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Auf dem Weg zum iTablet?

 

In den letzten Tagen sind Spekulationen um ein Netbook von Apple ins Kraut geschossen. Einige Analysten sind der Sache nachgegangen – Apple dürfte zwar mit einem neuen mobilen Gerät in der zweiten Jah

Von Matthias Niklowitz
am 19.03.2009

Die Spekulationen um ein neues mobiles Gerät bei Apple schlagen in den letzten Tagen ins Kraut. Berichte aus Asien lassen vermuten, dass damit die Lücke zwischen iPhones (für 400 und weniger Dollar) und Notebooks (ab 1000 Dollar) geschlossen werden könnte. Chris Whitmore, Analyst bei der Deutschen Bank, hat sich bei den möglichen Lieferanten wie Wintek und Quanta umgehört, er erwartet ein Gerät, «aber der genaue Zeitpunkt ist unklar». «Der Zeitpunkt wäre richtig», meint Mark Moskowitz, Analyst bei JP Morgan, «gerade weil das Momentum bei den immer günstiger werdenden Netbooks immer stärker wird.»


 

Preise um 600 Dollar wahrscheinlich



Apple hat laut Moskowitz das Potenzial, ein Gerät zu entwickeln, das diese Lücke im Preisgefüge schliesst, aber dennoch die bestehenden Angebote nicht kannibalisiert. Auch die möglichen Preise hat Moskowitz  berechnet. Basis hierfür ist das 8GB iPod Touch. Hier kosten die iPod-Komponenten 47 US-Dollar, der Flash-Speicher 12 und der Touchscreen 35 Dollar. Wenn man für die Herstellung 5 Dollar veranschlagt, kostet das Gerät ab Fabrik 99 Dollar. Auf der Basis eines Verkaufspreises von 229 Dollar liegt die Marge bei 57 %. Bei einem 32 GB-Gerät kostet der grössere Speicher 44 Dollar, bei einem 64 GB-Gerät 90. Die Touchscreens sowie die weiteren Kleinteile (Radioteile für 3G, WiFi, Bluetooth, die Kamera und GPS) kosten etwa 50 Dollar. Aus diesen Eckdaten lassen sich Hardwarepreise von 252 (32 GB) und 298 Dollar (64 GB) berechnen. Eine 50-%-Marge führt hier zu Preispunkten von 500 und 600 Dollar.



Gefahr der Kannibalisierung



Auch dann hätte Apple das Problem der Kannibalisierung der günstigen Notebooklinien nicht gelöst. Auf den Unterschied zwischen Netbooks und Touchscreen-Tablets weist Credit- Suisse-Analyst Bill Shope hin. «Ein Netbook steht für ein billiges Gerät, das wie ein kleines Notebook aussieht und wie ein Computer alleine betrieben werden kann», sagt Shope, «wohingegen ein Touchscreen-Tablet sich auf den Gebrauch von Internet und Online-Medien beschränken würde.» Ein solches Gerät hat auch keine Tastatur und damit ist die Grenzlinie gezogen. Einfach ein kleines Netbook von Apple würde das Problem der Kannibalisierung nicht lösen. Ein Gerät ohne Tastatur schon. 



Heikle Grenzziehung



Es bleibt die Frage, wie man das Gerät abgrenzen soll. Laut Shope ist es unzweckmässig, Netbooks von Notebooks alleine über den Preis abzugrenzen, weil es inzwischen auch spottbillige Notebooks gibt. Ein Abgrenzung über den Prozessor – Netbooks verwenden den Intel-«Atom»-Prozessor – ist auch zu statisch und wäre möglicherweise mit dem nächsten Chip-Designwechsel bei Intel obsolet. Netbooks können prinzipiell alles wie Notebooks und «richtige» PCs, die E-Readers, Smartphones und MP3-Players hingegen sind für bestimmte Zwecke optimiert, auch wenn sie die gleichen Leistungsfeatures haben wie Netbooks. Laut Shope wird das Apple-Touchscreen-Tablet-Gerät folgende Features aufweisen:


 

  • Keine Tastatur, nur Touchscreen. Das ist der wichtigste Unterschied zu Notebooks. Dieses Vorgehen macht auch deshalb Sinn, weil Apple seit der Lancierung des iPhone viel für die Verbreitung der Touchscreen-Technologie unternommen hat.
  • Anbindung an die AppStores: Dieser Zugang liegt auch für ein Touchscreen-Tablet auf der Hand. Für viele Entwickler wäre eine solche Erweiterung auch ein attraktiver Anreiz, ihre iPhone-Software auf die iTablets umzuschreiben.
  • Nur wenige Anschlüsse und Stecker. Aufgrund der Tradition, einfache und formschöne Geräte herzustellen, dürften nur einige wenige Knöpfe und Stecker eingebaut werden – vielleicht auch nur ein USB-Anschluss und zwei, drei Knöpfe.
  • 3G-Zugriff eingebaut. Wenn hier nur WiFi-Fähigkeiten eingebaut würden, würde sich Apple laut Shope das Potenzial eines portablen-Apple-TV-Geräts verschenken. Damit sind Partnerschaften mit Netzbetreibern höchst wahrscheinlich – und damit droht ein ähnlicher Preiszerfall wie bei Netbooks.
  • Die Preise sollen laut Shope zwischen 600 und 700 Dollar liegen – auf Retail-Ebene, wohlgemerkt, die Fabrikpreise liegen deutlich niedriger. Dadurch würde Apple ein breites Spektrum der Consumer-Preise abdecken und die letzte Lücke füllen.


Unabhängig davon, wann das Gerät kommt – der Erfolg im ersten Jahr dürfte laut Shope deutlich kleiner ausfallen als bei der Lancierung des iPhone. Damit wäre auch der Beitrag zum Gesamtergebnis des Apple-Konzerns zumindest in der Startphase limitiert. Langfristig ist das Potenzial da, glaubt Shope: «Das Gerät könnte Wintel-Usern einen Vorgeschmack auf das Apple-Betriebssystem geben und damit die Aufnahme der traditionellen Apple-Hardware noch beschleunigen.»



 

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