Einen weiten Arbeitsweg hatte er nicht an diesem Samstagmorgen. Seit einiger Zeit wohnt der Formel-1-Vizeweltmeister Kimi Räikkönen in Wollerau SZ. So war es dem schnellen Finnen noch so recht, dass TAG Heuer zum Foto-shooting ins Zürcher Fotostudio Bellerive lud. Seit 2003 ist Kimi Räikkönen Botschafter von TAG Heuer, was bedeutet, dass er diverse Verpflichtungen pro Jahr für die Uhrenmarke wahrzunehmen hat.

An diesem Vormittag geht es in Zürich darum, neue Fotos zu schiessen für eine weitere Serie der Kampagne «What are you made of?». Vor dem Mittag ist die Arbeit von Räikkönen auf dem Set gefragt, am Nachmittag wird dann Juan Pablo Montoya, die Nummer zwei bei McLaren-Mercedes, an der Reihe sein. Räikkönen wirkt nicht übermotiviert. Stoisch blickt er in die Kamera, während am Set wie üblich mehrere dutzend Personen stehen. Wirklich gearbeitet wird nur von einem: Joel von Allmen, der junge Neuenburger Fotograf, der im Auftrag von TAG Heuer die meisten Ambassadoren für die Kampagnen fotografiert. Von Allmen ist permanent in Bewegung, drappiert den Rennanzug Räikkönens, liegt am Boden, kriecht auf allen Vieren, steht wieder auf, schwitzt, lobt den Rennfahrer und schiesst ein Bild nach dem anderen.

Begeisterung fürs Design

Von Allmen arbeitet schnell, er will die Geduld seines prominenten Models nicht unnötig strapazieren. Kimi sitzend auf einem Michelin-Reifen, Kimi stehend die Arme verschränkt, Kimi sitzend am Boden, Kimi im Profil. Immer gut sichtbar, die rote TAG Heuer Formula 1, der Quarz-Chronograph mit dem roten Zifferblatt, deren Botschafter Räikkönen ist. Und ab und an huscht dem «kühlen Blonden aus dem Norden» sogar ein Lächeln übers Gesicht. Auch wenig später beim Interview zeigt sich der 26-jährige oft so Wortkarge überraschend gesprächig und gut gelaunt. Uhren hätten für ihn früher die Funktion gehabt, die Zeit abzulesen, meint er trocken. Heute sei das anders, da teile er die Begeisterung für schönes Design und technische Finessen. Der Stil von TAG Heuer gefalle ihm sehr. Jean-Christophe Babin, französischer CEO von TAG Heuer, sitzt daneben und lächelt zufrieden. So möchte er es hören von seinen Botschaftern und so verzeiht er Räikkönen auch, als dieser auf die Frage, ob ihm Fotoshootings wie dieses Spass machten, ehrlich antwortet: «Es gibt Dinge, die ich lieber mache, aber es gehört zum Job.» Schon wesentlich mehr «Fun», sagt er, bereitete ihm im vergangenen Herbst der Go-Kart-Event von TAG Heuer in Rümlang, als 50 ausgewählte Fans gegen den Formel-1-Star fahren durften.

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Seit bald einem Jahrhundert im Rennsport

