Gegessen wird beim Chicorée nur die weiss-gelbliche Knospe. Die Wurzelrübe dagegen landet meist im Kompost oder wird in seltenen Fällen genutzt, um Biogas herzustellen. Dabei gäbe es eine weit bessere Verwendung, wie das Fachportal «Laborwelt» berichtet. Forscher der Universität Hohenheim haben die Chicorée-Wurzel als natürliche Ressource zur Herstellung einer der wichtigsten Basisstoffe der chemischen Industrie entdeckt.

Die Chemikerin Andrea Kruse und die Pflanzenforscherin Judith Pfennig haben aus der Wurzel den für die Kunststoffindustrie wichtigen Ausgangsstoff Hydroxymethylfurfural (HMF) synthetisiert. Unter Beigabe von Wasser und Säure und nach der Erhitzung auf bis zu 200 Grad liess sich die Chemikalie aus den gehäckselten Wurzeln gewinnen. Den genauen Vorgang haben die Forscherinnen indes noch nicht publiziert.

Höherwertig als das Äquivalent aus Erdöl

Die Grundchemikalie HMF wird beispielsweise bei der Herstellung von Nylonstrümpfen und Plastikflaschen eingesetzt. Normalerweise wird HMF aus Rohöl hergestellt. Doch nachwachsende Rohstoffe gewinnen auch in der chemischen Industrie als Ersatz für das Erdöl zunehmend an Bedeutung. «Die Chicorée-Wurzelrübe eignet sich nicht nur deshalb so gut zur Gewinnung von HMF, weil sie ein Abfallprodukt ist. Sie produziert auch eine höherwertige Chemikalie als das Äquivalent aus Erdöl», sagte Andrea Kruse dem Fachportal.

Die Plattform-Chemikalie HMF gilt als eine der zwölf wichtigsten Basischemikalien der Kunststoffindustrie. Die Umwandlung von Pflanzenstoffen in HMF ist deshalb von grossem Interesse für die Wissenschaft. Kruse und anderen Forschern ist es auch schon gelungen HMF aus Fruchtzucker herzustellen. Doch es ist klar: «Der Vorteil der Wurzelrübe als Rohstoff liegt auf der Hand: Sie ist ein Abfallprodukt und geht so der Lebensmittelindustrie nicht verloren», so «Laborwelt».

Anzeige