Das britische Atomkraftwerk Hinkley Point wird voraussichtlich 1,5 Milliarden Pfund (1,9 Milliarden Franken) teurer als geplant. Die Bauzeit könne sich zudem um mehr als ein Jahr verlängern, warnte am Montag der französische Stromkonzern EDF, der das Kraftwerk mit Beteiligung des chinesischen Staatsunternehmens CGN bauen will.

Es ist der erste Reaktor-Neubau in Grossbritannien seit rund zwei Jahrzehnten. Die britische Regierung gab erst nach einigem Zögern und der Festlegung neuer Auflagen grünes Licht.

Neubewertung des Reaktordesigns

Die Endkosten würden schätzungsweise von bisher rund 18 Milliarden Pfund auf 19,6 Milliarden Pfund steigen, teilte EDF am Montag mit. Die Kostensteigerung ergebe sich unter anderem aus einer Neubewertung des Reaktordesigns sowie des Umfangs der Bauarbeiten. Weiter hiess es, dass sich die Lieferung des ersten Reaktors um 15 Monate, die des zweiten um neun Monate verzögern könnte. In diesem Fall könnten die Kosten um nochmals um 700 Millionen Pfund steigen.

EDF hatte vor einigen Tagen eine «komplette Überprüfung» des Kosten- und Zeitplans angekündigt. In Hinkley Point sollen Druckwasserreaktoren vom Typ EPR gebaut werden - in Frankreich und in Finnland sind die Baukosten für diesen neuen Reaktortyp auch aufgrund immer neuer Verzögerungen explodiert.

Die Bauarbeiten in Hinkley Point hatten im März begonnen, die Konstruktion des ersten Reaktors ist ab Mitte 2019 vorgesehen. Ans Netz gehen soll das britische Atomkraftwerk nach bisherigen Plänen 2025 und künftig sieben Prozent des britischen Strombedarfs abdecken. EDF erhielt von der britischen Regierung eine Strompreisgarantie für 35 Jahre nach Inbetriebnahme.

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Ungewisser strategischer und wirtschaftlicher Ausgang

Der britische Rechnungshof hatte dies vor einigen Tagen scharf kritisiert. Die britische Regierung habe die Stromverbraucher damit «in ein riskantes und teures Projekt eingesperrt» mit ungewissem strategischen und wirtschaftlichen Ausgang. Umweltgruppen protestieren seit Jahren gegen das Projekt und fordern, stattdessen auf erneuerbare Energien zu setzen.

Der vom französischen Staat kontrollierte Konzern EDF finanziert rund zwei Drittel des Projekts, CGN aus China den Rest. Im März 2016 war der damalige Finanzchef von EDF wegen Zweifeln an der Machbarkeit des Projekts zurückgetreten. Im Juli stimmte der Verwaltungsrat des Unternehmens dennoch zu.

Im September gab die britische Regierung grünes Licht. Kurz darauf wies das Gericht der Europäischen Union eine Klage von deutschen und österreichischen Stromversorgern gegen die Subventionen für Hinkley Point ab.

(sda/gku)