Der Basler Syngenta-Konzern stellt sich auf grosse Veränderung in der Agrochemiebranche ein. «Wir sind alle überzeugt, dass das in sechs Monaten ziemlich anders aussehen wird», sagte Syngenta-Verwaltungsratschef Michel Demaré der «Financial Times» in einem am Mittwoch auf der Internetseite der Zeitung veröffentlichten Interview.

Die Gespräche zwischen führenden Firmen des Sektors seien «extrem aktiv». Gewinner in der Zukunft werde jenes Unternehmen sein, das ein integriertes Agrochemie- und Saatgut-Geschäft anbieten könne. Jeder mögliche Zusammenschluss berge ein wettbewerbsrechtliches Risiko, erklärte Demaré.

Buhlen um Syngenta

Die Branche steht angesichts fallender Getreidepreise unter Druck und leidet unter schwächelnden Geschäften in Lateinamerika, vor allem im wichtigen Markt Brasilien. Das einstige Boomland kämpft gegen den Absturz. Die Wirtschaft am Amazonas steckt in der tiefsten Krise seit Jahren.

Die Saatguthersteller suchen deshalb via Übernahmen und Fusionen zu wachsen. Um die Basler ist ein regelrechtes Bietergelage entstanden. Zunächst buhlte Monsanto um den SMI-Konzern, Ende August hatte der US-Genpflanzen- und Saatgut-Produzent ein 47 Milliarden Dollar schweres Angebot für Syngenta nach hartnäckigem Widerstand aber zurückgezogen. Am Dienstag sickerte dann durch, dass das Buhlen weitergehen könnte. Gleichzeitig kursieren Gerüchte um ein Interesse aus China.

Aktie im Hoch

Die Aktie der Basler avancierte des Bieterstreits wegen zum Spitzenreiter unter den Schweizer Standardwerten – mit einem Kursplus von 3,3 Prozent. Der Agrochemiesektor steht Analysten zufolge vor einer Konsolidierung und Syngenta könnte auch selbst zum Bieter werden.

«Auch wenn das Risiko besteht, dass Syngenta eine teure Grossakquisition macht, beflügeln die Spekulationen um ein neuerliches Monsanto-Angebot vorerst Fantasien um einen allfälligen Bieterkampf für Syngenta, die den Aktienkurs des Schweizer Agrochemiekonzerns nach oben treiben», erklärten die Experten der Zürcher Kantonalbank.

Anzeige

(reuters/ise/ama)