Bei Tecan steigen die Manager seit je hoch hinauf. Die Chefs besprechen sich nicht in anonymen, dunklen Hinterzimmern. Es muss die Rigi, das Matterhorn oder gar der K2 sein. So heissen am Hauptsitz in Männedorf am Zürichseeufer die Sitzungsräume.

Doch ganz oben ist die Luft dünn – und so endet manches Gipfeltreffen für einzelne mit schmerzhaften Folgen. Wie jetzt bei Thomas Bachmann. Der langjährige Konzernchef muss gehen. Der Verwaltungsrat kam Anfang Oktober in einer Sitzung zum Schluss, dass Bachmann nicht der Richtige für die Zukunft des Laborausrüsters sei.

Für Präsident Rolf Classon braucht die Medtech-Firma jetzt einen Chef, der «spezifische Erfahrungen aus der Life-Science-Industrie mitbringt», wie der Schwede sagt. Bachmann dagegen ist Maschineningenieur. Er verdiente seine Sporen bei klassischen Industrieunternehmen wie Rieter und Arbonia Forster ab – nicht bei Pharmagiganten wie Roche oder Novartis.

Anzeige

Ausharren, bis der Neue kommt

Der Entscheid der Tecan-Verwaltungsräte kam für die meisten Beobachter dennoch unerwartet. Bachmann erarbeitete sich in den letzten rund sieben Jahren nicht nur einen guten Ruf als Turnaround-Manager. Er trimmte den Konzern wieder auf Erfolg und Innovation. Nach einem Machtkampf im alten Verwaltungsrat und massivem Druck von Aktionären und Aufsichtsstellen gelang es dem 52-Jährigen auch, wieder Ruhe in die Firma zu bringen. «Bachmann konnte die operative Effizienz enorm verbessern», sagt Vontobel-Analyst Daniel Jelovcan. «Nicht zuletzt dank seiner ruhigen, sachlichen Art genoss er weitherum grosses Vertrauen.»

Noch mehr als der Chefwechsel selbst überraschten allerdings die Umstände des Entscheids. So darf der Abservierte seinen Posten nicht einfach räumen. Bachmann muss so lange ausharren, bis Tecan-Präsident Classon für ihn einen Nachfolger findet. Dafür will sich dieser bis zu einem Jahr Zeit nehmen. Personalprofis bezeichnen eine derartige Vorgehensweise als äus­serst unüblich und heikel. Denn jede Übergangsphase sei eine Zeit der Un­sicherheit. Bachmann läuft damit auch Gefahr, zur «lahmen Ente» zu werden – weil man bereits auf den Neuen wartet, der dann doch alles wieder anders macht.

Auch ist nicht klar, ob Bachmann noch mit demselben Elan bei Tecan dabei ist wie zuvor. Laut Insidern wäre er nämlich gerne Tecan-Chef geblieben. Entsprechend enttäuscht könnte er seine Kräfte nun auf die Suche nach einem neuen Spitzenjob konzentrieren.

Visionär mit Umsetzungsproblemen

Wer den Tecan-Präsidenten aber näher kennt, wundert sich kaum. «Classon war nie besonders führungsstark», erzählt einer aus seinem Umfeld. Zwar attestiert er dem langjährigen Bayer-Manager gutes Fachwissen und nennt ihn einen «grossen Visionär». Im Umsetzen eines Plans ha­pere es bei Classon jedoch zuweilen. Der Kritisierte selbst sieht dies freilich anders. «Die vorausschauende Konzernchef-Nachfolgeplanung ist die wichtigste Verantwortlichkeit des Verwaltungsrats», sagt Classon. «Diesen Prozess wollten wir so transparent wie möglich gestalten.»

Anzeige

Dabei betont auch Classon, dass Bachmann gute Arbeit geleistet habe. Auslöser für den Stabswechsel seien weder Probleme noch Ereignisse in der Vergangenheit gewesen. Auch an der Strategie wolle man nichts ändern. In Zukunft müsse Tecan jedoch über das Kerngeschäft mit Laborgeräten und Lösungen hinaus in angrenzende Geschäftsbereiche wachsen. Dort stünden weniger die Instrumente selbst, sondern die Anwendungen im Vordergrund. Gefragt ist demnach weniger ein Manager, der es versteht, die Kosten zu senken und die Abläufe zu optimieren.

Classon will auch einen guten Verkäufer, der den Draht zu den Kunden in den Pharma­konzernen und in die Forschungsinstitute der Hochschulen findet. Der Präsident wünscht sich einen Tecan-Chef, der die Sprache der Chemiker, Biologen oder Ärzte schon seit Jahren spricht.

Anzeige

Gut vernetzt in den USA

Einfach dürfte es für Classon nicht werden, einen solchen zu finden. So ist der Männedorfer Laborausrüster nicht nur eine sehr spezielle Firma, die sich mit ihrer breiten Palette an Hightech-Geräten nicht leicht mit anderen Medtech-Firmen vergleichen lässt und von einem Chef riesiges Detailwissen verlangt. Kandidaturen aus den USA scheitern gemäss Insidern oft auch am zu tiefen Gehalt.

Darum ist Classon nun in Europa auf Abwerbetour gegangen. Aus gut unterrichteten Quellen ist zu erfahren, dass er zwei Roche-Manager für den Chef­posten anfragte. Besser vernetzt ist er aber in den USA. Denn dort wohnt er. In Zürich ist er fast nur für Sitzungen.

Die Roche-Manager erteilten Tecan aber offenbar eine Absage – und so gehen Suche und Ungewissheit weiter. Mit seiner überraschenden Ankündigung, einen neuen Konzernchef für Tecan zu suchen, habe sich der Präsident selbst unter Druck gesetzt, finden Insider. Jetzt müsse Classon erst recht einen Traumkandidaten präsentieren. Classon bleibt zuversichtlich: «Wir führen bereits intensive Gespräche mit geeigneten Kandidaten.» Man werde schon bald einen Nachfolger benennen können.

Anzeige

 

Medizinaltechnik: Hightech für Ärzte, Forscher und Polizei

Klarer Spezialist
Tecan erspart Ärzten, Forschern und Ermittlern auf der ganzen Welt viel Zeit und Mühe. Seine Hightech-Geräte automatisieren in den Labors unterschiedlichste Arbeitsschritte. Abläufe werden präziser, effizienter, sicherer. So können mit den Instrumenten auch kleinste Volumen verschiedenster Flüssigkeiten genau pipettiert werden.

Illustre Kunden
Zu seinen Kunden zählt Tecan nicht nur Pharmariesen wie Novartis oder Roche oder universitäre Forschungsinstitute. Selbst die südafrikanische Polizei arbeitet bei der kriminaltechnischen DNA-Typisierung in der Verbrechensbekämpfung mit einem System von Tecan. 2010 setzte die Firma 370,5 Millionen Franken um. Der Reingewinn lag bei 16,2 Millionen Franken.

Autorin: Judith Wittwer

Anzeige