Wenn es schon eine eigene Fernsehserie darüber gibt, kann Hacking wirklich kein Randphänomen mehr sein. In der neuen, erfolgreichen US-Produktion «Mr. Robot» spielt eine Art digitaler Superheld die Hauptrolle. Im Kapuzenpulli wühlt er sich nachts durch die Online-Profile von Freunden und Feinden, um die Guten zu schützen, die Existenz der Bösen zu zerstören. Tagsüber arbeitet er als IT-Mitarbeiter bei einer Firma, die ihre Kunden vor Leuten wie ihm schützen soll, und wehrt Hacker-Angriffe ab.

Das Geschäftsmodell von Mr. Robots Arbeitgeber ist ein reales. Böswillige Hacker können Unternehmen grossen finanziellen Schaden zufügen – gefasst werden die anonymen Angreifer selten. Das wohl prominenteste Beispiel stammt vom vergangenen November: Bei Sony erbeuteten Hacker, die sich selbst «Guardians of Peace» (Hüter des Friedens) nennen, nach eigenen Angaben über 100 Terabyte an Daten und brachten pikante Details an die Öffentlichkeit – von internen E-Mails über Gehaltslisten bis hin zu Informationen zu noch unveröffentlichten Filmen. Über ein Jahr soll der Angriff unbemerkt geblieben sein.

Versicherer setzen auf Cyber-Kriminalität

Für Versicherer ist das Feld eines der wichtigsten. Denn: Cyber-Kriminalität bietet auch ein enormes Marktpotenzial. Das hat man auch in der Schweiz erkannt. «Wir arbeiten an einer Deckungsanpassung der Rechtsschutzversicherung im Bereich Cyber-Kriminalität in all unseren Produkten», so eine Mobiliar-Sprecherin. «Für IT-Experten gibt es nur zwei Typen von Unternehmen. Die, die schon Opfer von Hacker-Angriffen geworden sind, und die, denen das noch bevorsteht», so Carin Gantenbein, die bei der Zurich Insurance Group für den Bereich zuständig ist.

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Die Schäden, die solche Angriffe weltweit verursachen, nähern sich denn auch nach und nach denen von Naturkatastrophen an. Die Kosten betrugen bei Hacker-Angriffen 2014 113 Milliarden Dollar, gegenüber 140 Milliarden durch Naturkatastrophen. Aus diesem Grund bieten inzwischen auch fast alle grossen Versicherer Schutz vor den digitalen Attacken an.

Wettkampf um die besten Hacker

Dennoch ist es für die Versicherer sehr schwer abzuschätzen, wie sich die Kosten entwickeln. Kriegt man die Attacken mittel- bis langfristig in den Griff, weil zum Beispiel die Besten der Besten unter den Hackern auf die «gute Seite» wechseln, oder läuft es genau andersherum? Von der Antwort auf diese Frage hängt vieles ab.

Das führe dazu, dass Prämien auf diese Versicherungen sehr hoch angesetzt würden, um den Unsicherheitsfaktor aufzufangen, erklärt Martin Eling, Leiter und Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen. Auch die Deckungsgrenzen, die man bei den Policen setze, seien sehr strikt, weil die Schadenshöhe je nach Angriff enorm variieren könne.

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