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Ultraschnell
Airbus patentiert Pläne für Superconcorde

Konzeptualisierung zum Airbus-Patent: Doppelt so schnell wie die Concorde.  Patent Yogi/Youtube

Airbus hat ein spektakuläres Projekt angemeldet. Hinter dem Patent US 9'079'661 verbirgt sich ein Überschallflugzeug, das die Concorde vergessen liesse. Es bräuchte nur eine Stunde über den Atlantik.

Von Gabriel Knupfer
am 13.08.2015

Das «Ultra-rapid air vehicle» von Airbus soll mit viereinhalbfacher Schallgeschwindigkeit fliegen und damit die Reisezeit für Transatlantikflüge auf etwa eine Stunde verkürzen. Bis Menschen allerdings tatsächlich mit gut 5500 Kilometern in der Stunde um den Globus reisen werden, ist noch einiges an Forschung zu erledigen.

Airbus selbst hatte, damals noch unter dem Namen EADS, bereits 2011 eine Studie für ein vierfach überschallschnelles Passagierflugzeug vorgestellt. Wenn überhaupt werde der Flieger frühestens in 30 bis 40 Jahren abheben, sagte der Konzern damals. An dieser Zeitvorgabe hat sich mit dem jüngsten Patent nichts geändert. Doch die Anmeldung zeigt, dass Airbus weiterhin von einem möglichen Concorde-Nachfolger träumt.

Concorde und Tupolev Tu-144 bei Weitem übertreffen

Das vorgeschlagene Flugzeug würde die Leistung der bisherigen Überschallverkehrsflugzeuge Concorde und Tupolev Tu-144 bei Weitem übertreffen, schreibt Airbus im Patentantrag. Insbesondere das wichtige Problem des Überschallknalls sei bei der Erfindung gelöst worden. Der Lärm war, so Airbus, einer der Hauptgründe für den begrenzten Erfolg der Concorde gewesen.

Erreicht wird die geringere Geräuschemission durch einen beinahe senkrechten Steigflug, so dass sich die Wellen des Überschallknalls parallel zur Erdoberfläche ausbreiten. Mit einer Reiseflughöhe von 30 bis 35 Kilometern würde der neue Flieger zudem mehr als 20 Kilometer höher als konventionelle Passagierflugzeuge fliegen.

Drei verschiedene Antriebssysteme

Spektakulär ist auch der Antrieb. Der Start soll mit zwei konventionellen Düsentriebwerken erfolgen, die unter dem Rumpf des Fliegers angebracht sind. Der Steigflug wird danach mit Raketentriebwerken bestritten. Erst auf Reisehöhe übernehmen zwei mit Flüssigwasserstoff betriebene Staustrahltriebwerke den Antrieb. Für den Sinkflug schliesslich würde das Flugzeug antriebslos bis auf eine Höhe von zehn Kilometern gleiten, für die eigentliche Landung wären dann wieder die Düsentriebwerke vorgesehen.

Diese komplizierte Abstufung soll vor allem dazu dienen, einen möglichst emissionsarmen Antrieb zu gewährleisten. Wasserstoff und Sauerstoff, das in den Raketentriebwerken zum Einsatz kommt, verbrennen zu reinem Wasser und können aus Wasser gewonnen werden. Für die Düsentriebwerke soll Biokerosin zum Einsatz kommen, das aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen würde.

Skizze aus dem Patentantrag: Querschnitt und Flugbahn. Quelle: US Patent Office.

Nutzlast von zwei bis drei Tonnen

Aussagen über die Wirtschaftlichkeit des Projekts sind beim heutigen Stand schwierig. Mit der Technologie könne eine Nutzlast von zwei bis drei Tonnen transportiert werden, so Airbus im Patentantrag. Das entspricht rund 20 Passagieren, die in den hängemattenartig angebrachten Sitzen platznehmen dürften. Das Flugzeug richte sich an «Geschäftsreisende und VIP-Passagiere». Neben einem solchen Einsatz als Privatjet seien aber auch militärische Anwendungen dankbar, sagt Airbus.

Bereits die Concorde war zu einer Art «transatlantischem Taxiservice» verkommen, schrieb die BBC in einem Kommentar. Ob das «Ultra-rapid air vehicle» von Airbus aber überhaupt jemals gebaut wird, weiss nicht einmal die Firma selbst.

«Konzepte in einem sehr frühen Entwicklungsstadium»

Die patentierten Pläne seien «Konzepte in einem sehr frühen Entwicklungsstadium», so Airbus. Tatsächlich werden sehr viele Patente niemals eins zu eins umgesetzt. Wahrscheinlich ist aber, dass gewisse Technologien aus dem Antrag irgendwann in anderen Airbus-Projekten Unterschlupf finden. Ausgegraben wurde das spektakuläre Patent übrigens vom Inder Deepak Gupta und seiner Webseite «Patent Yogi», die auch ein Video zum Projekt produziert haben:

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