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Cyberattacken: Bern unterschätzt Angriffe im Netz

Informatikzentrum eines Schweizer Unternehmens: Die Bedrohung nimmt zu, die Politik wartet ab.

Im digitalen Kampf ist die Schweiz verletzlich. Im Fokus der Bedrohung stehen dabei sensible Institutionen wie Atomkraftwerke oder Finanzsysteme. Trotzdem ist sie bedingt abwehrbereit.

Von Jorgos Brouzos und Judith Wittwer
am 23.02.2012

Seit Wochen streiten die Schweizer Parlamentarier über neue Kampfjets. Bundesrat Ueli Maurers Plan, für 3,1 Milliarden Franken den Gripen anzuschaffen, ist unter Dauerbeschuss geraten. Viele Politiker zweifeln, ob der schwedische Flieger wirklich die beste Lösung ist.

Dabei geht vergessen, dass die Schweiz in Sachen Verteidigung noch ganz andere Probleme zu lösen hat. Denn Gefahr droht dem Land weniger durch kriegerische Auseinandersetzungen. Eine akute und wachsende Bedrohung sind Cyberangriffe. Im Fokus stehen sensible Institutionen wie Atomkraftwerke, Verkehrszentren, Finanzsysteme und Forschungslabors.

Schweiz Drehscheibe der Cybermafia

Die Schweiz gilt bei Experten gar als Drehscheibe der Cybermafia. «Statt Mil­liarden in neue Kampfflugzeuge zu investieren, würden wir uns besser um eine effektivere Bekämpfung der Cyberkriminalität kümmern», sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé. Für die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission ist klar: «Im Vergleich zum Ausland sind wir hier sehr spät dran.»

Auch FDP-Nationalrat Peter Malama sieht Handlungsbedarf: «Die Schweiz unterschätzt die Bedrohung durch Cyber­angriffe», meint der Basler. «Wir sind eine Energiedrehscheibe, ein Verkehrsknotenpunkt, ein bedeutender Finanz- und Forschungsstandort. Das macht uns besonders verletzlich.» Umso mehr brauche es endlich eine «nationale Cyberstrategie, die diesen Namen auch verdient».

Im Verteidigungsdepartement wird seit 2010 an der Strategie Cyber Defense gearbeitet. In wenigen Wochen soll sie dem Bundesrat vorgelegt werden. Doch Experten sind skeptisch, ob damit die Probleme wirklich angegangen werden. Denn die bestehenden Stellen des Bundes zur Cyberabwehr sind seit Jahren unterdotiert.

Rückendeckung erhält Bundesrat Maurer einzig von Parteikollegen. So sagt SVP-Nationalrat Thomas Hurter: «Wir sind sicher noch nicht dort, wo wir sein wollen. Das Problem ist aber erkannt. Wir sind auf gutem Weg – lieber spät als gar nie.»

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