Keine andere Anlageklasse polarisiert gegenwärtig mehr als die der strukturierten Produkte. Mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sehen sich zahlreiche Kritiker bestätigt. Wer sich jedoch an den Fakten orientiert, stellt fest, das die immer wieder genannten Kritikpunkte einer genauen Überprüfung nicht Stand halten.

Vorurteil Nummer 1: «Strukturierte Produkte sind kompliziert.» Die hohe Flexibilität von strukturierten Produkten kann dazu führen, dass eine Komplexität im Sinne einer grossen Vielfalt an Auszahlungsprofilen entsteht. Aufgabe der Emittenten ist es, für umfassende Informationen zu sorgen. Dies hat sich insbesondere in der aktiven Erweiterung und Optimierung der Internetseiten der Emittenten sowie in der grossen Vielfalt an Publikationen rund um das Thema strukturierte Produkte manifestiert.

Vorurteil Nummer 2: «Strukturierte Produkte sind intransparent.» Während Fonds eine Anlagestrategie umsetzen, zeichnen sich strukturierte Produkte durch ein definiertes Auszahlungsprofil per Verfall aus. Anleger müssen nicht die einzelnen Komponenten verstehen, sondern wie sich das Produkt während und am Ende der Laufzeit verhält. Das ist wie bei einem Medikament: Man kennt den genauen Inhalt nicht, aber die Wirkung. Eine gute Unterstützung im Verständnis von strukturierten Produkten bietet das Kategorisierungsmodell des Verbandes. Dieses hilft, Chancen und Risiken per Verfall richtig einzuschätzen. Was die Preisentwicklung von strukturierten Produkten während der Laufzeit betrifft, hat die Bank Vontobel für das eigene Produktangebot eine übersichtliche, leicht verständliche Risikoeinschätzung auf Basis der etablierten Risikokennzahl Value at Risk erarbeitet.

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Vorurteil Nummer 3: «Strukturierte Produkte sind teuer.» Nach den jüngsten Ereignissen wird der Anleger vermehrt auf die Produktqualität achten. Dabei ist das Pricing einer der Erfolgsfaktoren, die einem grossen Wettbewerb unterliegen. Die Kosten für Open-End-Produkte sind aus den Termsheets ersichtlich, ähnlich wie das bei Fonds auch der Fall ist. Bei Produkten mit begrenzter Laufzeit ist dies technisch nicht möglich. Dafür weiss der Anleger haargenau, welches Auszahlungsdiagramm er bei welchem Kursszenario bei Verfall erhält. Das heisst, der Anleger investiert mit seiner Markterwartung in ein klar definiertes, transparentes Auszahlungsdiagramm, während er zum Beispiel mit einem Fonds in eine Anlagestrategie investiert.

Ein weiterer Diskussionspunkt dreht sich um die laufenden Erträge im Basiswert, die während der Laufzeit anfallen. Die Finanzierung verschiedener Optionsstrategien erfolgt oft über genannte Erträge wie Dividenden. Dementsprechend fliessen diese nicht einfach in die Kasse der Emittenten, sondern werden dem Anleger beispielsweise in Form eines Schutzmechanismus oder einer erhöhten Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes weitergegeben.

Vorurteil Nummer 4: «Strukturierte Produkte sind riskant.» Sehr oft werden strukturierte Produkte als Alternative zu der Direktanlage und dabei zur Risikosteuerung eingesetzt. So kann durch den Zusatz von Schutzkomponenten das Risiko im Vergleich zur Direktanlage deutlich reduziert oder mittels Zugang zu anderen Anlageklassen wie Rohstoffen oder Währungen das Risiko minimiert werden. Dabei ist immer auch zu berücksichtigen, wie das Produkt in das bereits bestehende Portfolio passt. Will man nun das Risiko der Anlage quantifizieren, muss man es folgerichtig auch mit dem Risiko des Basiswerts vergleichen.

Entscheidend ist allerdings auch, und das ist vielleicht das grösste Risiko, dass bei einem strukturierten Produkt sowohl die Chancen als auch die Risiken richtig verstanden werden. Deshalb sind wir auch überzeugt, dass nur Produkte marktfähig sind, welche auch leicht verständlich sind.

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