Nach dem Abgang von Syngenta-Chef Mike Mack diese Woche, kündigt Verwaltungsratspräsident Michel Demaré ein aktiveres Vorgehen an. «Wir waren eine Weile das Ziel einer Übernahme», sagt er im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag». Nun müsse man alle Optionen prüfen. «Wir können Ziel sein, wir können andere Firmen anzielen – oder wir kaufen bei einer Fusion von zwei Konkurrenten das, was diese aus kartellrechtlichen Gründen nicht behalten können.»

Auf konkrete Ziele lässt sich Demaré nicht ein. Aber: «Alle Optionen sind offen. Wir sind proaktiv, nicht passiv.»

Geschäftsbereiche auf dem Prüfstand

Am Verhältnis zu Monsanto ändere sich mit dem Abgang von Mack nichts. In dieser Frage sei man sich absolut einig gewesen, betont Demaré. Der Basler Agro-Konzern prüft hingegen den Verkauf verschiedener Geschäftsbereiche.

Bereits vor einem Monat kündigte Syngenta an, die Herstellung von Saatgut für Blumen und Gemüse verkaufen zu wollen. Nun äussert sich Demaré auch zum übrigen Saatgutbereich mit Produkten wie Mais oder Reis. Grundsätzlich gehe es darum, die Profitabilität zu stärken, so der Belgier. «Wenn wir zum Schluss kommen, dass wir zusätzliche Hilfe brauchen, dann kann es auch sein, dass wir auf Partnerschaften oder Joint-Ventures setzen.» Selbst einen Verkauf will er nicht ausschliessen. «Wir sind vorbereitet für eine Veräusserung des Saatgut-Bereichs.»

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Keine «One-Size-fits-All-Lösung»

Gleichzeitig will Demaré an der umstrittenen Strategie festhalten, Saatgut und Chemikalien gemeinsam zu vermarkten. Diese «integrierte Strategie» aus der Ära Mack wurde vor allem deshalb immer häufiger infrage gestellt, weil sie in hoch entwickelten Märkten wie den USA nicht zu funktionieren scheint.

Man müsse anerkennen, dass der integrierte Ansatz vor allem in Entwicklungsländern Erfolg habe und dort, wo man eine starke Position im Saatgut habe, sagt Demaré. «Es gibt keine One-Size-fits-All-Lösung.»

Bereit zum Gespräch

Mit Blick auf allfällige Verkäufe des Saatgut-Geschäfts gelte aber: «Jede Partnerschaft oder jeder Verkauf muss mit einer Lösung kommen, die weiterhin unsere integrierte Strategie unterstützt.»

Mit der Vereinigung der «kritischen Aktionären», die sich vor einer Woche formiert und öffentlich geäussert hatten, will sich die Syngenta-Leitung nun in Verbindung setzen. Das Investor-Relations-Team habe bereits angeboten, sie zu treffen, sagt Demaré. Selber will er mit einem Brief antworten.

Nachwehen zum Monsanto-Angebot

Viele Aktionäre befänden sich noch immer in den Nachwehen zum Monsanto-Angebot, konstatiert Demaré. Sie hätten sich von den 470 Franken blenden lassen, die von Monsanto geboten wurden. «Die Hälfte davon war in Monsanto-Aktien, und die haben seither einen Viertel ihres Werts verloren. Ich sage Investoren immer: Vergesst jetzt diese Monsanto-Geschichte, das war eine Illusion.»

Selber denkt Demaré nicht über einen Rücktritt nach. Solange die Aktionäre mit ihm zufrieden seien, sei er auch zufrieden. «Ich habe sicher keine Absicht, meine Koffer bald zu packen.»

(ise)

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