TAG Heuer und der Motorrennsport, das gehört zusammen seit bald einem Jahrhundert. Obschon inzwischen zahlreiche andere Uhrenmarken wie etwa Omega, Oris und IWC auf diese Verbindung setzen, prägte keine Firma die Formel 1 so stark wie TAG Heuer (siehe auch «Nachgefragt» mit CEO Jean-Christophe Babin). TAG Heuer war der allererste Sponsor in der Formel 1 ausserhalb der Automobilbranche und prägt die Szene mit branchenrelevanten Innovationen. Bereits 1911 wurde mit dem «Time of Trip» der erste Bordchronograph für Automobile lanciert. Weitere Meilensteine waren 1933 die Autavia, das erste Bordinstrument sowohl für Autos als auch für Flugzeuge und 1966 das Mikrometersystem mit der Präzisionsmessung einer Tausendstelsekunde. In den 70er Jahren war TAG Heuer offizieller Zeitmesser bei Scuderia Ferrari und von 1992 bis zum Ausstieg 2003 offizieller Zeitnehmer der gesamten Formel-1-WM. Bereits 1985 startete man die Partnerschaft mit McLaren-Mercedes und seit 2004 ist die Firma für die Zeitmessung der in den USA äusserst populären Indy Racing League und des legendären Indy-500-Rennens verantwortlich. Für Aufsehen sorgte TAG Heuer schliesslich 2005 an der «BaselWorld» mit der Calibre 360, des ersten Armband-Chronographen, der die Hundertstelsekunden messen und anzeigen kann.

Unzählige der grössten Rennfahrer aller Zeiten waren Botschafter von Heuer, später TAG Heuer, dem heute viertgrössten Uhrenunternehmen, das zum französischen Luxuskonzern LVMH gehört. Jo Siffert, Niki Lauda, Alain Prost, Ayrton Senna und Mika Häkkinen sind nur einige Legenden, die Botschafter der Sportuhren waren. Kimi Räikkönen steht und wirbt heute für die vergleichsweise günstigen Fomula-1-Modelle (ab 690 Fr.), sein Rennstall-Partner Juan Pablo Montoya für die teureren Carrera-Modelle (ab 1650 Fr.). Ab April dieses Jahres wird die neue Carrera Chronograph Tachymeter Racing erhältlich sein und mit der SLR for Mercedes-Benz sowie der Monaco Chronograph Vintage Limited Edition mit Botschafter Steve McQueen bringt das Unternehmen zwei weitere neue Uhren mit engem Bezug zum Rennsport auf den Markt. Einen besonders engen hatte sie vor zwei Jahren mit der Monaco V4 Concept Watch geschaffen. Die Uhr verzichtet weit gehend auf das Räderwerk und verwendet stattdessen einen Keilriemenantrieb. Die Assoziation mit der Aufsicht auf einen Motor ist von den Entwicklern natürlich gewollt.

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Neue Botschafter für wachsende Märkte

«Sport and Glamour» heisst seit Jahrzehnten die Marketingstrategie, die man jetzt noch stärker zum Ausdruck bringen will. Neben den Formel-1-Piloten, Erfolgsgolfer Tiger Woods und Tennis-Prinzessin Maria Scharapowa ist man Verträge mit den Hollywood-Superstars Uma Thurman und Brad Pitt eingegangen. Aber auch der indische Bollywood-Schauspieler Shah Rukh Khan wurde verpflichtet. Die Absicht ist diesselbe wie beim Engagement für das China Team am America's Cup 2007: Die Märkte Indien und China spielen eine immer wichtigere Rolle. Also sind populäre Botschafter in diesen Regionen unerlässlich. Räikkönen, Thurman, Woods und Co. werden bei der Entwicklung der Modelle, für die sie später werben, miteinbezogen. Gerade kürzlich habe er in Paris Brad Pitt getroffen, um mit ihm neue Produktideen zu diskutieren, erzählt CEO Babin und betont, wie wichtig eine langjährige Zusammenarbeit mit den Ambassadoren sei.

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So kann er nur hoffen, dass Räikkönen dem Team McLaren-Mercedes über 2006 hinaus erhalten bleibt. Für den Vizeweltmeister könnte dieses Jahr die ganz grosse Saison werden. Er gilt von den Fähigkeiten her als bester Fahrer und fährt heuer zusätzlich mit TAG-Heuer-Logo am Helm. Weil er so gerne in der Schweiz wohnt («hier lässt man mich in Ruhe»), passt ihm die Zusammenarbeit mit den Neuenburgern. Zum Reisen kommt er im Formel-1-Zirkus ja schon zur Genüge.

