Bundesrat Moritz Leuenberger, der in der Schweiz auch als inoffizieller Klimapapst amtet, forderte die Teilnehmer des Climate Forum dazu auf, mutig und hart zu diskutieren. Mehr noch: Nach 20 Jahren sei nun endlich der Zeitpunkt gekommen, zu handeln - oder wie es ein Mundart-Sprichwort treffend ausdrückt: «Liefere statt lafere.» Wichtiger, als hehre Ziele und Visionen zu verkünden, seien jetzt die konkreten Umsetzungsmassnahmen. Nur auf diese Art undWeise, so Leuenbergers Überzeugung, könne tatsächlich etwas Konkretes gegen den Klimawandel unternommen werden.

Zeit zu handeln, bleibt nicht viel übrig, wie Thomas Stocker, weltweit renommierter Klimaforscher der Universität Bern darlegte. Er leitet als Ko-Vorsitzender die Arbeitsgruppe «Wissenschaft» des Weltklimarats. Angesichts der wissenschaftlich erhärteten und erdrückenden Faktenlage kann nicht mehr bestritten werden, dass sich das Klima rasant erwärmt und verändert - alles andere ist dogmatisch und fahrlässig. «Die Erwärmung im Klimasystem ist eindeutig», sagte Stocker. «Wir stehen vor einem grossen globalen Problem, das entschiedendes Handeln erfordert.» Franz Josef Radermacher, Mitglied des Club of Rome und Professor der Universität Ulm, nahm den Ball noch so gerne auf, zeigte sich aber gleichzeitig frustriert: «Zum ersten Mal überhaupt weiss die Menschheit, dass sie in eine ökologische Katastrophe steuert. Doch hat sie bisher noch nichts unternommen, um den Kollaps des Klimasystems zu stoppen.» Etwas Hoffnung liess er aufkeimen, als er darlegte, dass die technischen Innovationen und Möglichkeiten noch gar nicht ausgereizt seien, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren und neue Energieträger anzuzapfen.

Eine Antwort lieferte Nawal Al-Hosany, die Direktorin von Masdar City. In der Wüste von Abu Dhabi soll eine CO2-neutrale Ökostadt entstehen, in der die neusten Technologien zur Anwendung kommen. «Ein ehrgeiziges, aber nötiges Projekt», sagt Al-Hosany.