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Technologie
Das neue iPad von Apple wird zu kämpfen haben

Knapp fünf Wochen nach dem iPhone 6 kommt bereits das nächste Apple-Produkt: Um 19 Uhr startet die Keynote, auf der das neue iPad erwartet wird. Doch das Gerät kommt zur Unzeit.

Von Thomas Heuzeroth («Die Welt»)
am 16.10.2014

Apples Produktpräsentationen kommen nun Schlag auf Schlag. Knapp fünf Wochen nach Vorstellung der neuen iPhone-6-Modelle legt der Konzern heute Abend um 19 Uhr MESZ nach. Apple-Chef Tim Cook wird die neuen iPads und wahrscheinlich auch neue iMacs zeigen.

«It's been way too long», hiess es auf der Einladung an die Journalisten. Es hat viel zu lang gedauert.

Apple tickt wie ein Schweizer Uhrwerk

Das mag gefühlt so sein. Tatsächlich aber tickt Apple wie ein Schweizer Uhrwerk. Das aktuelle iPad Air präsentierte der Hersteller vor genau einem Jahr. Und auch mit den neuen Modellen ist Apple im Zeitplan.

Apples Innovationszyklen fallen – wenig zufällig – in den Herbst. Auf diese Weise geht das Unternehmen sicher, die Geräte rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Läden zu haben. Und tatsächlich ziehen Apples Verkäufe in den letzten drei Monaten des Jahres kräftig an.

Stagnation in Nordamerika und Westeuropa

Der Schwung, den Apple in dieser Zeit holt, muss für die restlichen Monate bis zum nächsten Weihnachtsgeschäft anhalten. Das aber fällt mit den iPads immer schwerer. Denn längst wächst der Tablet-Markt nicht mehr in der Geschwindigkeit von einst.

Die Marktforscher von IDC prognostizieren eine schwere Zeit für den globalen Markt. Nach vier Jahren mit zwei- bis dreistelligen Zuwachsraten soll in diesem Jahr nur ein Plus von 6,5 Prozent drin sein. Schlimmer noch: In Nordamerika und Westeuropa wächst der Markt überhaupt nicht mehr.

Somit wird fraglich, ob Apple in diesem Jahr überhaupt noch genug Schwung holen kann. Apples Anteil am Markt ist zuletzt von 33 Prozent auf gerade noch knapp 27 Prozent zurückgegangen.

Neue iPads schneller und dünner

Apple wird alles daran setzen, seine neuen iPads als «revolutionär« zu bezeichnen. Doch ob Tim Cook wirkliche Innovationen präsentieren kann, ist fraglich.

Die neuen Modelle dürften wegen eines neuen Prozessors leistungsfähiger und möglicherweise auch dünner sein. Und sie werden einen Fingerabdruckscanner bekommen, wie es heute schon die iPhones haben.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird Apple den neuen Geräten auch einen NFC-Chip einbauen (Near Field Communication). Damit sind Nutzer in der Lage, mobil zu bezahlen.

Der Konzern hatte Apple Pay bereits bei der Präsentation des iPhone 6 vorgestellt. Zum Start soll es diese Möglichkeit erst einmal in den USA geben. Wann auch deutsche iPhone-6-Nutzer mit ihrem Smartphone zahlen können, ist noch unklar.

Nutzer kaufen iPad seltener

Reicht das für den nötigen Schwung, den Apple für sein iPad braucht? Oder geben sich iPad-Nutzer mit ihrem alten Gerät zufrieden? Während iPhone-Nutzer bereit sind, alle ein bis zwei Jahre das neueste Modell zu kaufen, ist die Situation bei Tablets anders.

«Wir dachten ursprünglich, dass die Erneuerungszyklen bei zwei Jahren liegen. Wir müssen nun aber davon ausgehen, dass es eher drei Jahre sein werden», sagt Jean Philippe Bouchard, Tablet-Experte beim Marktforscher IDC.

Tablets werden vor allem zu Hause genutzt

Tatsächlich werden die Tablets in den meisten Fällen nicht mobil genutzt. Wer aber sein iPad auf dem Wohnzimmertisch liegen hat, wird kaum den Vorteil eines mobilen Bezahlsystems zu schätzen wissen.

Viele iPad-Nutzer sehen daher überhaupt keinen Grund, ihr Gerät zu erneuern, solang es noch seinen Dienst tut. Zwar lässt sich das erste iPad aus dem Jahr 2010 nicht mehr mit den neuesten Spielen bestücken, doch zum Internetsurfen, Zeitunglesen und E-Mail-Schreiben reicht es allemal.

Günstigere Tablets aus China

So muss Apple es schaffen, zunehmend Erstkäufer zu gewinnen. Für mehr als jeden zweiten Käufer sei das iPad das erste Tablet, verriet Apple-Chef Tim Cook bei der Vorlage der letzten Bilanz.

Ob das so bleibt, ist zweifelhaft. Der Markt wächst künftig vor allem dort, wo weniger Geld ausgegeben wird. Und in diesen Märkten muss Apple gegen chinesische Konkurrenten antreten, die ihre Tablets deutlich günstiger anbieten.

Dort zählen vor allem Tablets mit kleineren Displaygrössen. Nicht zuletzt darauf hat Apple mit seinem iPad mini reagiert. Doch Konkurrenz-iPads mit Sieben-Zoll-Displays sind deutlich billiger zu haben. Apple, aber auch Samsung, merken diese stärker werdende Konkurrenz einiger chinesischer Hersteller.

Konkurrenz durch Phablets

Zudem entscheiden sich immer mehr Käufer für Phablets, eine Mischung aus Smartphone und Tablet. Apple selbst hat nun ein grosses iPhone 6 Plus mit einer Display-Grösse von 5,5 Zoll im Angebot. Noch vor einem Jahr hat sich der Konzern über diese grossen Smartphones eher lustig gemacht.

Nach den Erwartungen des Marktforschers Strategy Analytics dürfte der Phablet-Anteil am Smartphone-Markt in diesem Jahr auf bis zu 24 Prozent steigen. Doch wer ein solches Gerät hat, wird sich kaum noch ein Tablet zulegen müssen.

Apple kann das am Ende recht sein, denn der Konzern verdient an beiden Geräte-Kategorien. Eine Schwäche im iPad-Geschäft ist für Apple aber eher zu verkraften als ein iPhone-Rückgang. Während der Hersteller mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit den Smartphones macht, liegt der Umsatzanteil der iPads nur bei gut 15 Prozent.

iPad mit mehr als zwölf Zoll geplant

Der iPhone- und iPad-Konzern geht offenbar einen ähnlichen Weg, den auch schon Samsung beschritten hat. Das Geräte-Angebot der Südkoreaner umfasst praktisch alle Display-Grössen. Zwar macht das die Vermarktung schwieriger, aber auf diese Weise lässt sich jede Nische mitnehmen.

Berichten zufolge plant Apple auch ein grösseres iPad mit zwölf Zoll oder mehr. Doch offenbar sind die Auftragsfertiger in Asien zu sehr mit der lahmenden Produktion des iPhone 6 Plus beschäftigt, als dass es nebenbei auch noch für ein grösseres Tablet gereicht hätte. Das Gross-iPad dürfte es daher wohl erst im nächsten Jahr geben.

Dieser Artikel ist zuerst in unserer Schwester-Publikation «Die Welt» erschienen.

 

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