Forscher, die zurückgezogen in ihren Laboren tüfteln, und Dozenten, die zwischen Thesenpapieren und Büchern brüten – diese Vorstellung entspricht längst nicht mehr der Realität. Zwar widmen sich Wissenschaftler heute noch Ideen, deren Sinn oder Nutzen nicht immer von vornherein auf der Hand liegen. Erhabene Distanz zur Wirtschaft können sich die Forschenden dabei längst nicht mehr leisten. Umgekehrt die Unternehmen genauso wenig: Reger Kontakt und Austausch mit der Wissenschaft sind heute ein Indiz für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

Grenzen der Zusammenarbeit

Kooperieren, gegenseitig profitieren, zusammenarbeiten – theoretisch möchten das alle. Bloss: Wie kommt es dazu? «Dass jemand in einem Industrieunternehmen am Computer ein Stichwort eingibt und 2 Sekunden darauf den passenden Forscher findet, ist ein Wunschtraum – und wird einer bleiben», bremst Silvio Bonaccio von ETHtransfer zu hohe Erwartungen.
Grundsätzlich stehen die Tore und Türen der Hochschulen Interessierten weit offen. So besteht eine schier unendliche Vielfalt an mehr oder weniger formellen Kontaktmöglichkeiten – angefangen bei regulären Aus- und Weiterbildungsanlässen an den Lehrinstituten über gemeinsam betreute Projekt- oder Doktorarbeiten bis zu Referaten, Gutachten und wissenschaftlichen Publikationen. Know-how fliesst auch, wo Infrastrukturen gemeinsam genutzt werden, wo Spin-offs ihre Geschäftstätigkeit auf neuen Technologien aufbauen, wo Patente ihren Eigentümer wechseln oder Lizenzen zum Gebrauch überlassen werden.
Während Grossfirmen meist unbeschwert auf Forschungsinstitutionen zugehen, tun sich KMU damit schwerer. Der oft fehlende eigene akademische Hintergrund wirkt sich für sie oft hemmend aus. Zudem mangelt es kleinen und mittleren Unternehmen meist an Mitteln und Kapazitäten, um Mitarbeitende für eine gewisse Zeit für ein Projekt freizustellen. Sofern sie gewisse Rahmenkriterien erfüllen, können sich Kooperationen zwischen Forschenden und Firmen für die staatliche Unterstützung durch die Förderagentur KTI qualifizieren – was sie selbst für kleine Betriebe erschwinglich macht.
Grundsätzlich sind die Fachhochschulen wegen ihrer Fokussierung auf die angewandte Forschung oft attraktiver für kleine und mittlere Betriebe. Diese möchten in der Regel ja keine Grundlagenforschung betreiben, sondern meist eine rasche Lösung für ein spezifisches Problem finden. Mehr als die Hälfte der Kooperationspartner von Fachhochschulen waren 2005 denn auch KMU, während die Partner der Universitäten zu 38% aus der öffentlichen Hand und zu je 32% aus Grossunternehmen und KMU bestanden.
Den Wissensaustausch zwischen Privatwirtschaft und Forschung erleichtern die Technologietransfer-Förderstellen der Hochschulen und Universitäten, die in den letzten 15 Jahren kontinuierlich auf- und ausgebaut wurden. Mit dem Zweck, die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse bewusst zu steuern und gezielt in ökonomisch verwertbare Projekte zu lenken. Dazu unterstützen sie die Forschenden bei der Einwerbung von Drittmitteln – etwa beim Aushandeln der Forschungsverträge – und tragen massgeblich zur Vermarktung der Forschungsergebnisse bei. Interessierten Unternehmen bieten sie sich als Ansprechpartner an, indem sie Kontakte zu Forschungseinrichtungen oder einzelnen Forschenden herstellen.

Eine wertvolle Datenbank

Ein guter Überblick über die Dienstleistungen, die diese Stellen interessierten Unternehmen bieten, findet sich auf der Homepage des Vereins swiTT (Swiss Technology Transfer Association), der 2003 von Tech-Transfer-Fachleuten verschiedener Schweizer Hochschulen gegründet wurde. Der Verein engagiert sich bei der Entwicklung von «best practices», der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung seiner Mitglieder.
Zudem soll die eigens entwickelte Datenbank des swiTT
ein Technologieschaufenster der Schweizer Forschung sein. Interessierte können auf der Homepage des Vereins einen «Technology Alert» abonnieren, der sie über die neusten Technologien ihres Interessengebietes auf dem Laufenden hält.
Der Erfolg einer Erfindung hängt oft vom Zufall, der Hartnäckigkeit oder ganz einfach vom Glück einzelner Forscher oder Unternehmer ab. Seit den 90er Jahren wurden in der Schweiz aber die Strukturen aufgebaut, die nötig sind, um dem Anspruch «Science to market» zu entsprechen – unabhängig von den Launen der Glücksgöttin Fortuna.

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Übersicht

Die wichtigsten Technologietransfer-Stellen in der Schweiz

Universität Neuenburg
www.unine.ch/recherche

ETH Zürich
www.transfer.ethz.ch

Fachhochschule Zentralschweiz
www.itz.ch

Universität Lausanne
www.pacct.ch

Universität Freiburg
www.unifr.ch/promrech

ETH Lausanne/EPFL
www.sri.epfl.ch

Berner Fachhochschule
www.hti.bfh.ch

EMPA
www.empa.ch

Università della Svizzera Italiana
www.ticinotransfer.ch

Universität Genf
www.unige.ch/unitec

Universität und Inselspital Bern
Universität und Unispital Zürich
www.unitectra.ch

Universität und Unispital Basel
www.unibas.ch/wtt

Hochschule für Technik, Windisch
Fachhochschule Nordwestschweiz
www.fhnw.ch

Paul Scherrer Institut
www.techtransfer.web.psi.ch