Das Flugzeug befand sich im Anflug auf Warschau. Als die Lufthansa-Maschine auf 700 Metern war, sahen die Piloten aus dem Fenster plötzlich ein unbekanntes Flugobjekt – gefährlich nahe bei ihrem Flieger. Wie sich später herausstellte, hatte ein Hobbypilot eine Drohne zu nah am Flughafen steigen lassen. Geschehen ist dabei zum Glück nichts.

Vorfälle wie der in der polnischen Hauptstadt sind keine Einzelereignisse mehr. Gefährliche Begegnungen zwischen Passagierflugzeugen und Drohnen nehmen mit einem beunruhigenden Tempo zu. Und das ist erst der Anfang.

Menschenmengen überwachen oder Pakete liefern

Experten prognostizieren schon für die nahe Zukunft ein rasantes Wachstum des Marktes für unbemannte Flugobjekte. Unternehmen wollen die fliegenden Helfer bald für sich einsetzen, entsprechende Pilotprojekte laufen bereits. So könnten etwa Strom- oder Telekomanbieter die kleinen Geräte nutzen, um Masten zu inspizieren, Sicherheitsunternehmen könnten Menschenansammlungen überwachen, Bauern könnten mit Drohnen ihre abgelegenen Felder inspizieren. Das bekannteste Beispiel ist das Online-Versandhaus Amazon. Hierzulande plant die Schweizerische Post den Drohnen-Einsatz.

Sie  will in Kooperation mit der Frachtdivision der Fluggesellschaft Swiss und dem Hersteller Matternet Drohnen einsetzen. Die fliegenden Helfer sollen Pakete und Briefe in abgelegene Gegenden zustellen. Amazon testet das bereits. Dank der Multikopter sollen Pakete dereinst in 30 Minuten beim Empfänger ankommen.

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Wachstum von 75 Prozent erwartet

Das Geschäft hat Zukunft, glauben Experten. Der Wert des globalen Drohnen-Marktes soll sich bis 2024 deutlich steigern, von 6,5 auf 11,6 Milliarden Dollar oder mehr als 75 Prozent, schätzen die Analysten der Teal Group. Der Anteil der zivilen Nutzung dürfte dabei deutlich zunehmen, während der der militärischen leicht abnimmt.

Doch was, wenn dann wirklich einmal etwas passiert? Die Frage treibt nicht nur die Unternehmen um, sondern auch Versicherer. Drohnen sind eines der neuen Risiken, die in den kommenden Jahren auf die Branche zukommen.

Versicherer lernen im Silicon Valley

«Der technologische Wandel macht sich in der Versicherungsbranche stärker bemerkbar als in irgendeinem anderen Bereich», erklärt Stephen O'Hearn, der bei der Beratungsfirma PwC für Versicherungen zuständig ist. Daraus entstünden grosse Chancen für Versicherer – genauso wie Probleme. Denn: Man kann zwar zahlreiche neue Produkte entwickeln. Doch Prämien für diese zu berechnen, wird schwer. Die Spezialisten der Versicherer nutzen dafür normalerweise historische Daten – und die liegen bei neuen Risiken nicht vor.

«Um mit der zunehmenden Technologisierung mitzuhalten, investieren die Versicherer stark in Innovationsförderung», sagt O'Hearn. Viele ziehe es zum Beispiel ins Silicon Valley, um von den dortigen Technologiefirmen zu lernen. Dazu gehört etwa die Schweizer Versicherung Mobiliar. Sie entsendet ausgewählte Mitarbeitende für ein bis drei Monate ins kalifornische Palo Alto. Man hofft, dass sie dort neue Ideen sammeln und dass durch den Aufenthalt ihr Innovationsdrang gefördert wird.

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Forschungsfonds von Axa

Auch Kooperationen mit Universitäten sollen beim Umgang mit den neuen Risiken helfen. Bei Axa gibt es etwa einen Forschungsfonds. Der unterstützt die Professur «Reliability & Risk Engineering« der ETH Zürich mit einem Betrag von 2 Millionen Euro. Der Lehrstuhl ist Teil des ETH Risk Center, das sich mit Auswirkungen neuer Risiken auseinandersetzt.

Spezielle Versicherungen gegen die Risiken durch Drohnen gibt es in der Schweiz derzeit noch nicht. Eine teilweise Deckung ist momentan nur über Umwege möglich. Ein Unternehmen, das Drohnen kommerziell nutzt und dafür auch eine Betriebsbewilligung besitzt, kann eine Luftfahrzeug-Einzelversicherung abschliessen.

Nach und nach global

Das ist indes ein Hilfskonstrukt, das nicht exakt auf Drohnen zugeschnitten ist. In Kanada ist das anders. Als einer der ersten Anbieter weltweit lancierte die Zurich Insurance dort eine Drohnenversicherung für Unternehmen.

In der Police abgedeckt sind sowohl Beschädigung der Drohnen selbst als auch Haftungsschäden. Auch Schaden durch kriminelle Eingriffe wie etwa Hacking sind gedeckt. Entwickelt hat Zurich die Versicherung gemeinsam mit dem auf Luftfahrtpolicen spezialisierten britischen Unternehmen Global Aerospace Underwriting Managers. Nach und nach wolle man das Produkt auch global anbieten, heisst es – je nach Bedarf in einzelnen Ländern. Die Post hält einen Drohnen-Lieferdienst in fünf bis zehn Jahren für realistisch – eigentlich die ideale Einstiegsmöglichkeit für die Schweiz.

Lesen Sie ausserdem auf handelszeitung.ch über die Gefahren von Cyber-Attacken und selbstfahrenden Autos.

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