Rund um den Globus taumeln die Aktien grosser Finanzinstitute: Erstmals ist der Kurs der Deutschen Bank an der Börse unter 10 Euro gerutscht. Am Morgen sackte das Papier um zwischenzeitlich fast 7 Prozent ab. Auch die Titel anderer Banken leiden: Barclays verlor in der Spitze über 8 Prozent, die Papiere der Schweizer Aushängeschilder Credit Suisse und UBS lagen im frühen Handel mit über 4 beziehungsweise 3 Prozent im Minus.

Zehn Hedgefonds reduzierten gemäss Meldungen ihre Beteiligung am grössten deutschen Finanzinstitut und liessen den Kurs somit einbrechen. Zu den abgewanderten Investoren gehören Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management. In New York sorgte die Meldung ebenfalls für viel Unruhe: Grossbanken wie Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America mussten Börsenverluste von teils mehr als zwei Prozent hinnehmen.

Deutsche Bank massiv unter Druck

Die Deutsche Bank steht massiv unter Druck: Vor allem eine drohende Milliardenbusse in den USA belastet. Washington fordert umgerechnet rund 12.5 Milliarden Euro wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren. Das Problem: Die Rücklagen der Bank für Rechtsstreitigkeiten liegen nur bei 5.5 Milliarden Euro. Entsprechend laut wurden in dieser Woche Rufe nach Staatshilfen. Die Unternehmensführung wiegelte ab. Auch die Credit Suisse urteilt in einer heute veröffentlichten Analyse, die massiven Kursverluste seien ungeachtet aller Risiken übertrieben. Das Kursziel sieht man nach wie vor bei 13 Euro.

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Doch Investoren sorgen sich offenbar um eine Ausweitung der Krise der Deutschen Bank auf andere Institute. Von der Deutschen Bank geht eine grosse Gefahr für die globale Finanzstabilität aus: Gemäss Internationalem Währungsfonds (IWF) hat das Unternehmen von allen global systemrelevanten Banken am meisten systemische Risiken in ihrer Bilanz – noch vor der HSBC, Credit Suisse und J.P. Morgan.

Credit-Suisse-Chef giesst Öl ins Feuer

Die engen Verflechtungen der Deutschen Bank mit anderen deutschen Finanzunternehmen wie etwa der Allianz, Munich Re oder auch der Commerzbank tragen in einem hohen Mass zum systemischen Risiko im deutschen Finanzsektor bei. So brach denn auch die Aktie der Commerzbank heute Vormittag um über 6 Prozent ein und notiert derzeit nahe ihres Rekordtiefs. Schon in den vergangenen Tagen hatte es bei diversen Unternehmen aus dem Sektor – allen voran bei der Deutschen Bank – Verluste gegeben.

Öl ins Feuer goss ausgerechnet der Chef der Credit Suisse. Der Bankensektor sei «nicht wirklich anlagefähig», sagte Tidjane Thiam am Mittwoch gemäss übereinstimmenden Berichten mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen. Die Industrie befinde sich in einer «sehr fragilen Verfassung». Angesichte der «regulatorischen Unsicherheit» gebe es nun «fundamentale Zweifel» daran, ob die Industrie noch ein existenzfähiges Geschäftsmodell habe. Zu einer Entspannung der Lage tragen solche Worte nicht bei.