Am Rand des Zürcher Flughafens hebt ein Helikopter heulend vom Landeplatz ab und verschwindet in einer eleganten Kurve im Nebel. Es ist nicht irgend ein Hubschrauber, sondern einer von drei Agusta Westland der Swiss Jet. Auf die schnittigen Maschinen ist Firmenchef Marc Tomaschett besonders stolz: Sie sind für Instrumentenflug ausgerüstet, mit zwei Motoren bestückt und verfügen über eine luxuriöse VIP-Ausstattung. Die ideale Maschine für die auserwählten Passagiere, die Ende Monat wieder in wichtiger Mission zum Weltwirtschaftsforum nach Davos fliegen. Nur schon aus Sicherheitsgründen dürfen sie nicht in einmotorige Maschinen steigen.

Schon lange vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums am 26. Januar schicken die illustren Gäste ihre Spezialisten in die Schweiz. Diese nehmen den Betrieb der Swiss Jet und deren Flotte mindestens so akribisch unter die Lupe wie sonst die gestrengen Inspektoren des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl).

Aus Diskretionsgründen kann und will Tomaschett nicht verraten, wer alles für das Treffen der Weltelite im Bünder Bergdorf auf die Taxidienste der Swiss Jet zählt. Doch die Passagierliste dürfte sich wie das «Who is Who» des Weltwirtschaftsforums lesen. Denn die Schweizer Airline übernimmt die meisten Flüge zwischen Davos und den Airports in Kloten, Friedrichshafen oder Altenrhein. Nicht nur die Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft fliegen mit, sondern auch ihre Bodyguards. Im Preis von einigen tausend Franken für den knapp halbstündigen Flug in die Bündner Berge ist der Champagner selbstverständlich inbegriffen.

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Visum, Gästebetreuung, Catering

Das hält sämtliche 53 Angestellten der kleinen, exklusiven Fluggesellschaft auf Trab. Denn die Helikopter sind einige Tage lang fast pausenlos unterwegs. «Der hektische Grossanlass zwingt uns, unsere Ressourcen voll auszuschöpfen», sagt Tomaschett. Zum kompletten Service bei solchen Gipfeltreffen gehören auch eine Reihe von Dienstleistungen: Visa-Beschaffung, Betreuung auf dem Flughafen, Catering und Hotelbuchungen. Allerdings wird in Kloten nicht der rote Teppich ausgerollt. Das Umsteigen vom Flugzeug auf den Helikopter ist eine nüchterne Angelegenheit. Zollformalitäten sind zu erledigen. Dann geht es unverzüglich in die Bündner Berge.

Selbst wenn alles generalstabsmässig durchgeplant ist - gelegentlich müssen sogar die Mächtigen vor höherer Gewalt kapitulieren. Dann etwa, wenn es in Davos so heftig schneit, dass die Rotoren der Helikopter zu vereisen drohen. Statt in der Luft erfolgt dann der Transfer am Boden - in der Limousine. Swiss Jet kooperiert in solchen Situationen mit spezialisierten Anbietern. In Davos selbst arbeitet das Unternehmen mit Air Grischa zusammen, dem für die Abläufe auf dem Helikopterlandeplatz verantwortlichen «Official Carrier» des World Economic Forum.

Aufatmen kann das Personal der Airline erst nach dem Weltwirtschaftsforum. «Es kommen auch wieder ruhigere Zeiten», meint der Chef. Das eigentliche Kerngeschäft im winterlichen Alltag sind Zubringerdienste nach St. Moritz. Drehscheibe der Airline ist der Flugplatz Samedan. Die Maschinen holen die reiche Kundschaft in Zürich, Genf, Mailand und Nizza ab. Und wenn sich die Gäste im Engadin langweilen, bringt man sie zur Abwechslung für ein paar Stunden nach Samnaun, St. Anton, Zürs/Lech und Kitzbühl. Oder die Piloten starten zu Alpenrundflügen und zu Heliski-Safaris in den mit Kufen ausgestatteten Koala-Helikoptern.

