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Technologie
Tauziehen mit den USA: Die wahre Macht von Huawei

Meng Wanzhou
Meng Wanzhou: CFO von Huawei und Tochter von Firmengründer Ren Zhengfei.Quelle: Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.

Der US-chinesische Handelsstreit kristallisiert sich an der Festnahme von Huawei-CFO Meng Wanzhou. Warum gerade Huawei so im Fokus steht.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 11.12.2018

Der Handelsstreit zwischen den USA und China verdichtet sich auf die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou. Während diese über Probleme mit Bluthochdruck in der Untersuchungshaft klagt und dafür kämpft, auf Kaution freizukommen, reagieren die asiatischen Märkte besorgt. Das Tauziehen um Meng Wanzhou lässt weitere Eskalationsstufen im Technologiewettkampf zwischen den USA und China befürchten. Meng Wanzhou soll gegen Iran-Sanktionen verstossen haben, ihr drohen 30 Jahre Haft.

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Abgesehen von ihrer eigenen zentralen Position im Unternehmen ist Meng Wanzhou die Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei. Der Milliardär ist in China eine Legende, für die USA ein rotes Tuch. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ren stammt aus einer Familie mit tiefen Wurzeln in der kommunistischen Partei, er selbst war ein hochrangiger Soldat der Volksbefreiungsarmee und würzt seine Ansprachen bis heute gern mit militärischen Bildern. Laut Bloomberg zog er zum Beispiel den Vergleich: «Unsere Manager und Experten müssen sich wie Generäle verhalten, die aufmerksam Landkarten studieren und sorgfältig Probleme untersuchen.»

Seit Jahren schwelendes Misstrauen von Seiten der USA

Das Misstrauen der USA gegenüber Huawei reicht Jahre zurück: Bereits 2012 wurde in einem US-Untersuchungsbericht kritisiert, dass die Verbindungen von Huawei zur kommunistischen Partei und zum chinesischen Militär intransparent seien. Auch damals stand der Verdacht im Raum, das Unternehmen verstosse gegen Iran-Sanktionen, wie CNBC berichtet. Konkrete Beweise blieben die US-Behörden jedoch schuldig. Auch auf die aktuellen Vorwürfe reagiert das Unternehmen mit vehementer Gegenwehr. «Es gibt keine Grundlage für die Vorwürfe», sagte Andy Wang Haitao, Schweiz-Chef von Huawei, im Interview mit der Handelszeitung.

Huawei ist aus Sicht der USA nicht irgendwer, sondern ein handfester Konkurrent in vielen Bereichen. Der Konzern erzielt mehr Jahresumsatz als Alibaba, Tencent und die Google-Alternative Baidu zusammen. 2017 waren es 93 Milliarden US-Dollar, das Unternehmen beschäftigt rund 180’000 Mitarbeiter.  

Vor allem aber ist Huawei eine der ersten chinesischen Firmen, die ernsthaft den Schritt ins Ausland wagten. Deren Geschäfte mit dem Westen nicht in erster Linie darin bestehen, Investitionen nach China ziehen zu wollen, wie es für Alibaba Priorität hat. Deren Expansion nicht allein in üppigen Übernahmen besteht mit dem Ziel, Management- und Technologie-Know-how für China zu erwerben.

Huawei verfolgt einen anderen Ansatz. Wahrgenommen wird das Unternehmen vor allem mit seiner jüngsten Sparte, dem Smartphone-Geschäft. Mit gewaltigem Marketingaufwand und Investitionen ins Premium-Segment eroberten die Huawei-Handys den Weltmarkt, sind seit diesem Jahr Nummer zwei hinter Samsung.

Ren Zhengfei, Founder and Chief Executive Officer, Huawei Technologies, reacts during a panel session at the 45th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 22, 2015. The overarching theme of the Meeting, which takes place from 21 to 24 January, is "The New Global Context". (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Ren Zhengfei: In China ist der Gründer von Huawei eine Legende.
Quelle:

Die globalen Ambitionen von Huawei

Weniger glamourös, dafür tiefer verwurzelt in der Firmenhistorie ist das Netzwerkgeschäft. Hier ist Huawei schon seit Anfang des Jahrtausends  ein ernstzunehmender internationaler Player – mittlerweile auch als Partner von Sunrise in der Schweiz. Sunrise-Chef Olaf Swantee betonte kürzlich bei der Präsentation der ersten 5G-Antenne im Skigebiet in Laax, dass er den chinesischen Hintergrund von Huawei als Vorteil sehe. Gleichzeitig spüre er, dass es Huawei mit der Schweiz ernst meine. «Huawei bekennt sich stark zur Schweiz.» Tatsächlich setzt Huawei auf Lokalisierung. Zwar ist das Management auf Länderebene in chinesischer Hand, doch am Montag wurden mehrere Führungspositionen bei Huawei Schweiz an europäische Mitarbeiter vergeben. «Dieser Wechsel ist Ausdruck der Bestrebungen von Huawei, europäische Landesgesellschaften stärker von einem europäisch geprägten Management führen zu lassen», heisst es dazu in der Mitteilung von Huawei.

Mit seinem Standing im Netzwerk-Geschäft konkurrenziert Huawei – nicht nur in der Schweiz – wichtige Player wie Ericsson. Auch der Druck auf US-Firmen wie Cisco wächst. Dazu kommt: Huawei gibt sich nicht mit dem Wachstum in der Netzwerksparte zufrieden. Die grössten Ambitionen legt das Unternehmen in seinem dritten Standbein an den Tag, der Enterprise-Sparte. Der Bereich ist der kleinste der Firma, aber auch der mit den stärksten Wachstumsraten. Mit Erfolgen auch bei Schweizer Kunden: Vergangenes Jahr begann Huawei, Schindler-Aufzüge mit Sensoren auszustatten, die diese mit dem Internet of Things verknüpften. Das Unternehmen verfügt über geschätzt 1,5 Millionen Aufzüge und Rolltreppen. Ein weiterer Erfolg: Kürzlich setzte sich Huawei gegen sieben Konkurrenten durch und errang den Auftrag der ETH Zürich, das WLAN-Netz der Universität rundum zu erneuern.

Die Schweiz zeigt sich bisher resistent gegenüber den Spannungen zwischen den USA und China, die Huawei betreffen. Allerdings könnten die Vorfälle für den ehrgeizigen chinesischen Giganten zum Problem werden. Mitten in der heissen Wettkampfphase um den Ausbau von 5G ist Huawei in mehreren wichtigen Wachstumsmärkten wie den USA und Japan von allen Arbeiten ausgeschlossen, die öffentliche Infrastrukturen betreffen. Sollte China den Spiess umdrehen und den Bann US-amerikanischer Produkte angesichts des Drucks auf Huawei deutlich verschärfen, würde das allerdings auch die Vereinigten Staaten hart treffen. In jedem Falle würde dies bedeuten: eine äusserst unerfreuliche Eskalation der Handelskonflikte.