Eine Taxifahrt mit Kleinkindern kann rasch zu einer kostspieligen Angelegenheit werden. In Zürich beispielsweise verlangen Taxiunternehmen für die Bereitstellung eines gesetzlich vorgeschriebenen Kindersitzes bis zu 30 Franken. In anderen Städten stösst man auf mehr Wohlwollen. Jedes Kind weiss es: Eine Taxifahrt in der Stadt Zürich ist eine teure Angelegenheit. Nur wenige wissen aber, dass in dieser Stadt eine vierköpfige Familie unter Umständen gar den doppelten Betrag hinblättern muss, um von A nach B zu gelangen. Dann nämlich, wenn sie zusätzlich zum Taxi noch einen oder zwei Kindersitze benötigt.

Ein Beispiel: Wer ein zwei- und ein sechsjähriges Kind hat, kommt um einen Hartschalensitz nicht herum. Mindestens für das Zweijährige ist ein solcher gesetzlich vorgeschrieben. Für das Sechsjährige ist auch eine einfache Sitzerhöhung erlaubt. Diese ist wesentlich kleiner und günstiger. Zudem gibt es auch aufblasbare Modelle. Sitzerhöhungen bieten Taxiunternehmen in der Regel ohne Aufpreis an. Anders sieht es bei Hartschalensitzen aus. Weil diese viel Platz beanspruchen, werden sie meistens in der Zentrale gelagert, wo sie der Fahrer im Bedarfsfall abholen kann.

30 Franken für einen Sitz

Für die dadurch entstehenden Umtriebe verrechnet etwa das Zürcher Taxiunternehmen 7x7 zusätzlich zum Fahrpreis einen Zuschlag von 30 Franken. Wer zwei Sitze benötigt, zahlt zwar etwas weniger als das Doppelte. Mit 50 Franken schlägt der Betrag dennoch gehörig aufs Portemonnaie. «Ein Kindersitz ist eine Zusatzdienstleistung, und diese ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden. So etwas gibt es in jedem Gewerbe», begründet Enrico Morosi, kaufmännischer Leiter bei Taxi 7x7, den Zuschlag.

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Hartschalensitze kosteten viel Geld. Zudem müssten sie regelmässig gereinigt werden, sagt Morosi auf Anfrage der sda. Der zweite Sitz sei günstiger, weil der Fahrer den Weg in die Zentrale ja nur einmal zurückzulegen brauche. Selbstverständlich habe es wegen des Aufpreises schon negative Kundenreaktionen gegeben, räumt Morosi ein. «Wer nicht einverstanden ist, muss ja nicht mit uns fahren», sagt er.

Andere Städte sind billiger

Etwas weniger - nämlich 20 Franken pro Sitz - stellt das Zürcher Konkurrenzunternehmen Taxi 444 in Rechnung. Mit diesem Betrag wird der zusätzliche Umweg über die Zentrale abgegolten. Ein zweiter Sitz wird dagegen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Dass es auch anders geht, zeigt die Praxis in anderen Städten. Heidi Taxi in Winterthur zum Beispiel verrechnet keine zusätzlichen Gebühren. Auch die Basler Unternehmen 33er Taxi und Taxi-Zentrale verlangen keinen Aufpreis für Kindersitze. Wiederum anders sieht es in Bern aus, wo Nova Taxi für einen Kindersitz zehn Franken in Rechnung stellt. Das Konkurrenzunternehmen Bären Taxi dagegen bietet lediglich Sitzerhöher an.

Kindersitz via App bestellen

Noch keine Standard-Lösung bietet der Taxi- und Limousinendienst Uber an, der seit gut einem Monat in Zürich präsent ist. Das Besondere an diesem Dienst: Uber-Taxis können nur via Smartphone-App bestellt werden. Eine Bestelloption für Kindersitze fehlt aber derzeit, wie Rasoul Jalali, Geschäftsführer Uber Zürich, auf Anfrage erklärt. Kunden müssen also zunächst ein Taxi bestellen, bevor sie den Fahrer kontaktieren und diesen nach einem Sitz fragen können.

Bisher gebe es erst einige wenige Uber-Fahrer, die Kindersitze mitführten. «Einen Aufpreis verlangen wir zur Zeit nicht.» Dies dürfte sich laut Jalali allerdings ändern. Künftig soll ein Kindersitz direkt via App bestellt werden können. Bei Uber New York ist dies heute bereits möglich - gegen einen Aufpreis von 10 Dollar.

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«Praxis ist problematisch»

Laut Marco Cortesi, Mediensprecher der Zürcher Stadtpolizei, ist die Praxis von Unternehmen wie 7x7 oder Taxi 444 nicht mit den gesetzlichen Bestimmungen vereinbar. «Die Taxiunternehmen dürften für die Bereitstellung eines Kindersitzes eigentlich nichts verlangen», sagt Cortesi gegenüber der sda.

Tatsächlich sind in der städtischen Taxiverordnung Kindersitze nicht speziell erwähnt. Laut Christoph Holenstein, Jurist im Zürcher Polizeidepartement, wird der Taxitarif derzeit überarbeitet. Dabei werde man sicher auch die Frage der Kindersitze anschauen. «Die heutige Praxis der Taxiunternehmen ist problematisch», sagt Holenstein.

Obschon die Kosten unter Umständen in ungeahnte Höhen schnellen - ein Sturm der Entrüstung ist bislang ausgeblieben. Bis heute seien keine Anrufe oder Reklamationen bei der Stadtpolizei eingegangen, sagt Stapo-Sprecher Adrian Feubli.

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(sda/gku)