Taxidienste für den Olympiasieger

Eine spezielle Aufgabe im Winter ist es ferner, den Skistar Carlo Janka an die Weltcuprennen zu transportieren, am letzten Wochenende zum Beispiel von Obersaxen nach Adelboden. Im Fall von Carlo Janka erübrigt sich jegliche Diskretion, denn es besteht eine offizielle Partnerschaft mit der GFC Sportmanagement, die den Olympiasieger unter Vertrag hat. Ermüdende Autofahrten vor einem Abfahrtsrennen sollen dem Champion erspart bleiben. Die Verbindungen der Business-Airline mit dem Skirennsport könnten in Zukunft noch enger werden, denn Firmenchef und Rechtsanwalt Tomaschett wird das Unternehmen nicht mehr lange leiten. Im Frühling will er einem Nachfolger Platz machen, der in der Sportwelt bestens bekannt ist: Dem heutigen Swiss-Ski-Cheftrainer Martin Rufener.

Zürich-Paris in zwei Stunden

Spätestens mit der Schneeschmelze verlagern sich die Aktivitäten der Swiss Jet wieder stärker ins Unterland. Stark nachgefragt im Flughafen Zürich sind sogenannte «Door-to-Door»-Flüge für Geschäftsleute. Seit dem Schengen-Beitritt der Schweiz ist es möglich, unkompliziert und ohne weitere Formalitäten direkt im Helikopter von Stadtzentrum zu Stadtzentrum zu fliegen. «Das ist in der Regel schneller als die Reise im Jet über die an den Stadträndern gelegenen Flughäfen», rechnet der Churer Tomaschett vor, der jahrelange Erfahrungen in der Aviatik sammelte, vor allem beim Aufbau von Helikopter-Basisplätzen. Von Zürich ins Zentrum von Paris dauert der Flug im Business-Helikopter knapp zwei Stunden. Besteller solcher Angebote seien Leute, für die Zeit nicht einfach Geld, sondern Luxus und Lebensqualität bedeute, schiebt der Airline-Chef nach.

Die Airline ist allerdings nicht nur für VIP da. Zwei PC 12-Turboprops bleiben Mitgliedern des Air-Engiadina-Clubs reserviert. So exklusiv, wie man vermutet, ist dieser Flugverein aber nicht. Für eine Eintrittsgebühr von 3000 Franken und einen Jahresbeitrag von 200 Franken kann im Prinzip jeder als Clubmitglied mit dabei sein. Weiter gehören nebst zwei Jets und den luxuriösen Helikoptern auch Segelflugzeuge und sogar Heissluftballone zur Flotte. Einen Helikopter für Materialtransporte gibt es ebenfalls. «Diese Kombination verschiedenster Fluggeräte in einer Flotte ist einzigartig», betont Tomaschett. Und er macht kein Geheimnis aus seinen Expansionsplänen. Ausgebaut werden soll der Jet-Bereich, der gegenwärtig aus einer Gulfstream G450 für Langstrecken und einem Dornier 328 für Europaflüge besteht. Swiss Jet schwebt ein Geschäftsmodell vor, bei dem das Unternehmen die Maschinen privater Eigentümer betreibt und optional auch Drittkunden managt.

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Ausbau der Flotte

Dies wäre letztlich ein logischer Schritt, denn schon heute berät das Unternehmen Private und Geschäftskunden bei der Akquisition, Finanzierung und dem Betrieb von Flugzeugen. Spätestens in drei bis vier Jahren soll die Jet-Flotte auf mindestens ein halbes Dutzend Maschinen aufgestockt sein. Obwohl auch alle Konkurrenten der Swiss Jet ähnliche Ausbaupläne hegen, befürchtet Tomaschett nicht so bald Überkapazitäten. «Insgesamt wird sich der Business-Aviation-Bereich kräftig weiter entwickeln», ist er überzeugt.