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Ausstand
Tag 1 des härtesten Streiks der Lufthansa-Geschichte

Streikteilnehmer: Die Swiss ist vom Ausstand bei der Konzernmutter nicht betroffen. Keystone

Wegen des Streiks bei der Lufthansa sind zehntausende Passagiere am Boden geblieben. Die Flugbegleiter wollen hart bleiben. Bis nächsten Freitag soll die Arbeit ruhen – mit Ausnahme vom Sonntag.

Veröffentlicht am 05.11.2015

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo erhöht den Druck auf die Lufthansa. Wie am Freitag werden die Flugbegleiter auch am Samstag in Frankfurt und Düsseldorf die Arbeit niederlegen. Streitpunkt ist die Altersversorgung der Angestellten. Ob am Samstag noch weitere Standorte dazukommen, liess die Gewerkschaft zunächst offen. Um gestrandete Passagiere unterzubringen, buchte die Lufthansa in Frankfurt 2500 Hotelzimmer. Der Frankfurter Airport stellte vorsorglich 600 Feldbetten auf.

Die Gewerkschaft will bis Freitag nächster Woche streiken. Es wäre der längste Arbeitskampf in der 60-jährigen Geschichte der Airline. «Wir erhöhen den Druck, damit der Lufthansa-Vorstand schnell ein neues Tarifangebot auf den Tisch legt», sagte Ufo-Vorstandsmitglied Birgit Weinreich auf einer Kundgebung am Frankfurter Flughafen.

290 Flüge gestrichen

Wegen des Streikauftakts am Freitag blieben 38'000 Lufthansa-Passagiere am Boden. Europas grösste Fluggesellschaft strich in Düsseldorf und Frankfurt insgesamt 290 Flüge. An letzterem startet üblicherweise ein Grossteil der lukrativen Langstreckenflüge.

Insgesamt fielen 15 der geplanten 23 Verbindungen nach Übersee aus. Zudem trifft der Ausstand die Flughäfen mitten im Hochbetrieb - am Freitagnachmittag und -abend sind besonders viele Wochenendpendler unterwegs. Am Sonntag soll der Streik landesweit ausgesetzt werden, da an diesem Tag hauptsächlich Privatleute fliegen. Nicht bestreikt werden die Lufthansa-Töchter Swiss, Germanwings, Eurowings und Austrian Airlines.

Streit um Renten

Ein Streitpunkt in dem Tarifkonflikt sind die Regelungen zur Frührente für die Flugbegleiter. Die Fluglinie argumentiert, dass die bisherige Finanzierung wegen der niedrigen Zinsen und der im Branchenvergleich hohen Kosten der Lufthansa nicht mehr tragbar sei.

Die Gewerkschaft verweist dagegen auf den Rekordgewinn, den die Fluggesellschaft für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat. Harte Einschnitte wie von der Konzernspitze geplant seien unnötig, da die Lufthansa kein Sanierungsfall sei. Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens argumentierte hingegen vor wenigen Tagen, dass die Kosten des Konzerns nicht noch weiter steigen könnten. «Wir wollen die Mitarbeiter aber am Rekordergebnis beteiligen.»

Kampf an vielen Fronten

Im Hintergrund köchelt bei dem Tarifclinch noch ein zweiter Konflikt. Dabei geht es um den Ausbau der früheren Lufthansa-Regionalfluglinie Eurowings zur Billig-Airline. Dagegen ging auch die Piloten-Gewerkschaft Cockpit auf die Barrikaden und bestreikte die Lufthansa seit Frühjahr 2014 insgesamt 13 mal. Auch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ringt der Konzern derzeit um einen Tarifabschluss für 33'000 Angestellte. Diese Gespräche wurden am Donnerstag ergebnislos vertagt.

(sda/mbü/ise)

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