Dass ein verkohltes Smartphone einen Flug aufhält, ist an sich schon ein starkes Stück. Doch für Samsung, den Hersteller des Geräts, könnte der Vorfall noch viel brisanter werden. «Ich hörte einen Knall, als ob ein Plastikbeutel geplatzt wäre, dann kam Rauch aus meiner Tasche». So schildert Brian Green die Schrecksekunden, die er beim Boarding im Flugzeug erlebte. Auslöser des Schocks: Ein Samsung-Handy.

Das Gerät fing Feuer, kurz nachdem es sich die Fluggäste bequem gemacht hatten in der Southwest-Airlines-Maschine, die sie am Mittwochmorgen eigentlich von Louisville im US-Bundesstaat Kentucky nach Baltimore bringen sollte. «Ich zog das Telefon heraus und warf es auf den Boden, weil ich nicht wollte, dass es in meiner Hand explodiert», sagte Green dem lokalen Sender «Wave 3 News». Über etwa fünf Sitzreihen hinweg habe sich der Rauch der verkohlten Elektronik ausgebreitet.

Nichts als Probleme

«Ich konnte sehen, wie das Telefon Teile des Teppichs verbrannte.» Die Maschine wurde noch am Gate evakuiert, der Flug gestrichen. Die 75 Passagiere kamen zwar mit dem Schrecken davon. Doch für Samsung könnte der Vorfall sehr unangenehme Folgen haben.

Denn bei dem Gerät handelte es sich um das inzwischen berüchtigte Smartphone vom Typ Galaxy Note 7. Das ist eben jenes Modell, das dem südkoreanischen Elektronikriesen wegen überhitzender Akkus schon seit mehr als einem Monat nichts als Probleme bereitet.

Ab 28. Oktober in Europa

Erst kürzlich hatten US-Behörden nach Berichten, wonach das Vorzeige-Smartphone beim Laden explodiert oder in Flammen aufgegangen sei, einen offiziellen Rückruf angeordnet. Mehr als 90 solcher Vorfälle mit dem sogenannten Phablet - einer Mischung aus Smartphone und Tablet-Computer - wurden in diesem Zusammenhang bekannt.

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Samsung selbst räumte die möglichen Defekte bereits Anfang September ein. Der Konzern startete eine weltweite Austausch-Aktion für das Gerät, das in Europa wegen der Probleme nun erst am 28. Oktober auf den Markt kommen soll.

Vor diesem Hintergrund ist die Flugzeug-Evakuierung für den südkoreanischen Apple-Konkurrenten erst so richtig heikel. Denn laut Smartphone-Besitzer Green handelt es sich bei dem Gerät, wegen dem die Maschine gestoppt werden musste, um ein neues Modell. «Weil es so aussieht, als sei dies bereits ein Rückruf-Gerät [...], ist das Ganze noch ein bisschen beunruhigender.»

Samsung gibt sich bedeckt

Eine Samsung-Sprecherin hielt sich auf Nachfrage bedeckt: «Solange wir das Gerät nicht geborgen haben, können wir nicht bestätigen, dass es sich um ein neues Note 7 handelt.» Man arbeite mit den Behörden und der Airline zusammen, um das Handy prüfen zu können und Aufschluss über die Ursache des Unfalls zu erhalten.

«Sobald wir das Gerät untersucht haben, werden wir mehr Informationen teilen können.» Sollte es sich wirklich um ein Umtausch-Handy handeln, würde das für Samsung derzeit das denkbar grösste Desaster bedeuten.

«Rückschlag für das Geschäft»

Fest steht aber auch so schon, dass die erneute Panne zur Unzeit kommt. Nach Einschätzung von Marktforschern wird das Akku-Debakel die Geschäfte auf Monate massiv beeinträchtigen. «Wir rechnen mit einem spürbaren Rückschlag für das Geschäft im dritten Vierteljahr - und möglicherweise auch noch im Weihnachtsquartal», sagte Analystin Roberta Cozza vom IT-Marktforscher Gartner.

Besonders bitter für den Hersteller: Gerade nun, wo das iPhone-Geschäft des grossen Rivalen Apple erstmals etwas an Schwung zu verlieren scheint, wäre eigentlich der perfekte Zeitpunkt für eine Marktoffensive.

(sda/gku)