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Nachgefragt: Jean-Christophe Babin

«Die wahre Motorsport-Story»

TAG Heuer-CEO Jean-Christophe Babin über die Bedeutung des Formel-1-Sponsorings und Kimi Räikkönen als Werbeträger.

Neben TAG Heuer setzen immer mehr Uhrenmarken auf den Automobilrennsport. Wie können Sie sich da noch abheben?

Jean-Christophe Babin: Die Synergien von technisch hoch stehenden und schön designten Autos und schönen Uhren mit den gleichen Werten sind offensichtlich. Kein Wunder, springen viele Brands auf diesen Zug auf. Doch am Schluss zählen die Botschaften und die wahren Storys. TAG Heuer hat die wahre Story der Verbindung von Uhr und Automobilrennsport seit beinahe einem ganzen Jahrhundert. Wir sind der allererste Sponsor, der auf diese Karte setzte und wir haben immer wieder Innovationen in Verbindung mit dem Automobilrennsport lanciert. Drei neue TAG-Heuer-Avant-Garde-Chronographen beweisen das gerade jetzt wieder. Diese Story kann uns niemand in zwei, drei Saisons nehmen, weil wir Jahrzehnte daran arbeiteten. Je stärker die Leute die Verbindung von tollen Autos und tollen Uhren sehen, desto eher kommen sie irgendwann auf TAG Heuer.

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Trotzdem haben Sie 2003 das «Official Time Keeping» in der Formel 1 aufgegeben.

Jean-Christophe Babin: Es war ein strategischer Entscheid. Es gab entwicklungsmässig einfach nicht mehr jenen Challenge wie bisher. Dafür wurde uns das Engagement zu teuer. Das Geld investieren wir heute lieber in die Indy-500-Serie, wo wir offizieller Zeitnehmer sind. Dort wird mit Zehntausendstelsekunden gemessen, also zehnmal genauer als in der Formel 1. Kam dazu, dass die Amerikaner kaum Formel 1 schauen und wir vermehrt auch in Felder wollten, wo wir diesen Markt erreichen, etwa in den Golfsport mit Tiger Woods als Botschafter.

Welche Bedeutung hat die Welt der Sportwagen noch für TAG Heuer?

Jean-Christophe Babin: Eine hohe. Das zeigen unsere neuen Modelle. Die Partnerschaft mit McLaren-Mercedes dauert schon seit 22 Jahren. Unsere Strategie heisst «Sport and Glamour». McLaren-Mercedes ist das einzige Team, das Sport und Luxus verbindet und passt ideal zu uns. Es gibt für uns eigentlich keinen anderen Partner in der Formel 1.

Wie wertvoll ist Kimi Räikkönen als Werbeträger?

Jean-Christophe Babin: Sehr wertvoll. Er teilt unsere Werte, weil er alles tut, um erfolgreich zu sein. Er ist wahrscheinlich der beste Fahrer von allen und geniesst deshalb überall grosse Bewunderung.

Die Negativschlagzeilen zu seinem Lebensstil stören Sie nicht?

Jean-Christophe Babin: Nein, denn er bringt seine Leistung und das ist entscheidend. Alle Menschen haben neben ihrem Berufsleben ein Privatleben. So auch Kimi. Wir arbeiten ja nicht mit Robotern. Ich glaube, es macht ihn sogar sympathischer als Botschafter, dass sein Bild nicht so perfekt ist.

Neben Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya arbeiten Sie mit Sportgrössen wie Tiger Woods oder Maria Scharapowa und mit den Hollywoodstars Uma Thurman und Brad Pitt. Wer erhält die höchste Gage von TAG Heuer?

Jean-Christophe Babin: Das kann ich so nicht beantworten. Alle unsere Botschafter haben einen Vertrag mit einem fixen und einem erfolgsabhängigen Part. Sind sie erfolgreicher, erhalten sie von uns mehr Geld.