Mit dem mutmasslichen Giftgasangriff des Assad-Regimes auf die Opposition und Zivilisten erreichte der Bürgerkrieg in Syrien einen neuen Tiefpunkt. Und das könnte weitreichende Folgen haben. Barack Obama sieht im Einsatz von biologischen und chemischen Waffen eine Überschreitung der roten Linie und droht dem krisengeschüttelten Staat mit einem Vergeltungsschlag. 

Wie wenn das aber noch nicht genug wäre, droht sich der Syrien-Konflikt auf das Nachbarland Libanon auszuweiten. So starben denn auch vor fünf Tagen nach einem Bombenanschlag in der sunnitischen Hafenstadt Tripolis - im Norden Libanons - 47 Menschen. 900 Menschen wurden verletzt. Damit war es der blutigste Terrorakt seit dem Ende des libanesischen Bürgerkriegs vor 23 Jahren.

Schweizer Importe drohen zu erodieren

Ob der syrische Geheimdienst, die Opposition oder Al Kaida hinter den Terroranschlägen steckt, ist unklar. Gesichert scheint einzig, dass es sich um Ausläufer des syrischen Bruderkampfes handelt - zum Leitwesen der Handelsbeziehungen mit der Schweiz. 

Wie aus der Handelsbilanz hervorgeht, exportierten Schweizer Unternehmen im Jahre 2010 gegen 500 Millionen Franken an Gütern in den Libanon. Darunter hauptsächlich pharmazeutische Erzeugnisse, landwirtschaftliche Produkte, Uhrenmacherware und Schmuck - und diese Importe drohen nun zu erodieren. Die Krise droht nun die Geschäfte zu erschweren.

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UBS trifft Sicherheitsvorkehrungen

Die UBS hat auf die instablie Sicherheitslage im Libanon reagiert. Die Grossbank führt im regionalen Bankenzentrum Beirut seit 1964 eine Repräsentanz. Zwar erklärt das Finanzhaus, dass diese «unverändert» geöffnet bleibe. Allerdings versichert sie gegenüber handelszeitung.ch, dass zugunsten der vier Mitarbeitenden vor Ort «Sicherheitsmassnahmen getroffen» worden seien. 

Ausserdem betont die UBS, regelmässige Lagebeurteilungen und nötigenfalls Anpassungen am Sicherheitsdispositiv vorzunehmen und die Situation im Land in Zusammenarbeit mit den Behörden «aufmerksam» zu beobachten. 

Credit Suisse hüllt sich in Schweigen

Neben der UBS führt die Credit Suisse eine Repräsentanz für das Private Banking in Beirut. Darüber hinaus bestätigt das Finanzinstitut, dass Mitarbeitende in regelmässigen Abständen in den Libanon reisen würden. Über die Anzahl Mitarbeiter und die Sicherheitsmassnahmen schweigt sich die Credit Suisse jedoch aus. 

Zurückhaltend äussert sich auch Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern teilt lediglich mit, dass die Situation aufmerksam verfolgt werde, um die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleisten zu können. Nestlé betreibt im Libanon eine Fabrik und ein Distributionszentrum. 2006 agierte Nestlé noch anders. Während dem Libanon-Krieg im Jahre 2006 stellte die Schweizer Firma die Geschäfte im Nachbarstaat von Syrien weitgehend ein. «Unsere Lastwagen fahren nicht mehr, das wäre viel zu gefährlich», hiess es damals aus Vevey.

Gleich das Werk geschlossen

Gleich handelte Sika. «Unser Werk in Beirut mit 10 Mitarbeitenden ist seit letzter Woche geschlossen», erklärte ein Sika-Sprecher vor sechs Jahren. Nun war der Bauchemie- und Klebestoffhersteller für eine Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitslage im Libanon nicht zu erreichen. 

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