbauern eine grosse Rolle, weshalb wir für sie Ausbildungszentren aufbauen.» Das entspreche der Vision von Syngenta, die - etwas verkürzt - lautet: Die Ernährungssicherheit weltweit verbessern, Umweltressourcen schonen, den Hunger bekämpfen.

Diese Vision hat sich der Chef zur eigenen gemacht. Er hat den Chefposten als knapp 57-Jähriger im Juni 2016 übernommen. Zuvor war er Chef von Univar, einem Chemiegrosshändler. «Ja, ich könnte jetzt Golf spielen», sagt er, angesprochen auf seine Motivation. «Aber das wäre nicht, was mich glücklich macht. Ich möchte etwas bewegen und zum Besseren beitragen», sagt er.

Kleinbauern - nicht nur in China, sondern auch in Bangladesch, in afrikanischen Ländern und Russland - sollen dank den Produkten von Syngenta ihre Ernteerträge steigern können, gleichzeitig die Co2-Emissionen senken und die Wasserreserven schonen. Alle profitieren, auch die Konzernkasse. Möglich wird dies gemäss Syngenta dank Investitionen in neue Technologien sowie Geldern in Forschung und Entwicklung. Erreichen will Fyrwald sein Umsatzziel aber auch mit Zukäufen im Saatgut-Bereich.

Schweiz sicher

Und was ist mit der Schweiz? Dem Land, in dem vor rund 250 Jahren die damalige J.R Geigy mit der Produktion von ursprünglich Farbstoffen und später Insektiziden den Grundstein für viele der heutigen Syngenta-Produkte legte. Als die Transaktion - mit 43 Milliarden Dollar die teuerste Cash-Transaktion der Wirtschaftsgeschichte - bekannt wurde, äusserten Kritiker Bedenken.

Einen Wurzelschnitt wird es aber nicht geben, versicherten die Besitzer bereits damals. «Sie haben noch nie eine mögliche Verlagerung des Standorts oder einen Rückzug aus der Schweiz angesprochen», sagt Erik Fyrwald. Ein solches Unterfangen würde auch keinerlei Sinn machen, sagt er, für einen Konzern, der eher wachsen als sich zurückziehen will.

Denn in der Schweiz befinden sich auf kleinstem Raum eines der drei grössten Forschungszentren in Stein AG, ein Standort für Pilotprodukte in Münchwilen AG sowie der weltweit grösste Produktionsstandort für neue Produkte in Monthey VS.

In der Schweiz profitiere Syngenta auch vom Know how, den tiefen Steuern und von idealen Bedingungen, was die zentrale Lage und die Zeitverschiebung anbelangt. «Es ist aus der Schweiz heraus einfach, mit Asien oder den USA in Kontakt zu sein», sagt Fyrwald.

Schwimmen im Rhein

Davon profitiert der Amerikaner mit norwegischen Wurzeln auch selbst. Er wohnt mit seiner Familie in Basel. Kulturell habe Basel viel zu bieten. Als Wissenschaftler empfinde er es auch inspirierend und interessant, sich im Umfeld von Pharma- und Chemieriesen zu bewegen.

Sowieso liebe er die Schweiz mit ihren Bergen, Seen, Flüssen, den kurzen Wegen, den pünktlichen Zügen. Man sei überall schnell - er brauche kein Auto, wolle auch keines. "Und dann in diesen warmen Tagen das Schwimmen im Rhein", schwärmt er. Schon etwa 10 Mal habe er das getan. "Mit meinem Wickelfisch", sagt er. Wickelfische, das wissen wohl nur die Basler, sind die Badesäcke, mit denen man sich durch das Gewässer treiben lässt.

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