Schuld ist in den meisten Fällen der Mensch. Neun von zehn Verkehrsunfällen werden durch Fehlverhalten der Fahrer ausgelöst. Dass die Zahl der Verkehrstoten in der Schweiz stetig sinkt, liegt denn auch nicht am steigenden Talent der Automobilisten, sondern an den technischen Neuerungen.

Zuerst kamen Gurte und Airbags. Heute warnen Sensoren, wenn man zu schnell fährt, anderen Autos zu nahe kommt oder auf der Strasse ein Hindernis droht. Mit erfreulichen Folgen. 2014 starben in der Schweiz 243 Menschen durch Autounfälle, im traurigen Rekordjahr 1971 waren es noch 1770.

Menschen manchmal «zu dumm»

Das bemerkte man offenbar auch bei Google. Der Technologieriese hat in seinem Zukunftslabor Google X ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Zunächst hatten die Forscher Modelle von Toyota und Honda umgerüstet. Dann entwickelten sie einen eigenen Prototypen. Was fehlt: Lenkrad, Gaspedal – alles, was man als Fahrer so braucht. Die Menschen seien einfach manchmal «zu dumm». Daher würden sie sich nicht als Backup für ein selbstfahrendes Auto eignen, so die Begründung von Google-X-Chef Astro Teller. In der Schweiz war Swisscom im Mai dieses Jahres die erste Firma, die ein selbstfahrendes Auto auf die Strassen schickte. Man wolle Erfahrungen über den neuen Markt sammeln, hiess es vom Unternehmen.

Auch auf Versicherer wirkt sich der Trend aus. Das klassische Geschäftsmodell der Autoversicherer stehe vor grossen Änderungen, heisst es in einer Studie von McKinsey. Vor allem die Risikobeurteilung und -berechnung werde sich ändern, wenn nur noch Maschinen auf der Strasse fahren.

Szenario der Zukunft: nur selbstfahrende Autos

Das Szenario, dass nur noch selbstfahrende Autos auf den Strassen unterwegs sind, dürften die wenigsten von uns noch erleben, die Versicherer haben also Zeit, sich darauf vorzubereiten. Viel kritischer hingegen ist die Übergangszeit, in der sowohl autonom fahrende Autos als auch manuell gesteuerte Wagen im Strassenverkehr unterwegs sind.

Selbstfahrende Autos untereinander verstehen sich nämlich gut. Sie sind alle auf die gleiche Weise programmiert und könnten deshalb auch das Fahrverhalten der anderen digitalen Verkehrsteilnehmer antizipieren. Das Problem entsteht, wenn noch Menschen am Verkehr teilnehmen. Denn Selbstfahrer handeln eben manchmal irrational.

Wer haftet bei Unfällen?

Eine der wichtigsten Fragen wird daher sein: Wer haftet, wenn ein selbstfahrendes Auto in einen Unfall verwickelt ist? Versicherer rechnen damit, dass sich die Verantwortung auf die Hersteller verlagert. Wenn es menschliche Fehler nicht mehr beim Fahrer gebe, so würden sie dafür in der Entwicklung entstehen.

So viele Gedankenspiele man auch durchgeht – zu neuen Produkten äussern sich die Versicherer noch nicht. Man beobachte den Markt aufmerksam, heisst es von den schweizerischen Assekuranzhäusern lediglich.


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