1. Home
  2. Unternehmen
  3. Tamedia fehlt die Marke für das Deutschland-Wagnis

Medien
Tamedia fehlt die Marke für das Deutschland-Wagnis

«20 Minuten»: Auf die bekannte Marke muss Tamedia in Deutschland verzichten.   Keystone

«20 Minuten» aus dem Hause Tamedia will ein Online-Portal in Deutschland starten. Doch die Namensrechte für den Titel besitzt der Schweizer Verlag gar nicht. Die gehören der Konkurrenz.

Von Christian Bütikofer
am 04.03.2015

Tamedia sucht Journalisten für ein deutsches Online-Portal von «20 Minuten». Das berichtete handelszeitung.ch Anfang dieser Woche. Auf einer Testplattform soll die Redaktion an einer ausgewählten Leserschaft testen, welche News bei jungen Onlinenutzern in Deutschland ankommen. Dann entscheidet der Zürcher Medienkonzern, ob er einen Angriff im schwierigen deutschen Markt wagt.

Gelingt die Testphase, heisst das Online-Portal nicht gleich wie in der deutschsprachigen Schweiz. Denn der Tamedia-Konzern besitzt die Rechte an der Marke «20 Minuten» nur in der Schweiz, wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer Recherchen von handelszeitung.ch bestätigt. In Deutschland gehören die  Marken- und Bildrechte an «20 Minuten» dem norwegischen Schibsted-Verlag

Webseiten auf Französisch

Tamedia kaufte den Norwegern 2003 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Schweizer-Ausgabe von «20 Minuten» ab. Dafür stampfte der Verlag sein geplantes Konkurrenz-Produkt «Express» im letzten Moment ein. Eine ganze Redaktion erlebte nur die Probenummer ihres Produkts.

Unter welcher Marke ein allfälliges Angebot in Deutschland lanciert würde, bleibt offen. Die entsprechenden Domains von 20 Minuten Deutschland leiten momentan zur Frankreich-Ausgabe weiter, die jedoch nicht Tamedia gehört, sondern Schibsted und dem Medienkonglomerat Groupe Sipa - Ouest-France.

Geburtswehen in Dänemark

Tamedia-Sprecher Zimmer ist aber auch ohne die 20-Minuten-Marke äusserst optimistisch für den Vorstoss nach Norden: «Unser Erfolg in Luxemburg und auch das starke Wachstum von Metroxpress in Dänemark zeigen, dass der Markenname 20 Minuten nicht entscheidend ist.»

Die Gratiszeitung «L'essentiel» ist im Zwergstaat Luxemburg sowohl digital als auch als gedrucktes Produkt etabliert. Anfang 2013 expandierte Tamedia auch in Dänemark. Das Haus übernahm für 20,3 Millionen Franken «Metroxpress». Auch dort wächst die Leserschaft, allerdings erst nach heftigen Geburtswehen. So verfiel man bei Tamedia nicht gerade in Jubelstimmung, als die Pendlerzeitung nach einem Print- und Online-Relaunch in den ersten Monaten gar weniger Leser auswies und sich die Zahlen erst danach erholten - nun wähnt man sich im Norden auf Kurs.

Keine Print-Unterstützung

In Deutschland wird der Kampf um Marktanteile aber viel härter. Nicht nur existieren bereits diverse schlagkräftige Konkurrenten wie etwa die deutsche Ausgabe der Huffington Post, das Vice-Magazin oder Konkurrenz von Verlagen wie Spiegel und Axel Springer (zu dem auch Handelszeitung gehört). Auch sie richten sich an ein junges Publikum und besitzen x-fach grössere Redaktionen. Zudem sind die Anzeigenpreise in Deutschland stark unter Druck.

Auch muss Tamedia in Deutschland ohne die Unterstützung einer gedruckten Pendelerzeitung auskommen. Sie muss also ein Online-Portal etablieren, ohne dass ihre Marke durch die Printausgabe beworben wird. Das ist ein grosser Nachteil, den man in Luxemburg und Dänemark nicht hatte. 

Anzeige