Immer mehr Sportler und Technologiefans folgen dem Slogan des kalifornischen Actionkamera-Herstellers: «Wear it. Mount it. Love it.» Was als Nischenprodukt für Surfer von Surfern startete, hat sich inzwischen zu einem wahren Boom ausgewachsen. Die Hero-Kameras erfreuen sich unter (Extrem-)Sportlern wachsender Beliebtheit. Die kleinen, stabilen Spielzeuge lassen sich beispielsweise an Helmen befestigen und nehmen Videos oder Fotos in voller Fahrt auf.

Dass aber nicht nur Surfer, Freerider und Taucher die Hero-Kameras lieben, sondern auch Investoren auf ein solches Produkt gewartet haben, hat der gestrige Börsengang gezeigt. Die Aktie legte am ersten Handelstag im Vergleich zum Ausgabepreis um über 30 Prozent auf 31,34 Dollar zu. Ein weiterer Erfolg stand schon vor dem Handelsstart am gestrigen Donnerstag fest, als bekannt wurde, dass GoPro die Aktie zum anvisierten Höchstpreis von 24 Dollar würde starten können.

Die Anfänge auf der Nähmaschine der Mutter

Beim Start der Firma vor zehn Jahren waren die Erwartungen noch deutlich bescheidener. Gründer Nick Woodman wollte spektakuläre Aufnahmen vom Surfen machen. Weil die bestehenden Amateurkameras seinen Ansprüchen nicht genügten, entwickelte er ein eigenes System. Es sollte Amateuren die Möglichkeit geben, professionelle Aufnahmen zu machen – daher der Name «GoPro» («professionell werden»).

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Woodman und seine Frau finanzierten die Firma der Legende nach zunächst mit dem Verkauf von Muschel-Halsbändern und Gürteln aus Bali. Das Potenzial seiner Idee habe er aber sofort erkannt, erzählte Nick Woodman in einem seiner seltenen Interviews: «Als ich damals auf der Nähmaschine meiner Mutter die Befestigungsbänder für den Prototypen nähte, wusste ich, dass meine Kameras eine der wichtigsten Innovationen der Surfgeschichte werden würden.»

Nick Woodman bleibt der starke Mann bei GoPro

Die Leute waren tatsächlich begeistert: Schon auf seiner ersten Messe 2004 nahm Woodman 2000 Dollar ein. Zu den Kameras für Surfer kamen bald Kameras für den Automobilsport, der neuen Leidenschaft Woodmans. Schliesslich entwickelte sich die Idee, Kameras für jeden sportlichen Gebrauch vom Skistock bis zum Töffhelm anzubieten.

Mit 49 Prozent der Stimmrechte ist Nick Woodman bis heute der starke Mann bei GoPro geblieben. Laut «Forbes» soll der 38-Jährige inzwischen über ein Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar verfügen (Stand: 2013). Vom Ein-Mann-Start-Up hat sich GoPro in zehn Jahren zum Grosskonzern entwickelt. Erst kürzlich wechselte der ehemalige Skype-Chef Tony Bates von Microsoft in den Verwaltungsrat des Kameraherstellers.

Zu den weiteren Anteilseignern gehört neben Finanzinvestoren wie Steamboat Ventures, dem Beteiligungskapital-Fonds von Walt Disney, inzwischen auch der bekannte chinesische Auftragsfertiger Foxconn.

Umsatz binnen Jahresfrist verdoppelt

Der Social-Media-Boom beschert GoPro nun den grossen Zahltag. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich der Umsatz des Unternehmens nahezu auf rund eine Milliarde Dollar und der Gewinn auf 61 Millionen Dollar. GoPro verkaufte 3,8 Millionen HD-Kameras.

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Der Börsengang spülte nun 427 Millionen Dollar in die Kassen. Viel mehr als die Firma ursprünglich erwartet hatte. Noch Anfang Juni war GoPro von rund 100 Millionen Dollar ausgegangen. Bei insgesamt 125,74 Millionen Aktien, die GoPro in seinem Börsenprospekt aufführt, ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 4 Milliarden Franken.

(mit Material von awp)