Alles andere als ein Schnäppchen: Rund 1600 Dollar – so viel kostet ein Eintrittsticket zur «Worldwide Developers Conference», kurz WWDC, von Apple. Nächstmals trommelt der Technologieriese aus Cupertino scheine Schäfchen – Entwickler und Programmierer – vom 10. bis 14. Juni im Moscone Center von San Francisco zusammen. 

Trotzdem sind die Karten begehrt: Apple, ansonsten alles andere als berühmt für eine offensive Kommunikationspolitik, gibt an diesen Veranstaltungen jeweils Einblicke in neue Software-Versionen oder zeigt neue Geräte. Innert zwei Minuten waren vergangene Woche alle Tickets ausverkauft. Doch neue Geräte wird voraussichtlich niemand zu Gesicht bekommen.

Funkstille seit Oktober 2012

Die aktuelle Durststrecke nimmt bereits historische Ausmasse an: Wenn die WWDC ihre Pforten öffnet, werden 230 Tage vergangen sein, an denen Apple kein neues Produkt vorgestellt hat – das ist rückblickend auf die vergangenen Jahre Firmenrekord. Letztmals hielt Firmenchef Tim Cook am 23. Oktober 2012 auf der Bühne ein neues Gerät in Händen. 

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Cook gab denn auch bei der Präsentation der Quartalszahlen vor Wochenfrist die aktuelle Stossrichtung bekannt: Erst gegen Ende des Jahres seien neue Geräte zu erwarten, vorerst werde der Fokus auf die Software gerichtet. Entsprechend werden Update zu den Betriebssystemen – also iOS 7 und Mac OS X 10.9 – erwartet. Der Zeitpunkt der WWDC lässt dennoch Spielraum für Spekulationen: Auch wenn neue Gadgets erst im Herbst auf den Markt kommen sollten, wäre der Termin im Juni ein mögliches Zeitfenster für deren Ankündigung.

Aktie auf Sinkflug

Was das genau sein könnte? Die Gerüchteküche bietet wenig neue Zutaten: Ein billigeres Budget-iPhone hat Cook verneint. Ein iPhone 5S mit punktellen Anpassungen wäre denkbar, aber würde die Fangemeinde kaum in Jubelgesänge ausbrechen lassen – ebenso weiterentwickelte Versionen wie das iPad 5 oder iPad Mini 2. Bleiben noch diejenigen Themen, die sich hartnäckig halten: Smartwatch und ein TV-Gerät von Apple, auf dem das iOS-Betriebssystem bereits vorinstalliert wäre.

Der Innovationsstau bei Apple seit Oktober 2012 hat finanzielle Konsequenzen: Seither befindet sich die Aktie im Sinkflug. An der WWDC hat Cook nächstmals die Gelegenheit, diesen Trend zu stoppen.

Von einer Krise zu sprechen, wäre übertrieben: Mit den iOS-Geräten (iPhone, iPad, iPod Touch) hat Apple im vergangenen Quartal noch immer 32,6 Milliarden Dollar Umsatz generiert – drei Viertel des Konzernumsatzes. Zum Vergleich: Dieser Betrag ist in absoluten Zahlen gleich gross wie die Umsätze von Google und Microsoft zusammengezählt.

Uneinigkeit bei den Investoren

Die Korrektur des Börsenwertes ist denn auch eine Folge dessen, wie Apple von den Investoren betrachtet und folglich bewertet wird: Als Hardware- oder Software-Firma? Noch pendelt der Titel irgendwo im Graubereich.

Noch kann Apple die Erfolgswelle reiten: Der Sturm auf die WWDC hielt sich noch vor wenigen Jahren derart in Grenzen, dass sie erst 2009 erstmals ausverkauft war. Doch die Geduld ist allmählich erschöpft.

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(vst/aho)