Tankstellenshops sind eine Goldgrube. In diesen sogenannten Convenience-Shops werden Güter des täglichen Bedarfs sowie Zeitungen, Zigaretten und meist auch Alkohol verkauft. Noch immer wächst der Markt, dessen Volumen auf gegen 2 Mrd Fr. geschätzt wird, Jahr für Jahr zweistellig.

In der Branche heisst es nun, Marktführer Coop sei daran, seine Position in diesem Bereich weiter auszubauen. An der Coop Mineraloel AG ist heute Coop mit 51% beteiligt, ConocoPillips mit 49%. Die Basler würden seit einiger Zeit mit Esso über eine Zusammenarbeit verhandeln. Auch mit BP hätten Gespräche stattgefunden. Mit einer solchen Zusammenarbeit könnte Coop seine Marktführerschaft noch einmal deutlich ausbauen, denn sowohl BP wie auch Esso betreiben beide über 100 Tankstellenshops (siehe Tabelle). Die Basler setzten mit ihren Pronto-Shops im letzten Jahr bereits 530 Mio Fr. um.

Bei Esso ist zudem das Shop-Konzept im Umbruch. Schweizweit betreibt der Konzern zwar gemäss eigenen Angaben 108 Tankstellen mit Shops, aber erst 20 davon laufen unter dem neuen «on the run»-Konzept mit Frischprodukten. Ob dieses Konzept noch weiter multipliziert wird, lässt Esso-Sprecher Betrand Cornaz offen. Coop wie auch Esso verneinen auf Anfrage, dass es diesbezügliche Verhandlungen gebe. Gemäss Coop-Sprecherin Susanne Erdös sind die Pronto-Shops 2008 um 20% gewachsen.

Anzeige

Auch Valora plant 100 Shops

Dass man sich bei Coop derzeit aber sehr wohl Gedanken über die Zukunft der Tankstellenshops macht, liegt dennoch auf der Hand. Momentan sucht sich der Konsumgüterkonzern Valora einen neuen Partner. Bis vor kurzem hatten Valora und die Migros zusammengespannt. Nun strebt Valora dem Vernehmen nach eine Zusammenarbeit mit BP an, um die angepeilten 100 Avec-Shops Ende 2009 zu erreichen. Aber auch mit Esso soll verhandelt werden. Will sich Coop mittelfristig ebenfalls eine neue Partnerschaft sichern, muss das Unternehmen jetzt aktiv werden.

Valora-Sprecherin Stefania Misteli wollte zum Stand von allfälligen Verhandlungen nichts sagen und erklärt lediglich, das Unternehmen habe in den letzten zwei Wochen 21 Avec-Shops aus der früheren Partnerschaft mit der Migros «physisch übernehmen» können. Um die Expansion mit einem neuen Partner zu planen, sei ein Franchisenehmer-Gremium eingesetzt worden. Was mit den 41 Shops an Tamoil-Tankstellen passiert, die Valora gepachtet hat, sei noch nicht entschieden. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Valora mit Tamoil nicht unbedingt weiter zusammenspannen möchte. Noch in diesem Jahr, so das ursprüngliche Ziel, sollte eine neue Partnerschaft in diesem Bereich spruchreif sein. Das dürfte nun knapp werden.

Einen Schritt weiter ist man diesbezüglich bei der Migros. Nach ihrem Ausstieg aus der Partnerschaft mit Valora spannt sie mit dem Shell-Konzern zusammen. Vor kurzem wurde der erste Migrolino-Shop an einer Shell-Tankstelle eröffnet, bis Mitte 2010 soll es an über 100 Tankstellen und an 20 Bahnhöfen Migrolino-Shops geben, bis Ende 2010 sollen gar mehr als 140 solcher Convenience-Läden in Betrieb sein, wie Migrol-Chef Daniel Hofer erklärt. Die Zusammenarbeit mit Shell laufe sehr gut. Die Aktivitäten von Coop und Valora mag Hofer nicht kommentieren: «Unser Migrolino-Expansionsplan ist nicht abhängig davon, was unsere Mitbewerber im Convenience-Markt unternehmen.»