Ein drohender Internetausfall bei Hunderttausenden Computernutzern hat in den USA zahlreiche Online-Anbieter alarmiert. Heute rüsteten sich Service-Hotlines für den Ernstfall und rechneten mit Anrufen betroffener Kunden.

Mehr als 570'000 Rechner sollen vor mehr als einem Jahr von einer internationalen Hackerbande mit der Schadsoftware «DNS-Changer» infiziert worden sein. Der Trojaner sorgte dafür, dass sich befallene Computer statt mit den normalen DNS-Servern mit Rechnern der Kriminellen in Verbindung setzten.

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Nutzer fanden sich auf manipulierten Werbeseiten wieder, über die die Hacker laut einem Bericht des britischen Senders BBC mehr als 14 Millionen Dollar abgreifen konnten.

Bande Ende 2011 aufgeflogen

Das FBI liess die Hackerbande schliesslich im November 2011 auffliegen. Allerdings mussten die Agenten der US-Bundespolizei feststellen, dass ein Ausschalten der befallenen Server zu einem Internetausfall bei den betroffenen Rechner führen würde.

In einem ungewöhnlichen Schritt richtete das FBI daher ein Sicherheitsnetz aus provisorischen Servern ein. Diese mussten jedoch am 9. Juli abgeschaltet werden, nachdem eine entsprechende gerichtliche Verfügung ausgelaufen und nicht verlängert worden war.

Heute noch 250'000 Rechner infiziert

Derzeit sind nach FBI-Schätzungen noch immer etwa 250'000 Rechner mit der Schadsoftware infiziert. Davon sitzen die meisten in den USA. Diverse Online-Anbieter warteten derweil offenbar mit technischen Lösungen auf, die das Serverproblem bei Betroffenen in den Griff bekommen sollen.

In diesem Fall würde das Internet zwar weiter funktionieren, die Schadsoftware jedoch weiter in den befallenen PCs bleiben und eine künftige Gefahrenquelle darstellen, warnte der zuständige FBI-Spezialist Tom DeGrasso.

Alles ein geheimer Plan des FBI?

Im Internet machten zugleich zahlreiche Verschwörungstheorien die Runde: Die Warnungen der Behörden seien nur ein Trick, um sich ihrerseits Zugang zu den Rechnen der Bürger zu verschaffen, hiess es. Das FBI und Experten wiesen die Anschuldigungen zurück.

Andere Beobachter glauben hingegen, dass in der Internetgemeinde wieder viel Lärm um nichts gemacht werde. Dabei verweisen sie auf das Jahr 2000 und den Wirbel um den sogenannten Millenium-Bug. Die nahende Jahrtausendwende wurde von Befürchtungen über folgenschwere Computerabstürze überschattet. Am Ende gab es nur wenige Probleme.

(vst/tno/sda)