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Ernährung
Angriff der finnischen Grillenfarmer

Geschmackssache, aber auch neues Geschäftsmodell. Proteinreiche Insekten erobern den Schweizer Nahrungsmittelmarkt. Geliefert werden sie von Unternehmen wie dem finnischen Startup EntoCube.

Von Marco Brunner
am 23.12.2016

Es krabbelt, kriecht und springt im Schweizer Lebensmittelhandel. Ab Mitte 2017 sind Insekten auch in der Schweiz als Lebensmittel zugelassen. Der Grossverteiler Coop macht darum Jagd auf Heuschrecken & Co. Er möchte die Tierchen seinen Konsumenten als Delikatesse anbieten.

Der Detailhändler ist dazu eine Partnerschaft mit dem Startup Essento eingegangen. Zusammen wollen sie den Schweizer Markt erobern. «Wir sind überzeugt, dass Insekten Teil einer zukunftsgerichteten Lebensmittelherstellung sein werden», sagt Ramón Gander, Mediensprecher von Coop. Essento entwickelt die Insekten-Spezialitäten und Coop übernimmt den Vertrieb.

Essensabfälle als Futtermittel

Welches Unternehmen die Insekten liefert, ist noch nicht entschieden. Firmen wie das finnische Startup EntoCube stehen aber bereit. EntoCube ist spezialisiert auf das Züchten von Grillen. Die Insekten liessen sich gut mit Essensabfällen ernähren, darum sei die Produktion dieser Art proteinhaltiger Ernährung relativ nachhaltig und energiefreundlich, sind die Jungunternehmer überzeugt.

Die Insektenfarm von EntoCube braucht wenig Platz. Sie befindet sich in kleinen, mobilen Boxen. Ein Grillen-Weibchen legt bis zu 200 Eier. Und da die Insekten mit Abfallprodukten gefüttert werden, ist der Produktionsaufwand gering.

Die ausgewachsenen Grillen werden zu Pulver verarbeitet. Dieses können dann Rezepte-Entwickler als Zutat benutzen, um ihre Delikatessen zu vervollständigen. Grossverteiler sollen die Produkte schliesslich auf den Markt bringen. Das Grillenpulver ist mit rund 70 Prozent Proteinanteil gesund und kann zu Burgern und anderen Fleischersatzprodukten verarbeitet werden. Für die Produktion eines Kilogramms Pulver benötigen die Farmer aber immerhin rund vier Kilogramm Grillen. Doch auch getrocknet, in ihrer ursprünglichen Form, seien die Tierchen ein Gaumenschmaus, meint Pertu Karjalainen, CEO und Mitgründer von EntoCube.

Insektenfarm in der Schweiz geplant

Die Finnen rund um Karjalainen haben am diesjährigen Förderprogramm des Kickstart Accelerator teilgenommen. Während drei Monaten konnten sie in Zürich ihren Businessplan ausarbeiten und Geschäftspartner suchen. Als möglicher Zulieferer von Essento möchten sie nun auf dem Schweizer Markt Fuss fassen. Für 2017 ist geplant, zusammen mit Essento, eine erste Schweizer Insektenfarm zu installieren. EntoCube bietet bereits jetzt auf dem finnischen Heimmarkt seine Produkte an. «Momentan produzieren wir Grillen. Wir haben aber auch Erfahrung mit Mehlwürmern und Heuschrecken», sagt Karjalainen.

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