In Frankreich steht Anne-Claire Taittinger für weit mehr als nur Champagner: Sie leitet die Société du Louvre, ein Imperium der Luxusindustrie mit weltbekannten Nobelhotels wie dem Crillon in Pa-ris und dem Martinez in Cannes, aber auch Marken wie Baccarat-Kristall und Annick-Goutal-Par-fums.

Doch jetzt denkt die Familie über den Verkauf ihrer Beteiligungen im Wert von mehr als 2 Mrd Euro nach. Die französische Geschäftswelt staunt, und das, obwohl Beobachter schon länger über den Ausverkauf bei Taittingers spekuliert hatten. Erster Anlass dazu war Ende 2005, als einige Familienmitglieder öffentlich darüber nachdachten, den Wohnsitz aus Steuergründen nach Belgien zu verlegen.

Nun bestätigte die Taittinger-Gruppe, Verkaufsangebote von den Banken BNP Paribas und Rothschild prüfen zu lassen. Hintergrund ist der Wunsch Albert Frères, seine Beteiligung an der Société du Louvre zu verkaufen. Der belgische Industrielle hält 15,3% des Kapitals und ist zweitgrösster Aktionär nach den Taittingers, denen 44,1% gehören. Anne-Claire Taittinger hatte Frère 2002 ins Boot geholt, um sich so gegen Guy Wyser-Pratt und Asher Edelmann zu wehren. Die beiden US-Investoren waren 1997 bei der Gesellschaft eingestiegen und hatten ständig Druck auf die Geschäftsführung ausgeübt. Der Aktionärspakt von Frère und den Taittingers endet im Juni 2006.

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Nach Ansicht von Beobachtern zwingt ein zweiter, bedeutender Grund zum Verkauf: Unstimmig-keiten zwischen den 38 Familien-mitgliedern. Einige arbeiten aktiv im Konzern mit, andere sind nur passive Aktionäre. Bei der Generation der 50- bis 65-Jährigen soll jetzt der Wunsch überwiegen, Kasse zu machen.